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Soll Europa mit Selbstzerstörung drohen?

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Die Diskussion um eine europäische Atommacht gegen Russland ist absurd.

Es kann nur eine europäische Atommacht mit Russland geben, wenn die Amerikaner eine Europäisierung der Nato tatsächlich zulassen, was allerdings fraglich ist.

Als es den „eisernen Vorhang“ noch gab, während des kalten Krieges war schon Eisenhowers Version der Verteidigung Europas gegen eine konventionell übermächtige Sowjetarmee die Atombombe. Die damals vorhandenen Atomwaffen zielten dabei vor allem auf Deutschland. Eine gut verdrängte Tatsache.

Es gab zu keinem Zeitpunkt des transatlantischen Verteidigungsbündnisses eine hinreichende, konventionelle Antwort auf die sowjetische und heute russische Übermacht in Europa. Die atomare Abschreckung muss diese Unterlegenheit schon seit Ende des zweiten Weltkrieges kompensieren.

So gesehen, ist die atomare Drohung für eine europäische Staatengemeinschaft, in der fünfhundert Millionen Menschen auf engstem Raum leben, auch heute schon nichts anderes, als ein „Selbstmord-Zug“ im geopolitischen Schachspiel.

Wenn jetzt angesichts einer sich „entamerikanisierenden“ Nato eine atomare Aufrüstung in Europa diskutiert wird, gar eine Beteiligung Deutschlands an den französischen Atomwaffen, so kann man das natürlich tun, sollte aber nicht denken, dass damit irgendein sicherheitspolitisches Problem gelöst ist.

Wenn wir schon eine effektive Sicherheitspolitik haben wollen, sollten wir uns lieber an den russischen Atomwaffen beteiligen. Das mindert die Gefahr eines atomaren Suizides für Europa beträchtlich. Denn bereits zu Zeiten des kalten Krieges gab es in der Bundeswehr genug Kommandeure, die hinter vorgehaltener Hand zugaben, dass sie im Falle eines sowjetischen Angriffes ihre Truppe in der Kaserne lassen würden. In einem solchen Falle, das war schon in den Achtzigern allen klar, würden allenfalls die Amerikaner antworten, und zwar mit Atomwaffen auf Deutschland!

Natürlich steht die Frage im Raum, wie man auf einen russischen Präsidenten reagieren soll, der einen Krieg mit taktischen Atomwaffen für machbar hält. Die Frage lässt sich nicht beantworten, wenn man nicht mit europäischem Selbstmord drohen will.

Wir sollten nach anderen Waffen Ausschau halten. Generalstreik, Methoden des wirtschaftlichen Shut-Downs in Europa für den Fall eines umfassenden, russischen Angriffes, denn wenn Europa die Räder still stehen, läuft auch in Russland nichts mehr. Umgekehrt gilt das natürlich auch. Selbst die asymmetrische Kriegsführung mittels Terrorangriffen wäre da noch besser, als eine atomare Option.

All diese Überlegungen gelten natürlich nur dann, wenn die Amerikaner, die Briten und die Franzosen im Falle eines russischen Angriffes ihre Atomwaffen im Bunker lassen. Denn auch das britische Arsenal reicht völlig aus, um Europa zu zerstören und für immer zu verseuchen.

Am Ende ist die Atomwaffendiskussion eine Scheindiskussion. Wenn wir schon wissen, dass wir auch im Falle eines konventionellen russischen Angriffes keine Atomwaffen einsetzen würden, wenn die Amerikaner still blieben, dann wissen das auch die Russen. Wo bleibt dann die Abschreckung?

Allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, dass Washington seinen atomaren Anspruch auf Europa beendet. Die “Sicherheitsgarantien” werden also bis auf Weiteres gelten. Denn Amerika hat hier substanzielle, wirtschaftliche und politische Interessen zu verteidigen. Auch eine Regierung Trump wird das nicht so einfach übersehen können. Das allerdings bedeutet für die Europäer eher eine Fortsetzung der atomaren Bedrohung durch Amerika und keine Sicherheitsgarantie

Fazit:

Eine europäisierte Nato kann niemals eine wirksame militärische Verteidigung gegen Russland aufbauen, weder konventionell noch atomar. Die Konsequenz kann nur sein, dass sie ein Verteidigungsbündnis unter Einbeziehung Russlands und niemals gegen Russland sein kann.

Diplomaten an die Front!

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 12. März 2017 um 16:18 Uhr  

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