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Islam für Sozialdemokraten: Der Koran

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Teil 2

Und es nahm mich die Göttin huldreich auf, ergriff meine rechte Hand mit der ihren und so sprach sie das Wort und redete mich an: "Jüngling, der du unsterblichen Wagenlenkern gesellt mit den Rossen, die dich dahin tragen, zu unserem Hause gelangst, Freude dir!

Denn keinerlei schlechte Fügung entsandte dich, diesen Weg zu kommen, sondern Gesetz und Recht."

"Nun sollst du alles erfahren, sowohl der wohlgerundeten Wahrheit unerschütterlich Herz wie auch der Sterblichen Schein-Meinungen, denen nicht innewohnt wahre Gewissheit ..."

So eine Passage aus Parmenides Lehrgedicht.

Parmenides war kein Prophet, so etwas kannten die Griechen auch nicht. Man hat ihm keine Kultstätte gebaut und es ist auch nie einer auf die Idee gekommen, Material und Bauweise des Wagens zu erforschen, mit dem er zum Tor der Göttin gelangte.

Trotz der Geschichte aber, die er nicht umsonst erzählt, gilt Parmenides weder als Spinner noch als unglaubwürdiger Märchenonkel, vielmehr als einer der größten Denker der Menschheitsgeschichte.

Ohne ihn könnte ich diesen Artikel so nicht schreiben, denn auf der Basis seiner Erkenntnis, deren Wert allerdings nur ein Profi erfassen kann, entdeckte Aristoteles die Logik – und ohne die funktioniert nun mal keine Software.

Dies sei vorausgeschickt: nicht alles, was wie Märchen und Spinnerei aussieht, ist es auch.

Mohammed sah den Koran als etwas eigenständiges, nicht von ihm produziertes an. Und wenn man Mohammed etwas nicht unterstellen kann, so ist es Mangel an Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit.

Wenn er das so sah, dann sah er es so. Rushdis "Satanische Verse" haben ja den Hintergrund, dass Mohammed einige znnächst von ihm für koranisch gehaltene Verse verwarf; die waren nicht heilig, sondern unheilig.

Die musste ihm einer bösartig dazwischen gemogelt haben.

Hingegen anerkannte er Verse als koranisch, die ihn kritisieren, also für fehlbar erklären: "Bewege deine Zunge nicht", nämlixh als Versuch, damit einen neuen Koranvers hervor zu locken.

Gott schickt einen neuen Vers, wenn er will, und nicht, wenn Mohammed das will. Oder "er zog die Stirne kraus und wandte sich ab", nämlich Mohammed, weil ein zerlumpter Typ mit ihm reden wollte, während er gerade mit ehrbaren Leuten in eine Diskussion vertieft war.

Woher er denn wissen wolle, ob der zerlumpte Typ kein viel wichtigeres Anliegen hatte?

Mohammed ist also, koranisch festgeschrieben, ein ganz normaler Mensch, dessen einzige Besonderheit die ist, dass Gott ihn zu seinem Gesandten ausgesucht hat.

Dazu hat er einen ihm besonders treu ergebenen erwählt, dessen Handeln und Entscheiden deswegen Maßstab für andere, ebenso menschliche Muslime ist.

Das begründet die Sunna, die Tradition, die vor allem aus den überlieferten Worten und Taten Mohammeds besteht, den Hadithen, und in der Folge aus den Interpretationen anerkannter Gelehrter, darunter den Gründern der vier sunnitischen Rechtsschulen.

Jedoch hat all dies nicht das Gewicht des Koran.  Der Koran ist eine sehr komplizierte Schrift und tatsächlich unübersetzbar.

Aus einem triftigen Grund: er ist in Reimprosa verfasst.

Also hat man die Wahl, entweder den genauen Wortsinn zu übersetzen, wobei dann allerdings nicht nur die Wirkung der Verse, sondern auch die spezifischen inhaltlichen Akzente verloren sind, oder ihn nachzudichten, und das geht nun einmal nicht unter Beibehaltung des exakten Wortsinnes.

