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Leitkultur-Diskurs ist erforderlich. Wer sind wir und was wollen wir?

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Leitkultur-Debatte.

Abgrenzung ohne Rassismus ist notwendig.

Die Diskussion muss geführt werden.

Seltsam, wer käme auf die Idee, eine Debatte über die Leitkultur in Frankreich anzuzetteln?

Weder die Befürworter der französischen Kultur noch ihre Gegner haben Lust dazu.

Warum?

Die französische Kultur ist gesetzt. Selbst Einwanderer aus Nordafrika stellen sie nicht in Frage, weil es sich um eine ehrwürdige und anerkannte Kultur mit jahrhundertlanger Tradition handelt. Mit der französischen Verfassung sieht es da schon anders aus. Hierfür gibt es bei Zuwanderern aus islamischen Kulturkreisen weniger Respekt, oft schon allein deshalb, weil viele von ihnen nicht eingebürgert sind und dementsprechend nicht mitbestimmen können. Grundsätzlich aber, weil sie häufig tendentiell verfassungswidrige Familienstrukturen  haben, die sie sich nicht kaputt machen lassen wollen. Das Hemd ist nun mal näher, als die Hose.

Gibt es keine deutsche Leitkultur?

Die Frage, warum es nun ausgerechnet in Deutschland umgekehrt sein soll, dass die deutsche Kultur von den Migranten in Frage gestellt wird, die Verfassung aber nicht, will die SPD-Integrationsbeauftragte des Bundes Aydan Özoğuz beantworten und überzeugt dabei kaum.

Die Behauptung, dass es keine deutsche Leitkultur jenseits der Sprache gäbe und Deutschland schon immer ein kulturell diverses Land und Einwanderungsland gewesen sei, führt  vielleicht sogar bewusst in die Irre. Parallel zu Frankreich hat auch unser Land eine kulturelle Entwicklung hinter sich, die von der Aufklärung bis zum modernen Bürgertum ganz spezifische Phasen eigener Identitätsfindung aufweist. Von Leibnitz über die bürgerliche Revolution bis zu Marx, von Bach über Beethoven bis Schönberg, um nur einige Beispiele deutscher Kultur zu nennen,  sind wir ein besinnliches, naturverliebtes und durchaus sehr fortschrittlich denkendes Volk, mit eigener Küche, eigenen Werten und einer bestimmten Moral, in der Fairness sehr ausgeprägt ist. Nicht umsonst war Karl Marx ein Deutscher.

Man erlebt den Unterschied zwischen der deutschen und anderen Kulturen gerade im Kontakt und der Abgrenzung besonders intensiv. Fairness ist kein kultureller Wert, der in der arabischen Welt besonders betont wird, dort ist es eher die Machtausübung, die als wertvoll erlebt wird. In der Türkei ist es ähnlich. In der russischen Welt wird zu viel Fairness eher als Zeichen von Schwäche betrachtet. Bei uns aber kann man gar nicht fair genug sein und neben den eigenen Vorteilen auch immer die Vorteile der anderen berücksichtigen.

In bi-nationalen Ehen erlebt man manchmal die Unterschiede solcher Grundauffassungen, wie man sich mit anderen verhalten soll.

Auf allen Ebenen gibt es diese Unterschiede zwischen den Kulturen und Nationen, welche nicht zuletzt auch die unterschiedliche wirtschaftliche und soziale Entwicklung in den Ländern mit bewirkt haben.

Migranten reiben sich nicht an unserer Kultur, sondern an unserem Grundgesetz

All das sind keine Klischees, wie die Integrationsbeauftragte behauptet, sondern Fundamente unserer deutschen Gesellschaft. Festgeschrieben haben wir manches von dem, was wir als Grundüberzeugung haben, auch im Grundgesetz.

Wir Deutschen haben ein sehr ausgeprägtes Empfinden für die Würde des Menschen und den Schutz der Familie, wir gehen vorsichtig und respektvoll miteinander um und achten darauf, die richtige Distanz zu wahren. Wir sind wenig impulsiv und beleidigen andere nur wenn uns endgültig der Kragen platzt. Danach entschuldigen wir uns. Das alles gilt vor allem intrakulturell, da wo die Sozialisation Ähnlichkeiten in den Einstellungen und unserem Verhalten geschaffen hat. Interkulturell dominieren bei uns zunächst einmal das Misstrauen und der Zweifel. Ja, da sind wir durchaus Gartenzwerge.

