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Zur Situation in der Altenpflege

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Ein Hoch auf die leisen Töne, diesmal entdeckt in der Zeitschrift „ chrismon“ das evangelische Magazin 04.2018 Der Artikel mit der Überschrift „ die sind so nett!“ Pflegekräfte von den Philippinen kümmern sich um unsere Alten. Den Text dazu in chrismon schrieb David Krenz, in einer sehr verständlichen und klaren Form, die eigentlich jeden Leser gefallen müsste und was er schreibt, regt an zum Nachdenken und Weiterlesen. Angereichert ist der Artikel von dem Fotografen Hannes Jung, der eigentlich gar nichts anderes als den Alltag der jungen Damen aus dem Fernen Osten in unseren Pflegeheimen im Bild festhielt, es überwog auch hier nicht nur das Detail sondern ganz einfach seine Bilder, nüchterne Fotografien aber soviel aussagend. Kommen wir einmal zum Inhalt, ein Pflegeheim in Meißen, was auf den Fotografien einen sauberen und gepflegten Eindruck macht und man sieht Senioren die eigentlich unsere Verwandte bzw. unsere Nachbarn sind. In diesem Pflegeheim fehlte es an Personal, jetzt arbeiten hier junge Frauen von Philippinen hier. Bewusst wählte der Autor eine Interpretation „ für manche Altenpfleger sind sie vielleicht eine Provokation“ gleichzeitig spricht der Heimleiter seine Bewunderung aus „ die gehen mit einer Nächstenliebe durch die Gänge, da biste baff.“ Der Leser macht also Bekanntschaft mit einer Einrichtung in Meißen und mit den neuen Mitarbeiterinnen und das in einer lesenswerten Art und Weise, man fühlt sich irgendwie bereits beim Lesen geborgen. Diese jungen Frauen machten eine Reise ins Ungewisse, denn zuvor hatten sie kein Pflegeheim betreten, denn der Artikel 15 der Staatsverfassung besagt: „ die Familie hat die Pflicht, für ihre älteren Mitglieder zu sorgen.“ Damit ist es eine Selbstverständigkeit, das auf den Philippinen Senioren bei Verwandten wohnen und von ihnen gepflegt werden. Man erfährt dabei, dem ist so und für diese Frauen war das eine Selbstverständlichkeit und auf den Philippinen arbeiteten sie zuvor in den Krankenhäusern. Diese beiden Faktoren sind der menschliche Mehrwert, den diese Frauen mit in ihren neuen Beruf bringen. Man erfährt mehr, ich sagte bereits der Autor nahm auch im Detail die weiche und verständliche Sprache und da bleibt dem Leser etwas im Gedächtnis: Klarissa, der gaben ihre Großeltern mit. „Behandle die Alten dort, wie du uns behandelt hast.“ Stellen wir uns jetzt mal die Frage, wer gibt das in unseren Breiten seinen Enkeln mit auf den Weg? David Krenz kommt in seinem Artikel zum Thema auf den Philippinen, denn von 100 Millionen Philippinern arbeiten 6 Millionen im Ausland, geschätzt durch die Weltbank. Sie werden nun von der deutschen Altenpflege entdeckt, wie der Autor richtig beschreibt „ rücken wir unaufhaltsam in Richtung der Pflegebedürftigkeit.“ Zudem werden immer weniger Alte Zuhause gepflegt und in unseren Pflegeheimen kann man Lehrstellen nicht besetzen. Hier sagt David Krenz etwas ganz gravierendes, was eigentlich alle Pflegepolitiker zum Handeln zwingen müsste, „ für das Jahr 2030 rechnet der Pflegereport der Barmer Ersatzkasse mit 350 000 fehlenden Altenpflegern, Bund, Länder und Verbände beschlossen 2013 eine qualifizierte Zuwanderung aus Drittstaaten.