Karl Kautsky und das Erfurter Programm der SPD

Mittwoch, 19. Oktober 2011 um 15:42 Uhr Rudolf Homann Leserservice
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Karl Kautsky (1854-1938) gilt bis zu seinem Tod als ein führender Theoretiker der Sozialdemokratie.

Auf einer Reise nach London lernt er 1881 Karl Marx und Friedrich Engels kennen.

Von 1883 bis 1917 leitet Kautsky die Zeitschrift der Zweiten Internationale, die "Neue Zeit".

Dort erscheint 1902 Die Sozialdemokratie und die katholische Kirche http://bit.ly/9AsoLQ

1891 verfasst Kautsky den Entwurf des "Erfurter Programms" der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, das - geprägt von der Theorie des Marxismus - eine sozialistische Gesellschaft anstrebt.

Der Erfurter Parteitag wurde vom 14. Oktober bis 20. Oktober 1891 abgehalten. Hier wird das Programm verabschiedet.

1892 erscheint Kautsky Buch "Das Erfurter Programm - in seinen grundsätzlichen Teilen erläutert", das in den folgenden Jahren in mehreren Auflagen erscheint.

Volltext: http://www.marxists.org/deutsch/archiv/kautsky/1892/erfurter/index.htm

Das folgende Zitat aus dem Jahr 1892 könnte ebenso gut für die heutige Zeit geschrieben sein:

"Man staunt über die Menge Dummer, die heute jeder Schwindler dahin zu bringen weiß, daß sie ihm ihr Geld anvertrauen, wenn er ihnen nur recht hohe Zinsen dafür verspricht."

1917 tritt Kautsky nach heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der SPD zur Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) über.

1918/19 ist er Staatssekretär im Auswärtigen Amt.

1922 kehrt er zur SPD zurück und schreibt 1925 als Mitverfassser am "Heidelberger Programm", in dem sich die SPD zwar erneut auf die Grundsätze des "Erfurter Programms" beruft, diese aber durch Reformen erreichen will.

Seine Schrift Mein Verhältnis zur Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei aus dem Jahr 1922 gibt einen hervorragenden und detaillierten Einblick in die politischen Zusammenhänge zur Zeit des 1. Weltkrieges und danach.

Der Text Wortlaut hier: http://www.marxists.org/deutsch/archiv/kautsky/1922/xx/uspd.htm

Wegen seiner Ablehnung des Bolschewismus, die in seiner Schrift Von der Demokratie zur Staatssklaverei deutlich wird,  wird er von Lenin und Trotzki als Renegat beschimpft.

Seine letzte große Veröffentlichung erscheint ein Jahr vor seinem Tod am 13. März und 3. April 1937 im tschechischen Exil:

Die Krise des Kapitalismus und die Verkürzung der Arbeitszeit.

Seine Ehefrau Luise Kautsky-Ronsperger war eine Freundin Rosa Luxenburgs und Berliner Stadtverordnete der USPD.

Sie wurde im Alter von 80 Jahren nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht.

Eine Gedenktafel am Roten Rathaus erinnert an Luise Kautsky.

Karl und Luise Kautskys Nachlass wird vom Internationaal Instituut voor Sociale Geschiedenis in Amsterdam verwaltet.

Die Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken hat vor kurzem in Berlin das ehemalige Wohnhaus von Luise & Karl Kautsky als Bildungs- und Begegnungsstätte und Sitz ihrer Geschäftsstelle ganz im Sinne ihrer ehemaligen Bewohner eingerichtet.

Die Falken

Rudolf Homann