In klassischen Koranschulen werden daher die Verse auswendig gelernt, bestenfalls lernen die Schüler, die arabische Schrift zu lesen – und der ihnen unverständliche Inhalt erklärt.

Wobei das klassische Arabisch auch für den landläufigen modernen Araber unverständlich ist.

Als Beispiel – passend zur Wirtschaftskrise – Sure 102, zunächst in der Nachdichtung von Friedrich Rückert, der mit den Kindertotenliedern: "

1. Ihr wollt nur mehr Geschlecht und Habe,

2. Und geht darüber zu dem Grabe.

3. Einst werdet ihrs erfahren.

4. Ja einst werdet ihrs erfahren.

5. O daß ihrs sähet recht im Klaren!

6. Die Hölle werdet ihr gewahren,

7. Gewahren werdet ihr recht im Klaren.

8. Da wird man fragen euch, was eure Freuden waren.

" Und nun das Gleiche in Parets wissenschaftlicher Übersetzung: "

1. Die Sucht, mehr zu haben (als andere), hat euch (so sehr von allem höheren Streben) abgelenkt,

2. dass ihr sogar die Gräber besuchtet .

3. Nein! Ihr werdet (dereinst schon noch zu) wissen (bekommen, was mit euch geschieht).

4. Noch einmal (wörtl.: hierauf): Nein! Ihr werdet (es zu) wissen (bekommen),

5. Nein! Wenn ihr (es) doch sicher wüsstet!

6. Ihr werdet bestimmt den Höllenbrand zu sehen bekommen.

7. Noch einmal (wörtl.: hierauf): Ihr werdet ihn sicher und deutlich zu sehen bekommen.

8. An jenem Tag werdet ihr dann bestimmt nach der Wonne (des Paradieses) gefragt werden "

Dichtung war im vorislamischen Arabien hoch geachtet. Viele Stämme hatten ihre Dichter, deren Aufgabe nicht zuletzt darin bestand, Schmähgedichte gegen die Stammesgegner zu verfassen. Was schon mal zu dem erfreulichen Ergebnis führen konnte, dass die verfeindeten Stämme über dem Wettstreit ihrer Dichter das Kriegführen vergaßen.

Ein solches altarabisches Schmähgedicht findet sich auch im Koran.

In der Sure "Der Palmfaserstrick" wurde ein Mann namens Abu Lahab verewigt, mit seiner Frau, "der elenden Brennholzträgerin"; womit er zu solchen Ehren kam, ist wohl nicht nur mir nicht bekannt.

Mit saftigen Verwünschungen garnierte Reimprosa entsprach also der damaligen Kultur.

Hinzu kommt, dass die Alphabetisierung noch nicht weit fortgeschritten war; auch Mohammed beherrschte das Lesen nicht. Allerdings war das Lesen des Arabischen damals noch mehr als heute quasi eine Geheimwissenschaft.

Vor diesem Hintergrund muss man das Bild betrachten, wonach Engel Gabriel Mohammed den Koran vor hielt und ihn zwang, ihn zu lesen - und dabei an Parmenides denken.

Oder vielmehr: Gabriel zwang Mohammed nicht nur, die Verse zu lesen, sondern sie vorzutragen.  Der Koran ist eigentlich nicht zu lesen, sondern vorzutragen.

Sollte man bedenken, wenn man nach seiner Wirkung fragt.

Ein weiteres Verständnisproblem ergibt sich daraus, dass die seinerzeitigen Araber offenbar geistig sehr beweglich waren. Dafür sprechen literarische Zeugnisse um Mohammeds Zeit herum.

Sie brauchten nur wenige Worte, um sofort den ganzen Kontext zu erfassen, auf den diese Worte anspielten. Dieser Kontext ist heute natürlich nicht mehr gegeben und auch das macht es oft unmöglich, die Bedeutung einer koranischen Aussage ohne wissenschaftliche Kommentare zu erfassen.