“ Das war der Ausgangspunkt, hier setzt der Artikel in zweifacher Hinsicht ein. Die ideale Form der Information, man lässt den Betroffenen sprechen und in diesem Fall ist es der Heimleiter und der schildert diese Situation in dem Pflegeheim aus seiner Sicht. Ganz im Gegensatz zu dem was uns tag täglich serviert wird, im Gegensatz zu dem Artikel in chrismon stellt mancher Autor seine Meinung in den Vordergrund. Hier ist es richtigerweise der mittelbare Entscheidungsträger, der durchaus näher am Problem ist und somit ungefiltert seine Meinung sagt. Der Leser erfährt dabei etwas über den Arbeitstag eines Heimleiters, der täglich Anrufe entgegen nimmt wo es in der Sache um Heimplätze für Angehörige geht. All das geht von Amtswegen nicht automatisch, wie reagieren Angehörige die vertröstet werden? Zudem hat in diesem Fall in dem Meißener Heim die Leitung eine besondere Funktion im Management bekommen, man nennt das die Scharnierfunktion für die jungen Frauen von den Philippinen zu übernehmen. Sie halten aus der Entfernung den Kontakt zu ihren Familien, da muss das Internet funktionieren. Natürlich kennt auch diese Heimleitung die Situation und weiß, diese Art der Pflege läuft in Richtung Kollaps und dann berichtet der Heimleiter aus der Praxis. Sechs Auszubildende hat das Heim derzeit und er wirbt in Schulklassen um den Schülern die Berührungsangst zu nehmen, berichtet dann aber auch von den Jahren in denen kein Auszubildender seinen Abschluss schaffte. Beschäftigen wir uns einmal mit der letzten Aussage und gehen dabei etwas über den Artikel hinaus, wir alle kennen die letzten Sieger im Wettbewerb der Azubis in den Pflegeberufen des Jahres 2016 auf der Homepage der Volkssolidarität Bund las man dazu den begleitenden Artikel und konnte das Foto der jungen Damen bei der Ehrung im Deutschen Bundestag betrachten. Es waren junge Damen, die sich dieser Ausbildung stellten und sie erfolgreich abschlossen, eine perfekte Ausbildung der Solidarität zum und am Menschen, die Überwindung, Kraft, Liebe, Ausdauer, Wissen, Statistik und nicht nur Hilfsbereitschaft erfordert sondern auch noch Freude am Beruf. Dieser Beruf ist der Dienstleistungsberuf am Menschen und der setzt die Menschenliebe voraus und dabei geht es immer um die Qualifizierung des Personals. In diesem Falle, hier in Meißen bedeutet das „ gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, es sind also keine Billigarbeiter von den Philippinen, sie haben allerdings einen Wissensvorsprung und bekennen sich zu ihrer Leistung. Man erfährt mehr in diesem Artikel, ein Vollzeit Altenpfleger im Osten unserer Republik verdient monatlich unter 2000 Euro Brutto, was nichts anderes ist als ein verordneter Hungerlohn. Nun interpretieren wir das einmal, zunächst fehlt der Altenpflege hier die gesellschaftliche Anerkennung, zudem fehlt der Nachwuchs und es ist die mäßige Vergütung die an dieser Misere schuld ist, das es überhaupt dazu kam erkennt man am Fehlen der politischen Vorgaben in der Vergangenheit. Lesen wir dazu weiter, in der Zeitschrift „ chrismon“, „ Tatsächlich bildet der asiatische Staat weit mehr Pfleger aus, als er benötigt. Weshalb ein UN Bericht die Pflegekooperation zwischen Deutschland und den Philippinen als Best Practice lobt, auch entspricht sie dem Global Code der WHO, einem Verhaltenskodex zum Anwerben medizinischer Fachkräfte.“ Dazu liest man aber auch die folgende Kritik: Bevor wir uns der Kritik widmen, muss man diesen Artikel in der „chrismon“ ausführlich lesen, denn einerseits sagt die Tochter einer Heimbewohnerin.“ Für sie sind 2000 Euro viel Geld. Für uns ein Hungerlohn.“ Dabei sollte man den zuvor hier erwähnten Verhaltenskodex zum anwerben medizinischer Fachkräfte als ein staatliches Triple-Win- Projekt und die privaten Anbieter, mit ihrer Hilfe gelang es erst diese Frauen als Fachkräfte anzuwerben, das Projekt C&C und das betrachtet man als ethische Legitimation des Geschäftes. Nun zur Kritik, zunächst ist es lobenswert zu erwähnen dass hier der Autor ,David Krenz, auch Kritiker zu Wort kommen lässt. „Kritik kommt von Gewerkschaften und Sozialverbänden, sie schreiben auf ihrer Plattform für Globale Gesundheit, der Pflegeberuf sei inzwischen so unattraktiv, dass Bundesregierung und ArbeitgeberInnen auf dem Weltmarkt nach Fachkräften suchen, die bereit sind, unter den hierzulande immer schlechteren Einkommens- und Arbeitsbedingungen in der Pflege tätig zu werden.