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Magier der Statistik

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Dass sich mit Statistiken trefflich manipulieren lässt, ist hinlänglich bekannt.

Und Journalisten sind häufig gerne zu Diensten, wenn es darum geht, Meinungen, Sensationen oder Produkte ans Volk zu bringen.

Ob aus Unwissenheit oder Täuschungsabsicht sei zunächst dahingestellt. Jedenfalls werden wir fast täglich mit Statistiken malträtiert, die uns als „wissenschaftlich“ und/oder „signifikant“ präsentiert werden.

Dabei sind derart apostrophierte Statistiken häufig alles andere als das. Insbesondere das Hantieren mit relativen Risiken führt uns dann in die Irre.

Arme Millionäre

Anfang des Jahres ging ging die Aussage im Global Wealth Report der Schweizer Großbank Credit Suisse, dass die reichsten ein Prozent aller Menschen genauso viel besitzen wie die restlichen 99 Prozent durch die Medien.

Vermögen ist hier definiert als Bruttovermögen minus Schulden, und damit für rund ein Zehntel der Weltbevölkerung negativ.

Zu diesem „ärmsten“ Zehntel gehören auch Millionen Reiche, die es sich leisten können, hohe Schulden zu machen.

Tagelöhner in Indien oder Indonesien dagegen gehört aus Sicht der Credit Suisse, sofern sie eine eigene Hütte und ein paar Ziegen besitzen, zur reicheren Hälfte der Menschen auf der Welt.

Wie viel ist doppelt so viel?

Zwölf, so viel scheint gewiss, ist das Doppelte von sechs. Eine absolute Zunahme von sechs bedeutet jedoch gleichzeitig eine relative Steigerung um 100 Prozent.

Das wussten auch die Redakteure von Focus-Online und verbreiteten die Horrornachricht „Hai-Angriffe: Doppelt so viel Tote wie 2010“.

Was war passiert? Im Jahr 2011 war die Anzahl der tödlichen Hai-Angriffe weltweit von 6 auf 12 gestiegen. Doch die mickrige Ziffer 6 taugte eben nicht zur Sensationshascherei.

Auf die Nachricht, dass 500 Menschen jährlich von den qua Definition so süßen Elefanten totgetrampelt oder aufgespießt werden, haben wir vergebens gewartet.

Illusionisten der Medizin

Auch – und da wird es wirklich gefährlich – viele unserer Medizinmänner und -frauen tun sich zumindest dann schwer, wenn sie Gesundheitsstatistiken interpretieren sollen.

So wird gerade bei der Früherkennung von Krebs, die noch dazu in aller Regel wahrheitswidrig als Krebsvorsorge bezeichnet, mit dem Prozent-Trick gearbeitet.

Als besonders krasses Beispiel muss die Brustkrebs-Früherkennung durch Mammographie-Screening gelten. Hier wird den Frauen häufig suggeriert, dass die Brustkrebssterblichkeit durch das Screening um 25 Prozent reduziert werden kann.

Tatsächlich jedoch wird die Wahrscheinlichkeit an irgendeiner Form von Krebs zu sterben überhaupt nicht verringert.

Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung hat dazu eine Faktenbox erstellt, die dies eindrucksvoll belegt.

www.harding-center.mpg.de/de/gesundheitsinformationen/faktenboxen/mammographie

Dagegen werden 100 von 1000 Frauen mit Screening durch Fehldiagnosen falsch alarmiert und 5 davon unnötig diagnostiziert und behandelt – z.B. durch teilweise oder vollständige Entfernung der Brust.

Bei einer Fortbildung durch das Max-Planck-Institut mit 150 Frauenärzten gaben 51 von ihnen falsche Antworten auf die Frage, was eine „25 Prozent Reduktion der Brustkrebssterblichkeit“ im Klartext bedeutet.

„Während einer nur Zahlen und Zeichen im Kopf hat, kann er nicht demKausalzusammenhang auf die Spur kommen." ARTHUR SCHOPENHAUER

Illusionisten des Geldes

Banker und Ökonomen erfinden sie immer barbarischere statistische Berechnungen, mit deren Hilfe sie die Welt unbekannter Risiken des Geldes in Gewissheit zu verwandeln suchen.

Diese Berechnungen gaukeln uns eine ständige Gewissheiten vor, die es nicht gibt. Denn es gilt: je geringer die Ordnung eines Systems, desto schwerer seine Beschreibung.

Als im Dezember 2010 die vorläufige Endfassung eines Wunderwerks an Kompliziertheit, Basel III http://de.wikipedia.org/wiki/Basel_III veröffentlicht wurde, war das Kind, das man retten wollte bereits mehrmals im Brunnen gelandet.

Und mit ihm planschten dort fröhlich all die sogenannten Experten, die ihren eigenen Illusionen aufgesessen waren.

Mehr als 1,6 Billionen Euro an Steuergeldern mussten die EU-Staaten seit dem Finanzcrash im Jahr 2008 bereitstellen, um Banken zu retten, einem Crash den es nach den Berechnungen von Ökonomen gar nicht gegeben haben konnte.

Da hatte einer aus der Gilde der Makroökonomen, Robert Emerson Lucas Jr., bereits den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften (1995) erhalten, der 2003 stolz die Finanz-Kernschmelzen für beendet erklärte - "und zwar seit vielen Jahrzehnten“.

Merke:

Bei jeder zitierten Statistik empfiehlt es sich nach ihrem Zweck zu fragen.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 26. März 2015 um 04:05 Uhr  

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