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Islam für Sozialdemokraten: Mohammad

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Mohammad, Begründer des Islam, wurde 570 in Mekka geboren und, früh verwaist, von der Verwandtschaft aufgezogen.

Mekka war damals eine autonome Stadtrepublik, ein Umstand, der m.E. gar nicht überschätzt werden kann, denn selbstverständlich wird eine Religion vom Umfeld ihres Entstehens beeinflusst.

Dies war im Falle Islam ein ganz anderes, als die in nomadischem Umfeld entstandene Stammesreligion Judentum, die bäuerlichen germanischen Religionen oder das im römischen Kaiserreich entstandene Christentum.

So übertrug Mohammad die ihm selbstverständliche Autonomie auf die Gemeinde der Muslime: die verwaltet sich als soziale, später staatliche Gemeinschaft selbst und lässt sich da von keinem anderen reinreden.

Als autonome (=keiner anderen Herrschaft unterworfene) Stadtrepublik funktionierte Mekka genau so, wie unsere mittelalterlichen Stadtrepubliken. Es gab eine Oberschicht - die Patrizier - die im demokratischen Konsens (wobei Demokratie natürlich nur für die Patrizier galt) ihre Geschicke selbst regelten.

Und es gab eine verarmte oder beständig von Armut bedrohte Unterschicht, die kaum etwas zu sagen hatte.

Gerade für sie reklamierte Mohammad Rechte, man kann durchaus sagen, unveräußerliche Menschenrechte.

So gab es natürlich auch in Mekka die Sklaverei. Die selbst griff Mohammad nicht an, wenn er auch die Freilassung von insbesondere muslimischen Sklaven als gute Tat darstellte und als Buße gegen alle möglichen Sünden empfahl; wesentlich ist, dass er auch den Sklaven einklagbare Rechte einräumte.

So gestand er dem Sklaven das Recht zu, sich wegen Misshandlung eigenständig an ein Gericht zu wenden.

Das sollte man nicht übersehen, wenn man insbesondere aus rückständigen Gebieten den Ruf nach der Scharia vernimmt. Scharia heißt in erster Linie nicht blindgläubiger religiöser Fanatismus, sondern Rechtsgarantie (die dann freilich, wie wir das auch aus unserem eigenen einfachen Volk kennen, gerne mit "Rübe ab" und "kastrieren das Schwein" und ähnlichen frommen Wünschen verbunden wird).

Und so entstammten die ersten Muslime eben dieser Unterschicht.

Was den Mekkanern so lange gleichgültig war, bis sie merkten, dass da eine neue Macht heran wuchs, die sich ihnen entgegen stellte.

In Mekka herrschte als Religion altarabischer Polytheismus.

Es ist allerdings nicht anzunehmen, dass der noch besonders glaubwürdig war. Mekka war eine Handelsstadt, die Patrizier waren vorwiegend Kaufherren, die teils lange Reisen bis nach Syrien und weiter unternahmen. Es war ihnen wohl bekannt, dass es noch alle möglichen anderen Religionen und Sekten gab, nicht zuletzt hatte die Nachbarstadtrepublik Yatrib, das spätere Medina, eine starke jüdische Gemeinde.

Die Mekkaner waren nüchterne, beißend spottlustige Leute, und wenn man sich anschaut, was alles im Koran verboten und folglich gemacht wurde - die Sucht nach mehr = Akkumulation, sich nicht das Erbe der Waisen aneignen, Reichtum nicht als Kriterium für den sozialen Rang und den Wert eines Menschen ansehen, Zinsverbot usw. - bekommt man den Eindruck einer typischen frühkapitalistischen Gesellschaft.

Auf den Polytheismus legten die Mekkaer dennoch Wert, denn Mekka war Wallfahrtsstadt, die Kaaba war schon in vorislamischer Zeit religiöser Anziehungspunkt, und das war eine lukrative Sache, wie jede "heilige Stadt" weiß.

Ein paar anstän dige Reliquien waren über Jahrhundete stets die einzige Grundlage für den bedeutenden Wirtschaftszweig Tourismus.

