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Start Neuigkeiten Teil 112 " Schön wenn man Kollegen hat"

Teil 112 " Schön wenn man Kollegen hat"

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Man pflegte noch eine Tugend den Menschen, die einem nahe waren Briefe zu schreiben.

Der von Hand geschriebene Brief war immer mehr als eine Mitteilung, er war die Aufforderung zum Dialog.

Es war für mich nur eine Art der Austausche von Erfahrungen und Zielen, eine andere Art war das persönliche Gespräch.

In beiden Fällen benötigt man Partner, es gibt mitteilsame und es gibt interessante sowie welche mit denen man eine Freundschaft beginnt.

Ich befand mich in einer fast komfortablen Lage zunächst alte Freundschaften wieder aufzufrischen und fand interessante neue Gesprächspartner.

Nach einiger Zeit tauten Kollegen förmlich auf und wenn man das Vertrauen von denen erworben hat, haben sie etwas zu berichten- was sie anderen gar nicht erzählen.

Dazu benötigt man die Tugend des Zuhörens, wir waren vielleicht eine Gruppe von Kollegen, die auf engsten Raum zusammen saßen und trotzdem fast alle eine andere Biografie besaßen.

Ein Erlebnis werde ich nie vergessen, 3 x am Tag kam eine junge Dame zu mir, vielleicht die einzige echte Berlinerin unter uns und die fragte mich unaufgefordert stets was ich wollte.

Das musste ich erst einmal verstehen, bevor ich antwortete sagte mir mein griechischer Kollege um was es ging.

Am frühen Morgen ging die in die Kantine zum Einkaufen, danach in die Poststelle und am Nachmittag außer Haus.

Es war allerdings nicht nur der Grieche, der mir auffiel- schräg gegenüber saß ein Salzburger, der stets zum Österreicher wurde.

Der erzählte mir einmal mehr über sich, denn er war der Nachkriegs- Österreicher, der mittlerweile der Berliner war.

Er erblickte das Licht der Welt als Österreicher in der amerikanischen Zone Österreichs, mit dem Staatsvertrag im Jahre 1955 verschwand sein Vater aus der amerikanischen Zone.

Die nächsten Verwandten wohnten in Berlin, allerdings in der Schönhauser Allee, er beendete seine Schule im sowjetischen Sektor der Stadt als Österreicher in der DDR.

Danach siedelten sie sich im Wilden Westen Berlin an, das war erst einmal so und er sah das als normal an.

Mein bayrischer Kollege, den hatte es der Frau wegen nach Berlin gezogen, die hatte er zuvor an der Küste des Schwarzen Meeres kennen gelernt.

Zudem gab es noch ein paar ältere Kollegen, darunter war jener Kreuzberger der nach 3 Schnäpsen stets einen roten Kopf bekam.

Der sagte darauf, das war bei mir schon immer so und deshalb nahm mich auch nicht die Wehrmacht.

In dem Betrieb war er bis März 1945 als Werkzeugmacher tätig, danach ging es mit ihm aufwärts.

Das betonte er immer, zunächst war er dort als die russischen Truppen die Reichsdruckerei plünderten, danach wurde er zum Hilfspolizist.

War er wohl nicht lange, vielleicht konnte er auf dem schwarzen Markt die Händler nicht so verfolgen als der Betrieb wieder begann war er der Mann der ersten Stunde.

Es gab noch mehrere, davon pflegte ich mit einem eine ganz besondere Freundschaft, denn er stand irgendwo über den Dingen.

Man widersprach ihm nicht, es waren nicht nur seine Argumente die überzeugten sondern er lieferte dazu auch Beispiele.

Das machte ihn interessant, zudem hatte er ein Handicap und das war seine Kriegsverletzung.

Darüber erzählte er mir mal, im September 1939 am dritten Kriegstag stürzte er mit der Fieseler Storch ab.

Der Krieg war allerdings nicht für ihn zu Ende, denn bis Mai 1945 war er bei der UfA und die drehte im Zillertal Filme für die Zeit danach.

Da gab es allerdings noch einen erfahrenen Kollegen, der hatte wesentlich schwerer zu tragen.

Eigentlich war er gut durch den Krieg gekommen, doch im Januar 1945 in Schlesien verlor er seinen linken Oberschenkel.

Zu all denen gehörten noch 2 andere, die eigentlich total unterschiedlich waren aber unheimlich herzlich.

Zunächst Heinz, der etwas jüngere, der wiederum aus Düsseldorf kam.

Heinz war eigentlich Konstrukteur und in Johannistal beheimatet, wurde während des Krieges zum Oranienburger und von der Roten Armee zunächst vergessen zu befreien.

Trotzdem wurde er danach zur Arbeit verpflichtet auf abenteuerliche Weise gelang ihm die Flucht nach Westberlin Anfang 1947.

Den älteren Kollegen kannte er bereits aus der Zeit vor dem Krieg und sagte stets, der flüchtete mit samt seinen Bürostuhl.

Wie dem auch war, er kam aus Oberschöneweide und hatte noch Verwandtschaft im Ostbezirk.

Ansonsten war das bereits etwas gemischter, es gab Franzosen aus der Garnison die nach dem Militärdienst hier angestellt wurden.

Die eigentlich typischen Berliner waren in der Minderheit.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 10. Mai 2016 um 02:19 Uhr  

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