Bald nach Mohammeds Tod erkannten die Muslime, dass der Koran in seiner Authentizität gefährdet war, wenn er nicht verbindlich niedergeschrieben werden würde.

Zwar gab es durchaus einzelne Verse, die jemand aufgeschrieben hatte, jedoch waren Gedächtnis und Verständnis des Gehörten nicht immer zuverlässig. Zudem kamen schon zu Mohammeds Zeiten einige auf die Idee, Koranverse so zu verändern oder zu ergänzen, wie es ihnen behagte.

Folglich gab es manche Verse in mehreren Variationen.

Also gründete man ein zuverlässiges Redaktionskollegium, das den Koran sammelte und zu einem Buch zusammen fasste; nach dem Prinzip "Meine Gemeinde kann nicht in einem Irrtum überein stimmen" im Konsens.

Dankenswerterweise ging diese Redaktion sehr sorgfältig vor.

Sie ließ sich jeden Vers in lückenloser Überlieferungskette mehrfach bezeugen um sicher zu stellen, dass da niemand seine eigene Erfindung zwischen mogeln konnte.

Anerkanntermaßen ist deswegen der Koran tatsächlich eiin authentisches Dokument. Dieser Redaktion zum Opfer fiel z.B. - der Steinigungsvers.

Die kapriziöse Aischa, die als Mohammeds Lieblingsfrau galt (Chadidja entsprach nicht so ganz dem Geschmack) berichtete von einem Koranvers, der die Steinigung untreuer Ehefrauen vorsah.

Andere widersprachen: nie was von gehört. Doch, meinte Aischa, den habe es sogar schriftlich gegeben, leider habe aber eine Ziege den Zettel gefressen.

Nun, dieser Vers wurde nicht in den Koran aufgenommen. Wenn die Ziege dieses wichtige Beweisstück gefressen habe, dann habe sie das gewiss nicht gegen den Willen des allmächtigen Gottes getan.

Was die Freunde der Steinigung nicht daran hinderte, an ihr als heiligem Brauch festzuhalten Theoretisch – denn die Mehrheit der Muslime hielt doch lieber am Koran fest.

Zu den Interpretationsschwierigkeiten gehört schließlich der Streit um die richtige Lesart des Koran.

Die arabische Sprache ist eine Konsonantensprache, in der aus einer bestimmten Konsonantengruppe mit einer bestimmten Bedeutung, meist sind es drei Konsonanten, nach komplexen, ausgefuchsten Regeln ganze Wortfelder entwickelt werden.

Die Wörter, Verben wie Nomina, werden durch Präfixe, Suffixe, Infixe, Verdoppelungen gebildet, ebenso wie Perfekt oder Imperfekt, Aktiv, Passiv, Konjunktiv, Partizipien usw. und unterscheiden sich oft nur durch die Aussprache, die die Konsonanten verbindenden kurzen Vokale.

Die aber werden nicht mitgeschrieben.

Ob dä Mann dä Hunk bieß oder dä Hunk dä Mann, im schriftlichen Arabisch ist das egal.

Es ist klar, dass man sich bei manchen Koransätzen allein deswegen streiten kann, was sie aussagen.

Das heißt, wenn auch viele Verständnisprobleme im Laufe der Jahrhunderte geklärt werden konnten, es bleiben immer noch einige übrig, über die man heftig streiten kann.

Daraus resultiert der Wert der wissenschaftlichen Koranübersetzung von Rudi Paret.

In zahllosen Anmerkungen gibt er eben auch die möglichen Alternativen an, die holprige wörtliche Übersetzung oder Stellen, deren Bedeutung noch im Dunkeln liegt, denn auch die gibt es noch.

Dies alles mag erklären, warum der Islam sich dem Einheitskirchen-gewohnten Europäer in einer ihm schier unüberschaubaren Vielfalt darstellt.

 

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