Mohammad hat sich wohl schon relativ früh mit der Glaubwürdigkeit von Religionen auseinander gesetzt auf der Suche nach der wahren Religion.

Gegen 610, also im Alter von ca. 40 Jahren, dann die ersten Offenbarungen und das Bekenntnis zu einem rigorosen Monotheismus.

Wobei er sich zuerst als Mahner und Warner verstand und noch nicht als Prophet.

Bemerkenswert ist Mohammads erste und wichtigste Ehe, bei der unsere Patriarchen freilich gerne zur Vergesslichkeit neigen.

Mohammad musste natürlich arbeiten und trat früh in den Dienst der 15 Jahre älteren reichen Kaufherrenwitwe Chadidja ein, eine selbständige Unternehmerin also, die ihm 595 die Ehe antrug; wohlgemerkt, sie, nicht er. Mohammad heiratete sie und die Mekkaner spotteten, da sei er in zwar liebevolle, aber wohl schon etwas mürbe Mutterhände gefallen.

Nicht desto trotz gibt es anhand der historischen Quellen keinen Zweifel daran, dass es eine Liebesheirat war.

Mohammad betrachtete diese Ehe, durch die er gewaltig im sozialen Rang aufstieg, als Fürsorge Gottes, doch als göttliches Wirken begriff er ebenso, dass Gott "Liebe und Zuneigung" (Koran) zwischen die Eheleute gesetzt habe; bei ihm war das jedenfalls der Fall.

Chadidja glaubte seinen Offenbarungen sofort und gilt als die erste Muslimin.

In diesem Licht muss man die koranischen Verse über die Frauen betrachten. So auch die Forderung, den verwitweten und verwaisten Frauen ihr Vermögen auszuhändigen, heißt, selbst verwalten zu lassen. Dass die das ohne weiteres können, wusste er.

Von daher geht der Islam von Anfang an von der wirtschaftlichen Selbständigkeit der Frau aus, was sich auch im Eherecht niederschlägt (Gütertrennung, Leistung-Gegenleistung, im Islam ist die Ehe kein Sakrament, sondern ein zivilrechtlicher Vertrag); was patriarchalische Gesellschaften später daraus machten, steht auf einem anderen Blatt.

In Glaubensfragen sind Frauen sowieso selbständig.

Den Mann, der da als denkendes Haupt über sie bestimmt und dem sie zu folgen haben, wie im Christentum, gibt es im Islam nicht.

Diese Ehe dauerte fast 25 Jahre; Chadidja starb 619. Vier Töchter und zwei Söhne, die allerdings im Kindesalter starben, gingen aus dieser Ehe hervor, von der allerdings nur eine Tochter, Fatima, Nachkommenschaft hatte.

Sonst hatte er keine Kinder, bis auf einen Sohn mit einer drei Jahre vor seinem Tod geheirateten koptischen Sklavin, der allerdings im Kindesalter starb.

In der Zeit seiner Ehe mit Chadidja lebte Mohammed strikt monogam.

Seine vielen Ehen ging er erst nach ihrem Tod ein, wobei durchaus zu fragen ist, ob das tatsächlich alles Ehen waren, denn sie blieben alle kinderlos und manche Ehe ist mit ziemlicher Sicherheit als Kriegerwitwenversorgung zu bezeichnen, etwas, was Mohammad auch seinen Gläubigen empfahl - Versorgungsehen mit verwitweten oder allein stehenden Frauen, die wegen des Glaubens ihre soziale Gemeinschaft verlassen hatten.

Nichts desto trotz, Mohammad war ein großer Frauenfreund - zum Bonvivant wurde er allerdings erst nach dem Tod seiner ihm eng verbundenen langjährigen Ehefrau.

Frauenfreundlich war die alte mekkanische Gesellschaft nicht.

Die Geburt einer Tochter wurde schon mal von Wehklagen über das Unglück begleitet und wenn es einem zuviel wurde, wurde der weibliche Säugling einfach im Sand verbuddelt.

Etwas, was Mohammad rigoros unter Androhung von Verdammnis und Höllenfeuer verbot.

Weiblicher Nachwuchs war Grund zum Spott.

