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Teil 75" Nürnberg im Sommer 1971"

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Aus heutiger Sicht könnte ich durchaus sagen, im Frühjahr 1971 gelang mir der eigentliche Durchbruch.

So komisch es klingen mag, in den Vorlesungen von Elmar Altvater traf ich bekannte Gesichter wieder, irgendwann hatte ich einige von denen bereits schon einmal gesehen.

Zuvor war das im Studentenheim anders, das war fast so wie im Semester man hatte Freundschaften innerhalb einer Schleuse.

Von denen mit denen man startete, waren nur noch wenige zum Schluss vorhanden, das Gegenteil vom dem war nun hier vorhanden.

Zudem gelang mir etwas durch Zufall, meine erste vorläufige Unterkunft in Weiherhof bei Fürth konnte ich nach kurzer Zeit tauschen gegen eine helle Mansarde im Nürnberger Stadtteil Stankt Peter.

Das wiederum war für mich ein bedeutender Zeitgewinn, ich war näher am Campus und sah vom Fenster die Burg- zudem entfaltete ich meine Aktivitäten.

Das was ich bisher erreicht hatte war gefragt, zudem waren andere von meinem Thema „Arbeitsbiografien“ nicht nur beeindruckt sondern nahezu angesteckt worden.

Mittels Altvaters Interpretationen zum Marxismus galt für uns ein Leben als links und frei zu führen.

Meine Mansarde wurde mittlerweile zum Mittelpunkt, allabendlich schmiedeten wir Ideen der Sache auf den Grund zu gehen.

Immer wieder kam die Erkenntnis durch, eine wissenschaftliche Arbeit ist nur dann eine Arbeit wenn sie sich mathematisch beweisen lässt.

Um das zu untermauern, starteten wir von uns aus eine Informationsreihe über die Geschichte der Mathematik.

Zunächst belächelte man uns, wer beschäftigt sich mit der Mathematik über die Jahrtausende?

Unsere Antwort lautete: „Wenn wir es nicht machen, wer soll es sonst machen?“

Wir bekamen ein Echo, die Theologen fanden unsere Idee über die Historie die Mathematik als Bedürfnis der Macht zu untersuchen hervorragend.

Das wurde zum Selbstläufer, aus 8 Studenten die eigentlich die Idee entwickelten wurden 65 die sich in Gruppen wiederfanden, wo es mich wiederum in die Arbeitsgruppe der Zahlensysteme führte.

Damit gelang der Durchbruch und ebenso hinterließ man Spuren, zudem gab es Veröffentlichungen.

Mich spornte das an, die Mathematik über die Historie als Zweck der Macht zu beweisen fand den Boden, in einer Gesprächsrunde sagte ich mal vorlaut „ja“ und erfuhr dann, dieses Referat über die Geschichte des Automobils wäre meine.

Damit begann wiederum die intensive Kleinarbeit, das Zusammentragen und die Eckpunkte herausstellen, das Automobil als solches zu beschreiben und die Motorisierung der Gesellschaft zu betonen.

Mein Tagesablauf wurde ein ganz anderer, war ich drin im Thema musste ich die ersehnte Pause mir gönnen, ich schätzte meine Mittagsrunden im Park um die Meistersinger Halle, des Abends klopfte ich das alles in die Maschine.

Den Text allerdings korrigierte ich am Folgetag, es verging fast ein Monat bis ich den endgültigen Text ins Schreibbüro gab. Was daraus wurde, sprengte meine Vorstellungskraft, das Manuskript allein genügte, zum eigentlichen Vortrag gestattete man mir nur 35 Minuten.

Eigentlich der Wahnsinn, man hat etliche überzeugt doch der Formalismus siegt, wieder wurde meine Mansarde zur verrauchten Diskussionsbude.

Im Detail hieß das, wir hatten 4 Varianten in gekürzter Fassung und waren ca. 7 Mitstreiter, gingen wir jeden Abend eine Variante durch, lautete das 14 Flaschen Märzen Bier und 7 Laugenbrezel.

Das ganze natürlich mal 4, ich tröstete mich damit dass ich das alles als den Teil des demokratischen Sozialismus von unten ansah.

In geheimer Abstimmung einigten wir uns, ich sollte die Variante innerhalb von 35 Minuten vortragen, von der ich nicht überzeugt war. Was aber folgte war dieses vermittelte ich direkt dem Prof. und der rief „bravo“, den Rest muss man in der folgenden Diskussion bestehen.

Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet, bisher hatte ich wahrhaftig nur 7 Fans, wenn dort aber 50 Zuhörer saßen und davon 25 Rechte vom RCDS und so weiter, konnte das in die Hose gehen.

Gut dass ich das zuvor bemerkte, denn rechnen konnte ich und 7 x4 waren 28, die machten mit und es wurde ein Heimspiel.

Das Heimspiel hatte es nämlich in sich, es bezog sich auf die Varianten des Fortschritts der Technik und immer dann wenn es in eine neue Epoche ging verdichtete sich die Arbeit.

Was nichts anderes aussagt, die starre Verkettung innerhalb der Produktion eröffnete der Rationalisierung Möglichkeiten.

Was aber nichts mit der Technikfeindlichkeit der Linken zu tun hat, nur was andererseits die Arbeitsbiografien der Beteiligten unterbrechen könnte.

Mehr oder minder gelang mir hiermit ein Einstieg in eine Debatte, die ich vielleicht auch wollte.

Aus anderer Sicht betrachtet, hatten sich die Gewerkschaften mit dieser Problematik noch nicht beschäftigt, die Frage stand im Raum „was passiert mit den Entschleusten?“

Eine Antwort, die mich allerdings nicht befriedigte kam, „bevor die dem Staat zur Last fallen werden die sich umorientieren.

Dieser Antwort muss man widersprechen, denn jeder Bürger eines Staates hat den Anspruch auf die Staatsbedürftigkeit. Was ist die Bedürftigkeit eines Staatsbürgers?

Damit verlagerte man das Thema auf die eigentliche politische Schiene und hier fehlten die entscheidenden Antworten.

In der Gesellschaftswissenschaft ist es durchaus möglich den Weg durch die soziale Abstufung zu gehen und damit einen Neustart zu versuchen, in der Praxis allerdings ist dieser Weg der Start in die verordnete Armut.

Damit begann der eigentliche Knall in Nürnberg im Jahre 1971, Armut in einer reichen Stadt und an erster Stelle die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum.

Der Treffer ins Herz dieser verlogenen Gesellschaft hätte nicht besser sein können, denn 1971 fand in Nürnberg das Dürerjahr statt und rein zufällig tagte dort der Ring Deutscher Makler.

Genau ein paar Wochen trafen wir auf Klaus Staeck, fantastisch seine Grafik- die saß. Das Gesicht von Dürers Mutter, gezeichnet vom geehrten Meister mit dem Text des linken Grafikers „ möchten Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?“

Nürnberg hing voll dieser Plakate und das Thema „Altersarmut und Wohnungsnot“ war in aller Munde, Klaus Staeck war der Durchbruch gelungen.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 15. September 2015 um 02:46 Uhr  

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