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Teil 106 " Die Schredder- Prämie"

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Es war schon interessant, denn genau Jene die diese Watschen so heftig austeilten gerieten innerhalb von kurzer Zeit in die Defensive.

Es gab Aktennotizen der Arbeitsgruppe wo man vor geraumer Zeit bereits auf diese Schwachpunkte hingewiesen hatte.

Das stärkte wiederum die Einen und schwächte die Anderen, gar mancher hatte sich damit selber demontiert.

Es begann innerhalb der Firma das Stühle rücken, ebenso gingen manche den Weg in die Verhandlungen.

Für mich hatte das zunächst keine weiteren Folgen, denn mein Arbeitsvertrag war nicht vom Projekt abhängig, es setzte sich eine sog. Grundzufriedenheit bei mir fest.

Besagte aber immer noch nicht, dass man auf mich irgendwo wartete.

Man schleuste mich ein und damit geriet ich aus der Schusslinie, fast war ich auf dem Weg ein Bürohengst zu werden.

Einer der aber den eigentlichen Betriebsablauf nicht kannte, insofern schleuste man mich innerhalb von einer vorgegebenen Zeit durch alle Produktionswerkstätten.

Ich lernte somit den Betrieb von unten kennen, war dabei im Ablauf eingebunden und versuchte mich zu behaupten.

Nach einer Weile ging es zurück in die Planungsebene, da träumte man gerade von einer Fabrik unter dem Plannamen „Fabrik 2000“.

Um dieses Planziel zu erreichen zog man mit etlichen Betriebsteilen kreuz und quer, wollte in einigen Jahren einige für mehrere Monate auslagern um sie dann in diese „Fabrik 2000“ zu installieren.

Man sprach bereits munter und froh von der neuen Art eines sog. Multifunktionsbüros.

Zudem wechselte man die Obrigkeit aus, wechselt man oben folgen welche in der Ebene darunter.

Einer von diesen, jungen, dynamischen Selbstdarsteller hatte mit mir etwas vor, um die Zeit bis zur Fabrik 2000 zu überbrücken.

Diesmal war es ein ganz anderes Projekt, Teile dessen waren in den USA bereits gegenwärtig und dort kam er gerade her.

Das Ding nannte sich, die 3. bzw. hochgestellte Bremsrückleuchte an Kraftfahrzeugen.

Was ich zunächst erfuhr war eigentlich logisch, bisher waren an Kraftfahrzeugen die Rücklichter bzw. Bremsleuchten ziemlich tief angesetzt worden, würde man eine zusätzliche wesentlich höher platzieren –könnte man die wiederum besser erkennen.

In Europa hatte sich bereits ein Unternehmen damit beschäftigt, war aber mit den Prototypen dermaßen gegen den Baum gefahren, dass man von dieser Art der Konstruktion absah.

Daher das alles sehr schnell gehen sollte, denn es war der Wettlauf um das Geschmacksmuster sowie um das GS- Zeichen.

Aus wirren Zeichnungen entwickelten wir halbwegs innerhalb von wenigen Tagen brauchbare Unterlagen.

Prinzip war dabei der Alu- Rahmen, der sich vertikal sowie horizontal ineinander verschieben ließ. Damit deckte man bereits mehr als 80% der zugelassenen Pkws auf Deutschlands Straßen ab.

Bei der gewünschten Größe knebelte man die Hohlkörper miteinander, die vertikalen Stützen befestigte man auf der Hutablage und oberhalb des Heckfensters stützen die sich am Dach ab.

Hatte den Vorteil, einige Konstruktionen die sog. Saugnäpfe an der Heckscheibe verwendeten, wurden zu einer Gefahr für die Insassen, denn zu dieser Zeit waren die Heckscheiben mehr als beschlagen.

Eine Heckscheibenheizung besaßen nur die wenigsten Autos.

Ebenso verfolgten einige Entwickler anderswo die Idee Flachmaterial zu verwenden, was man unter der Gummidichtung klemmte.

Da ergaben Tests in der Nässekammer, dass die Fensterabdichtung nicht mehr gewährleistet war.

Wir waren also mit unserer Teleskop- Konstruktion auf der anerkannten Schiene, der Rest war vorgegeben.

Beide zusätzlichen Leuchten mittels Laschen nach oben oder nach unten anbringen, damit wurden wir sogar universeller.

Die Verdrahtung war Beipack und gehörte mit der Aufbauskizze in die Verpackungstüte.

Der Ablauf war eigentlich in wenigen Arbeitsgängen dargestellt und erforderte keinen wesentlichen Betrag an zusätzlichen Betriebsmittelkosten.

Die eigentliche Frage stand im Raum, was darf eine solche Ausrüstung dem Endkunden kosten?

Wir einigten uns auf 60- 70% eines durchschnittlichen Wocheneinkaufes beim Aldi, das waren also zwischen 50 und 60 DM.

Demzufolge hätten man das Ding für die Hälfte des Endpreises herstellen müssen, für die Arbeitsgänge war das nicht relevant-wir hatten mehr als 80% Zuliefererkosten.

Die kann man aber nur korrigieren, wenn man mit entsprechenden Absatzzahlen operiert.

Das wurde wiederum zu einem Thema, denn man wollte in einen Markt den man sich erst schaffen musste.

In solchen Fällen ersetzt man den Bedarf mit einer sich einer stufenweise angepassten Annahme und entwickelt daraus die optimale Fertigungslosgröße.

Soweit waren wir, hatten sogar mittlerweile 3 Modelle in unterschiedlichen Farben und gingen in den Start vor Vorserie.

Was wir allerdings nicht wussten, unsere Obrigkeit hatte das ganze Projekt bereits mit Gewinn verkauft.

Es kamen Manager einer anderen Firma und die übernahmen alles, inklusive meinen Unterlagen, was sie als weniger wichtig betrachteten ging in ihrer Anwesenheit durch den Schredder.

Zu dieser Zeit gönnte man mir einen Praktikanten, meinen ersten der danach ein angesehener Dipl. Ing. der TU Berlin wurde.

Der wurde Zeuge, dass ich für mein Schreddern noch zusätzlich 500 DM an einmaliger Umsatzprämie bekam, mit dem jungen Praktikanten entwickelte sich eine Freundschaft-die bis heute hält.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 29. April 2016 um 01:54 Uhr  

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