Wir müssen unsere Identität klarer und eindeutiger  definieren, als bisher

Die Konfrontation mit anderen Kulturen im eigenen Land können wir aber nicht mehr vermeiden.

Menschen anderer Kulturen und Länder, die nicht zwei scharfe Kulturbrüche hinter sich haben, wie die Deutschen (gemeint sind der Nationalsozialismus und die Kulturrevolution der Sechziger) leben ihre Identität häufig unreflektierter und mit weniger Zweifeln aus. Hier sind wir im Nachteil.

Der Begriff der Leitkultur ist dabei eben nicht nur eine Abgrenzung gegenüber den Zuwanderern, sondern auch der Versuch das „Deutschsein“ besser zu definieren und hier einen „common sense“ zunächst einmal intrakulturell herzustellen. Was sind die unverkennbaren Eigenschaften und Werte, die wir haben und die wir nicht zur Disposition stellen wollen?  Diese Fragen müssen derzeit unter Druck (nicht nur Zuwanderungsdruck) beantwortet werden, was den Diskurs aufheizt.

Diese Diskussion, so notwendig sie ist, wird nicht nur geführt, sondern auch gestört und teilweise verhindert. Die Darstellung der Integrationsbeauftragten mit türkischen Wurzeln, dass es quasi keine autochtone,  deutsche Kultur gäbe, ist ein solcher Versuch, die Diskussion, möglichst von höchster Stelle, im Keim zu ersticken und die Diskutanten zu entmutigen. Das kann nicht hingenommen werden.

Der Versuch, das „Deutschsein“ als Nogo darzustellen, ist bei linken Parteien und den Grünen bekannt. Joschka Fischer äußerte sich in einem seiner Bücher sogar so, dass man die Deutschen durch Verdünnung  (gemeint ist Zuzug aus anderen Ländern) neutralisieren müsse.  (joschka Fischer hat viel Blödsinn geschrieben, von dem er hinterher nichts mehr wissen wollte, aber das meinte er ernst.) Eine Einstellung, die im linken Spektrum verbreitet ist und in ihrer radikalen Form der Ideologie der „Anti-Deutschen“ (“Deutschland verrecke!“) entspricht.

Genau wie Abgrenzung von Fremden irgendwann an Rassismus grenzt, grenzen die Einstellungen, das Deutschland keine eigene Leitkultur habe, irgendwann an eine antideutsche Ideologie, man könnte auch sagen, einen antideutschen (inversen) Rassismus.

Definitionen beinhalten allerdings grundsätzlich Grenzüberschreitungen. Schließlich muss man die Grenzen, innerhalb welcher heute „Deutschsein“ stattfinden kann, erst einmal ausloten. Das führt sowohl zu sprachlichen, als auch ideologischen und kulturellen Verfehlungen. Diese werden derzeit besonders häufig gegenüber der AfD angemahnt. Kein Wunder, da die AfD diesen Diskurs am intensivsten betreibt, wenn auch nicht ausschließlich. In der Union gibt es ähnliche Diskussionen.

Abgelehnt werden solche Definitionsversuche grundsätzlich bei der SPD, den Grünen und den Linken.

Fazit

Wer die Diskussion um das „Deutschsein“ und die deutsche Leitkultur verhindern will, arbeitet mit grundsätzlichen Verneinungen und einem kulturellen Nihilismus, wie bei Aydan Özoğuz, der Integrationsbeauftragten des Bundes, zu beobachten.

Der Versuch, die Diskussion abzuwürgen, führt allerdings nicht weiter. Unter dem Druck der Migrationswellen der letzten Jahre (inzwischen haben 18% unserer Mitbürger ausländische Wurzeln) stehen wir Deutschen unter dem Druck, den fremden Identitäten unsere Eigene gegenüber zu stellen. Das war bislang nicht in dem Maße erforderlich.

Die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre haben aber gezeigt, dass wir die Definition unserer gesellschaftlichen und kulturellen Werte weder Minderheiten überlassen dürfen, noch das Grundgesetz als Bibel des „Deutschseins“ erklären können, obwohl dort viel drin steht, was unsere Identität geprägt hat. Wir müssen den Diskurs über unsere Leitkultur mutig fortführen, wenn sich die Mehrheit unserer Bevölkerung nicht von anderen sagen lassen will, welche Werte sie zu haben hat und sich nicht der kulturellen Auflösung preisgeben möchte.

Abgrenzung ohne Rassismus tut derzeit not!

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 23. September 2017 um 13:20 Uhr  

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