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Le Pen: Der Extremist sind Sie, Monsieur Macron!

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Analyse: In der großen Debatte vor der Stichwahl um die französische Präsidentschaft, gelingt Marine Le Pen ein Coup.

Obwohl die französischen und deutschen Medien sich erneut darin überbieten, Macron den Sieg in „der Debatte“ zuzuschreiben, dürfte die Kandidatin des Front National wichtige Wählerstimmen hinzugewonnen haben. Das Szenario erinnert stark an die zweite Debatte zwischen Donald Trump und Hillary Clinton, bevor Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde.

Die als brutal beschriebene Diskussion strotzte von persönlichen Angriffen, die allerdings kalkuliert wirkten. Als Le Pen den Euro als die Währung der Banken bezeichnete und ihren Konkurrenten als deren „plat ventre“ (der auf dem Bauch kriecht), hat sie vermutlich das ausgedrückt, was die meisten Franzosen denken.

Der Euro hat den einfachen Franzosen nichts gebracht. Die Reallohnverluste sind dort noch größer als in Deutschland. Gerade die kleinen Sparvermögen waren nach seiner Einführung im Jahr 2001 innerhalb kürzester Zeit halbiert, obwohl die offiziellen Inflationsstatistiken dies nicht bestätigen. Die gefühlte Inflation lag in den letzten 15 Jahren auch bei den Franzosen höher. Dazu kommt die Nullzinspolitik, die seit Jahren den Vermögensaufbau gerade für die kleinen Leute, die keine Risiken eingehen können, fast unmöglich macht.

Macron dagegen versuchte immer wieder die extremistische und rückwärtsgewandte Position Le Pens deutlich zu machen und bezog dabei an mehreren Stellen deutliche „Prügel“. Le Pen gelang dabei der Coup, den Chef der synthetischen Bewegung „En Marche“ hinter dem sich die angeschlagene europäische Elite geschart hat, als Extremisten darzustellen. Sie zitierte Reden und Artikel von Macron, in denen sich dieser als radikaler Föderalist geoutet hatte. Föderalisten streben einen europäischen Zentralstaat in Brüssel bei gleichzeitiger Degradierung der nationalen Parlamente zu regionalen Parlamenten an. Geplant ist nicht weniger, als die Abschaffung der Nationalstaaten in Europa.

Wenn das kein Extremismus ist, was dann?

Der zweite Coup, der Marine Le Pen während der Diskussion gelang, war die Rehabilitierung des Begriffes „Protektionismus“. Sie stellte an verschiedenen Beispielen klar, dass Grenzen einen Schutz darstellen und dass dieser Schutz vor allem für diejenigen da ist, welche ihn benötigen. Angefangen bei den gering qualifizierten Arbeitern, über die strukturschwachen Regionen, bis zur kulturellen Identität der Franzosen. Es gelang ihr dabei immer wieder die Fortschritte Europas als Rückschritte darzustellen, die verantwortlich für die hohe Arbeitslosigkeit, die sinkenden Reallöhne, die Belastungen der Sozialsysteme, die verschlechterte Bildungssituation und schließlich auch die Probleme mit Migranten sind.

Wie ein weiblicher General de Gaulle sieht Le Pen die französische Nation bedroht und könnte diesen „De Gaulle“ über die gesamten zweieinhalb Stunden der Debatte relativ glaubwürdig verkörpern.

So schloss sie in der „Card Blanche“ mit einem überzeugenden Statement für Frankreich und die Franzosen:

 

„Je n’ai pas de thème choisi, c’est une philosophie générale, la France que vous défendez n’est pas la France, c’est une salle de marché, c’est la guerre de tous contre tous, où les salariés devront se battre pour préserver leurs emplois, les entreprises entre elles devront se battre pour avoir la durée de travail la plus longue pour essayer de conserver les marchés entre elles.

Ce n’est pas la vision qui est la mienne. Je crois à la solidarité, je crois que la France est une nation avec une culture, avec un peuple, avec une espérance qui est l’espérance de pouvoir continuer dans des conditions respectueuses à commercer avec les autres nations du monde, rétablir une diplomatie, la France a été jetée dans le chaos par vos amis politique. Il est temps de remettre en ordre et faire le choix de la France.”

“..das Frankreich, das Sie verteidigen, ist nicht Frankreich, es ist eine Markthalle, ein Krieg aller gegen alle, wo abhängig Beschäftigte sich  gegenseitig bekämpfen, um ihre Arbeitsplätze zu erhalten… das ist nicht meine Vision. Ich glaube an die Solidarität, glaube das Frankreich eine Nation mit einer Kultur ist, mit einem Volk, mit einer Hoffnung in Würde und Respekt fortzubestehen, zusammen mit den anderen Nationen der Welt in diplomatischer Weise. Frankreich ist von Ihren politischen Freunden ins Chaos gestürzt worden. Es ist an der Zeit wieder Ordnung zu schaffen und Frankreich zu wählen.“

Die Hauptleistung Le Pens am Vorabend der Wahl, ist es, sich selbst als Präsidentin Frankreichs darzustellen, während sie Macron in die Position des staatsgefährdenden Europäers drängt. Das kann bei vielen Franzosen Erfolg haben.

Vermutlich wird Le Pen die Präsidentschaft dennoch nicht gewinnen. Die Medienmacht ist auch in Frankreich gewaltig und lässt, wie man auch an der öffentlichen Beurteilung der Debatte sieht, kein gutes Haar an ihr. Sollte sie jedoch weiter an Macron heranrücken, kann dies ganz entscheidende Auswirkungen auf die Wahlen zur Nationalversammlung haben, die im Juni stattfinden. Dann könnte ein sehr starker Front National einem zerstrittenen Haufen von proeuropäischen Parteien, die sich nur zeitweise hinter Macron versammelt haben, das Leben schwer machen.

Ein „weiter so“ oder gar eine „weitere Europäisierung“ der französischen Politik wird es dann wohl in absehbarer Zeit nicht geben. Die proeuropäischen Eliten befinden sich im Abwehrkampf, das ist unverkennbar

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 04. Mai 2017 um 15:36 Uhr  

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