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Wie aus dem öffentlichen Gut Bildung ein privates Gut wird

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Als Mensch des Jahrgangs 1953 hatte ich gelernt auf der Schule, dass nur der Mediziner oder Mathematiker werden kann, der einen sehr guten Abitursdurchschnitt erreicht.

Meßlatte war der Numerus Clausus.

Wenn ich heute auf die Seiten unser bundesdeutschen Universitäten gehe, treffe ich für die meisten Fächer diesen NC.

Dazu erfahre ich, wie viel Wartesemester jemand benötigt mit einem Durchschnitt von z:B. 1,8.


Also frage ich mich: sind all diese Studiengänge heute so anspruchsvoll geworden, das ein Abiturient mit z:B: Abi 2 diese nicht mehr schaffen kann?


Und da ich nun bei den Fragen bin, überlege ich, warum denn nur Schüler die schlechter als 1,5 abschneiden überhaupt noch ihr Abitur erhalten?


Oder will man ihnen wenigstens die Reife bescheinigen.


Nur: wofür steht dann diese Reife? Und wer kann da was mit anfangen.


Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich immer schon eher das Gefühl hatte, dass der NC vor allem bei den Medizinern weniger mit den Anforderungen des Studiums zu tun hatte als mit dem Wunsch als selbsternannte Elite unter sich zu bleiben.


Das kann ich mir nun bei den vielen NC-Fächern nicht mehr vorstellen.


Sicher sind etliche Fachbereiche mit Elitequark im Kopf dabei, aber wohl kaum bei so vielen und so profanen wie Sozialwissenschaften.


Was also treibt diese Lehranstalten zu 1,5 NC’s nach 4 bis 6 Wartesemestern?


Kleinere Hörsäle und Lerngruppen?


In den Unis sieht es nicht danach aus.


Überall im Land wird Fachkräftemangel ausgerufen, nach Hochschulabsolventen und Facharbeitern gesucht.


Warum dürfen dann nur so wenige sich auf den Weg in diese Ausbildungen machen?


Der Blick auf private Fachhochschulen klärt auf: Da können alle ab 1,5 Notendurchschnitt unterkommen.


Vorausgesetzt die Eltern können sich ab 350 € aufwärts pro Monat die Studiengebühren und sonstiges Lehrmaterial (Laptop, Software etc.) leisten.


Berlin ist stolz darauf, keine Studiengebühren eingeführt zu haben.


Merkwürdig: in Berlin schießen private Hochschulanbieter nur so aus dem Boden.


Und jetzt dämmert mir auch, was da im Land so vor sich geht.


Durch bewusstes Verknappen der Studienplätze wird die Nachfrage für private Anbieter hochgetrieben.


Fernab der öffentlichen Debatte um Studiengebühren wird eine Praxis durchgesetzt, die weitaus höhere Gebühren etabliert und mithilft die öffentlichen Studiengebühren zu legitimieren, die zu dem ja noch „viel geringer“ ausfallen, da nur einmal im Semester zu bezahlen.


Unbemerkt von der öffentlichen Debatte wird Bildung privatisiert.


Die öffentlichen Einrichtungen bekommen so gut ausgestattete Konkurrenz hinter der namhafte Firmen stecken und ihre Interessen direkt durchsetzen können.


Und sind diese erstmal im ganzen Land etabliert, kann man die Diskussion lostreten von den uneffektiven öffentlichen Hochschulen und auf deren Beseitigung drängen.


Sehr hübsch dazu die Verlagerung von Bafög auf KfW-Kredite.


Damit die Banken nicht verarmen dürfen sie die Studienkredite vom ersten Tag an verzinsen, so dass der Absolvent bei Erhalt seines Studienabschlusses schon mal mindestens 70.000 € Schulden hat, die sich je nach Abzahlungsdauer um weitere Zinsen erhöhen.

Der Student als Melkkuh für private Hochschulen und Banken.


Wie bescheuert kann man eigentlich sein, um so etwas durchzusetzen in einem Land ohne Rohstoffe, angewiesen auf hohe Bildungsgrade und flexible Qualifikationen?


Und wie bescheuert muss sein, um den Zusammenhang zwischen diesem Prozess und dem immer größeren Fehlbedarf an Fachkräften nicht zu sehen?


Und wenn sie nicht bescheuert sind, die dafür Verantwortlichen:


Was sind sie dann?


Egoistisch, geldgierig, kurzsichtig?


Oder einfach alles zusammen?

Stoppt diese Geier über unserer Bildung!

Ps.: Verplapperer der Woche:

Erbost meldete sich ein Vertreter der Privatschulen im NDR zu Wort:

Nicht die SPD, sie, die Privatschulen hätten die Gesamt- und Ganztagsschulen zuerst entwickelt.

Brav, so erfährt Bürger es doch aus berufenem Munde: für die Reichen halten sie dieses Schulsystem auch für das Beste.

Nur nicht für diejenigen, die sich Privatschulen nicht leisten können.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 02. Januar 2013 um 15:20 Uhr  

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