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Start Neuigkeiten Teil 67 "Der Einstieg in die Arbeitsbiografien"

Teil 67 "Der Einstieg in die Arbeitsbiografien"

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Mich störte das alles nicht, denn ich fand endlich zu meinem Thema und das waren die Arbeitsbiografie im 20. Jahrhundert.

Bereits vor dem Beginn meiner Tätigkeit, war mir bewusst geworden dass all diese Arbeitsbiografien ein Teil der Lebensbiografie der Menschen um mich herum ist.

Wiederum hörte ich in einigen Vorträgen, „Arbeitsbiografien in gewissen Epochen ist die Holografie der Menschen in einem System.“

Damit begann die ganze Sache interessant zu werden, um an die Arbeitsbiografien der Menschen zu kommen muss man sich mit dem System der jeweiligen Zeit beschäftigen.

Die Angelegenheit hatte ich mir eigentlich leichter vorgestellt, denn in jeder Arbeitsbiografie wird etliches verborgen und wiederum anderes geschönt.

Dabei geht es nicht um Bildung und Ausbildung, für diese stehen stets die Menschen gerade, nur wie wurden sie eigentlich was? Wie erlebten sie das System und kannte ich eigentliche die entsprechenden gesellschaftlichen Systeme?

Welchen Wert nahm die Arbeit in dem betreffenden System war?

Um das zu verstehen musste ich mich an die Jahrhundertwende heran wagen, im Kaiserreich war nämlich gesellschaftlich der Faktor Arbeit zweitrangig.

In der Gesellschaft galt der Reserveoffizier mehr als der Handwerksmeister.

Wobei tatsächlich mancher Handwerksmeister wiederum mehr verdiente, das Einkommen eines Bürgers bestimmte also nicht immer die gesellschaftliche Teilnahme.

Allerdings gab es bereits im Jahr 1970 aus dieser Epoche kaum noch Zeitzeugen, jene die ich dazu fragte waren damals Kinder und dessen Erinnerungen waren eigentlich positiv.

Es muss aber anders gewesen sein, denn mit des Kaisers Aufstieg vergrößerte sich das Heer der Fabrikarbeiter.

Wen ich suchte war der Fabrikarbeiter im Kaiserreich von Gottes Gnaden der auf bessere Zeiten hoffte.

Der musste 1970 noch Kinder haben, die 60 oder älter waren, die wollte ich unbedingt finden.

Angetan war ich von den Büchern des Oskar Maria Graf, der beschrieb nämlich das Leben seiner Mutter und an ihre Mutter müssten sie doch die jetzigen Großeltern noch erinnern?

Bei Akademikern war das genau anders herum, in der evangl. Akademie stellte ich diese Fragen einigen.

Interessant war, Juristen und Mediziner kamen überwiegend aus der Familie, ihre Eltern hatten bereits ähnliche Berufe.

Zudem waren die auch dem Ort treu geblieben, meistens stapften sie in die Fußstapfen der Eltern.

Bei Arbeitern sah das wiederum ganz anders aus, all die die ich diesbezüglich fragte, meinten „eigentlich kamen ihre Eltern aus einem ganz anderen Ort.“

Das war der Beweis, der Arbeiter zog dahin wo es Arbeit für ihn gab.

Allerdings hatten auch Arbeiterfamilien im Kaiserreich etliche Kinder, im Schnitt hatten Familien bis 1915 4 Kinder, welche Arbeitsbiografie eröffnete sich denen?

Sie wurden in ein System geboren was 1918 verschwand und blieben Arbeiter.

In der eigenen Familie darüber nach zu forschen brachte nichts, denn die erzählten mir stets im Himmel sei Jahrmarkt.

Durch Zufall blätterte ich mal in der alten Familienchronik und fand einen Hinweis zum alten Familiengewerbe.

Im Jahre 1928 war das nicht nur die Verpachtung und Nutzung der Felder und Wälder sondern tatsächlich fand ich den Eintrag über diese Eisengießerei.

Man beschäftigte bis 1928 fast 25 Mitarbeiter, was wurde eigentlich aus denen und wann wurde die Firma geschlossen?

Ab 1930 gab es keinen Eintrag mehr zum Betrieb, ich musste also dort ansetzen.

Gab es dort in der Nachbarschaft noch einen Betrieb ähnlicher Prägung und konnte man sich dort erinnern?

Den ersten den ich meinte, der müsste mehr wissen war mittlerweile größer geworden und zu meiner Überraschung, zeigte die Firmenleitung mehr Interesse an den alten Formen und Modellen des Familienbesitzes als an meinem Thema.

Einen weiteren Betrieb, den ich aufsuchte gab sich kooperativer und nannte mir einen Galvanik mit einem Seniorchef der aus dieser Zeit mehr wüsste.

Es gelang mir mit dem in Kontakt zu treten, er fragte mich allerdings gleich „wer ich bin?“

Ich hatte nichts zu verschweigen und ich berichtete ihm auch von meiner Arbeit und das weckte sein Interesse.

Er redete und war zwar zunächst auf der Schiene Forstwirtschaft kam aber dann zur Gießerei, die im unmittelbaren Zusammenhang mit der Wassernutzung stand.

Wahrhaftig konnte er sich an den Meister erinnern, der wohnte abseits in einem eigenen Haus und dachte eigentlich durch die Wirtschaftskrise gekommen zu sein.

Der wäre allerdings bereits 1930 ein strammer Nazi gewesen, gleich 1933 habe der eine wichtige Funktion im Reichsarbeitsdienst übernommen.

Irgendwann wäre er weggezogen und im Reichsautobahnbau beschäftigt gewesen.

Einen Teil der Belegschaft habe man vermittelt, ein oder zwei Mitarbeiter wären im Beruf geblieben und der Rest sei ins Ruhrgebiet gezogen und das müsste zwischen 1934 und 1937 gewesen sein.

Allerdings wären die Forstwirtschaft auch 2 gegangen, für die hätte sich meine Familie verantwortlich gezeigt.

Darüber ließ sich also wiederum mehr machen, diese Unterlagen waren noch vorhanden.

Das Problem war für mich nicht die Beschaffung der Unterlagen sondern das Sichten, wahrhaftig begannen die Vorfahren von mir alljährlich irgendetwas zu verkaufen um von dem Erlös ihren Lebensstandard zu sichern.

Das erklärte vieles, manche waren also nicht von dem Verkauf ihrer Arbeit reich geworden.

Über das Personal fand ich auch etwas, am Jahresende waren das stets 8 Mitarbeiter, zu Beginn des Frühlings allerdings 12.

Man operierte bereits damals in der Forstwirtschaft mit Saisonarbeitern, das war mir wiederum neu.

Ich fand zu meiner Überraschung sogar eine Adresse, die ich wiederum kannte. Notierte mir den Namen und trug das alles mehr oder minder als das eigentliche Vorwort zu meiner Arbeit dem Fachbereich vor.

Da machte man mir Mut und war der Meinung, mache da weiter- wenn du etwas Glück hast, findest du den Waldarbeiter der aus dem System der Weimarer Republik in die Arbeitswelt der Nazis kam.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 18. August 2015 um 03:11 Uhr  

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