So spotteten Mekkaner auch, der christliche Gott habe wenigstens einen Sohn zustande gebracht, sein, Mohammeds Gott, aber offenbar nur Töchter.

Eine Bosheit, gegen den der Koran sich wehrt.

Mohammed hingegen schloss seine Töchter demonstrativ nicht aus und behandelte sie nicht anders liebevoll als Söhne - für die damalige Zeit irritierend und ungewöhnlich, da jedoch Mohammed allen Muslimen als Vorbild galt (und gilt), hatte dies einen ganz erheblichen Einfluss auf die Besserstellung der Frau in der frühen muslimischen Gesellschaft, der bis weit ins islamische Mittelalter hinein nachwirkte.

622 wanderte Mohammad von Mekka nach Yatrib, bald Medina (= die Stadt) genannt, aus.

Zwar war es keine Flucht, dennoch wurde die Lage in Mekka zunehmend schwieriger für ihn.

Die Medinenser hingegen waren hoch erfreut, denn sie waren heillos untereinander zerstritten und Mohammed hatte den Ruf, kompetenter Schlichter und Friedensstifter mit zuverlässigem Rechtsbewusstsein zu sein.

Er war also von den Medinensern eingeladen worden.

In Medina etablierte sich die muslimische Gemeinde, was sich auch im Koran nieder schlug: die offenbarten Abschnitte wurden länger und befassten sich mehr mit Rechts- und organisatorischen Fragen.

Hier begannen auch die kriegerischen Auseinandersetzungen, zu denen es bald, insbesondere von Mekka aus gesteuert, kam.

Denn Mekka passte die rasant zunehmende muslimische Gemeinde, die dazu auch noch Fluchtpunkt für mekkanische Gläubige war, überhaupt nicht.

Nachdem ihnen klar wurde, dass die muslimische Gemeinschaft ihre in ihrer Existenz bedrohte, denn sie zog an als die menschenfreundlichere und gerechtere, initiierten sie einen Vernichtungskrieg mit Bündnispartnern, bei denen ihnen offenbar alle Mittel recht waren, Vertragsbruch, Verrat, Hinterhalt bis hin zum Krieg an dafür verbotenen Friedenstagen; vor diesem Hintergrund sind die zunehmend unerbittlicher werdenden Koranverse zur Kriegsführung zu sehen.

630 nahm Mohammed Mekka ein, nachdem die Mekkaner mal wieder einen Vertrag gebrochen hatten.

Was eine relativ einfache Sache war, da inzwischen auch einflussreiche mekkanische Großfamilien zum Islam übergetreten waren und Mohammed allen Mekkanern, die sich an den Kämpfen nicht beteiligten - und das waren wohl die meisten - Leben und Unverletzlichkeit garantierte.

632 starb Mohammed.

Als sein politisches Vermächtnis wird ein Ausspruch von ihm (hadith) angesehen: gefragt, wer denn nach seinem Tod bestimmen solle, was richtig und was falsch sei, was zu tun und was zu lassen sei, antwortete er "meine Gemeinde kann nicht in einem Irrtum überein stimmen".

Das legte das bis heute geltende Konsensprinzip fest: als hundertprozent wahr kann nur das gelten, worin alle (vermünftigen) Muslime überein stimmen.

Alle strittigen Fragen sind letztlich Gewissenssache, die in der persönlichen Verantwortung jedes Einzelnen liegen.

Unfehlbar ist also nur die Gemeinschaft aller Muslime, insofern gibt es keine Gruppe, die diesen Anspruch erheben kann.

Was von Sektierern immer schon mal dadurch umgangen wurde, dass sie sich selbst zu den wahren Muslimen deklarierten und alle anderen zu de facto Ungläubigen, schlimmstenfalls zu vom Islam Abgefallenen, die umzubringen seien.

Insofern waren solche Sekten stets für Muslime eine weit größere Bedrohung als für Nichtmuslime.

Solche Sekten tauchten ab und an immer wieder mal im Islam auf, berühmt-berüchtigt geworden sind die Assassinen.

Allerdings konnten sie nie länger als maximal wenige Jahrzehnte wüten - die Mehrheit zu gewinnen war für sie stets völlig aussichtslos.

Koran

 

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