“ Soweit so gut oder so schlecht, David Krenz lässt noch den Sozialpolitikexperten der Uni Koblenz Stefan Sell zu Wort kommen: „der sieht eine weitere Abwertung des Berufsbildes“, erfordert bereits über Jahre von der Politik, es durch höhere Gehälter zu stärken. Den Beschäftigten rät Prof. Sell, sich zu organisieren und damit auch diesen Beruf eine schlagkräftige Form zu geben. So weit die Theorie, wer allerdings den Markt der Pflegebranche etwas näher betrachtet, wird diese Dienstleistungsunternehmen unterscheiden können, David Krenz weilte in einem Haus was von einer christlichen Organisation betrieben wird, stationäre Einrichtungen werden also überwiegend von Sozialverbänden betrieben. Hier gibt es die eigentlich verbindlichen Lohn- und Gehaltsgruppen annähernd TÖVD Bund, wobei die AWO ihren eigene hat der im Schnitt darunter liegt und alle die zum Paritätischen zählen einen ähnlichen haben. Die eigentliche erkennbare Schwachstelle ist ihr die jeweilige Eingruppierung des Arbeitnehmers, etwas was in diesem Artikel zu kurz kommt. Eingruppierung und Arbeitsinhalt sowie Arbeitszeiten sind Aufgaben der Tarifpartner und zwar in den Betrieben, wer arrangiert sich hier und leistet zu seiner durchaus harten Arbeit zusätzlich einen Teil als Personal- oder Betriebsrat? Sagen wir es so, diese Berufsgruppe hat den geringsten Organisationsgrad, was an der Belastung der Arbeitnehmer liegt, an der fehlenden Betriebszugehörigkeit und am Desinteresse der Arbeitgeber. Noch härter ist der Markt bei der mobilen Pflege, hier kommen noch private Soziale Dienste hinzu, die bundesweit über eine Lobbyvertretung am Regierungssitz verfügen und sich immer wieder anbieten, sich aber auch nicht öffnen brauchen- denn die staatliche Fürsorge in Form einer Kontrolle wurde teilweise dem Sozialen Dienst der Krankenkassen übergeben, eindeutig hier kommt der Gewinn des Unternehmens vor dem Dienst am Menschen. Zum Ende des Artikels kommt der Autor zu der Kultur der Philippinen zu sprechen, es ist eine Kultur der unglaublichen innigen Familienbande, man sollte wissen, diese jungen beginnen in Deutschland erst die Arbeits- und Umgangssprache hier zu lernen und setzen sich bereits voll für ihre Aufgaben ein. Wundern sich stets dabei, wie wenig Zeit sich Deutsche für angenehmen Dinge des Alltags nehmen. Eines davon bleibt einem Leser in Erinnerung, sie wundern sich wie wenig Besuch hier die Heimbewohner bekommen. Fazit: Von dieser Kultur etwas lernen und voller Hingabe und Liebe am Menschen für den Menschen arbeiten, würde uns alle gut tun. Fragen sollten wir uns alle „ wie kam es zu dieser sichtbaren Misere innerhalb der Pflege?“ und daraus ergibt sich eine weitere Frage „ weshalb gelang es innerhalb unserer Kultur solche Berufe gesellschaftlich so abzustufen?“. Dieser Artikel wurde etwas länger als manch anderer auf der Homepage „ ein Herz schlägt links“, es war aber beabsichtigt weil der Autor in „chrismon“ seinen Artikel überschrieb mit „ die sind so nett!“ Wäre es nun nicht an der Zeit, dass mancher Ortsverein, manches Soziale Forum, mancher kirchlicher Arbeitskreis oder auch Nachbarschaftsgruppen sich einmal intensiv mit dieser Problematik beschäftigen müssten und zusammen mit den Trägern dieser Sozialen Einrichtungen die Parlamentarischen Abende in Leben rufen und auf denen die im Bezirk oder Kreis gewählten Politiker sich den Fragen stellen sollten? Noch ist es nicht zu spät dazu, die Heimbewohner können es nicht mehr tun- deshalb sollten wir es für Sie und uns tun.

Zuletzt aktualisiert am Montag, 09. Juli 2018 um 17:24 Uhr  

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