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Teil 16 "Alle Jahre wieder"

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Das Warenangebot wurde zwar immer größer, ebenso die Wünsche und manches stieg im Wert, nur die Löhne hinkten weit hinter den Erwartungen zurück.

Um das zu verstehen bedienen wir uns eines Beispiels, dieses Brennholz was uns zustand holten wir von der Waldrodung und zersägten wir.

Den Sohn des Kollegen, der meinem Vater dabei half entlohnten wir mit dem Sack Holz.

Ein Jahr später waren die Vorzeichen ganz anders, durch den Förster erfuhren wir, nicht nur das geschlagene sondern das geteilte Holz stand uns zu, vom Forst Amt konnten wir uns es abholen zu Sägekosten und da lag der Hohlmeter bei 8 DM, umgerechnet hatten wir also einen Helfer ein Jahr zuvor mit 15 DM entlohnt.

In dieser Phase sah ich durch meine Kinderaugen allerdings noch mehr, in etlichen Familien war Heimarbeit allabendlich die Tagesordnung, bei uns allerdings nicht- meine Mutter hatte noch andere Verpflichtungen und in der Regel kam mein Vater erst gegen 19 Uhr heim.

Samstags sah das etwas anders aus, jeder Samstag war der Gang zum Wochenmarkt, ich kannte fast die Stände im Schlaf, meine Mutter war einerseits sparsam aber gönnte sich durchaus mitunter etwas.

Bei meinem Vater war das etwas anders, er war zwar sparsam – doch wenn er meinte, er habe kein Geld mehr für dieses oder jenes, glaubte ihm das keiner.

Was wiederum daran lag, das Teile seiner Familie einfach gewohnt waren Geld auszugeben, insofern meinten wiederum manche das sei bei uns ebenso.

Samstagsnachmittags kamen die unterschiedlichsten Gäste, nicht nur des Weißbrotstutens wegen sondern die wollten auch mal baden.

Wir waren eigentlich nur mitunter zu viert, doch es badeten nacheinander in der Wanne min. 8 Personen.

Meine Mutter war gastfreundlich, blieben dabei noch einige direkt zum Abendbrot, meinte die nur, vier oder acht Stück Kaiserschmarren, ist das ein Unterschied?

Mitunter waren das auch Gäste, die aus der großen linken Familie kamen, denen nahm sich mein Großvater an.

Er stieg in den Keller, fand immer noch einen Rotwein und den mit schwarzen Johannisbeeren aufgesetzten Wacholder, brachte zudem noch ein oder zwei Marmeladengläser mit zum Heimweg.

Das hatte zu Folge, man band uns ein und man erfuhr mehr, zur damaligen Zeit kamen wieder Bücher in die Handlungen von Autoren nach denen sich einige sehnten.

In der Stadtbücherei fand stets im Herbst eine lokale Buchausstellung statt und die 4 am Ort bekannten Buchhändler lasen aus den Neuerscheinungen vor.

Meine Eltern trieb die Neugier, meine Mutter zu den Amerikanern, Steinbeck und Co, der alte Herr hatte es mit Klaus Mann und ich hörte das es mehr gab an Kinderbüchern als die der Gebrüder Grimm.

Man war wieder unter sich, meine ältere Cousine meinte stets ich könnte mich nicht konzentrieren und ich war der Meinung, die würde zur Zicke.

Irgendwann war das an einem späten Nachmittag zwischen dem Totensonntag und dem ersten Advent, da wurde das Wohnzimmer geheizt und der Streuselkuchen gebacken.

Nacheinander erschienen sie zu Kuchen und Tee, mein Großvater brachte meinen Großonkel mit, den heimlichen Patron der Familie, dann folgte die Witwe des alten Pfarrers und die Frau des Kreisvorsitzenden, die zugleich die Vorsitzende der AWO war.

Ihr Thema nannte sich Weihnachtsbäume, bei uns lieferte das Forst Amt 4 Stück ab, zwei große und zwei kleinere und darum ging es.

Einen kleinen wollte die Frau Pastor haben und daraus mit der Altengruppe einen Adventskranz zu basteln.

Den großen benötigte die Frau von der AWO um den auf diversen Weihnachtsfeiern zu zeigen und den 2. Großen wollte der Kreisvorsitzende haben für seine Weihnachtsfeier und dann sollte das Ding vor das Rathaus.

Uns blieb also nur noch ein kleiner Baum und den wiederum wollte mein alter Herr haben, der sollte in unserem Ständer ab 4. Advent im Vorraum der Schalterhalle beim Postamt stehen und pünktlich mit Ständer am Heiligabend wieder bei uns Zuhause im Wohnzimmer geschmückt werden.

So weit der Nutzen, welcher Baum wann bereits seine Nadeln verlor war auch klar, der dem Wechsel von draußen nach drinnen ausgesetzt war.

So komisch es klingt, die Weihnachtsbäume waren nicht das Problem weshalb die sich trafen, das Problem war der Transport.

Es gab dazu nur unseren funktionsfähigen Leiterwagen und der stand unter besonderer Beobachtung.

Telefonisch sich melden, Transport ausgeführt und der Wagen steht bei mir im Keller- da wäre einem Lottogewinn gleich gekommen, denn wir besaßen nur einen Vierteltelefonanschluss und etliche besaßen gar keinen.

Wie das funktionierte, ich weiß es nicht, wirkte allerdings denn kurz nach Neujahr brachte man uns den Leiterwagen zurück.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 30. Januar 2015 um 05:27 Uhr  

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