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Teil 10 "Kindheitserinnerungen"

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Widmen wir uns wieder meinen Erlebnissen zu, kommen im Laufe dieser Artikelserie zu den Flüchtlingen zurück, die nun einmal das Bild im Nachkriegsdeutschland prägten.

Zu meinen Kindheitserinnerungen zählt aber auch das Leben meiner Eltern, ihr Leben in meiner Kindheit war das auch mein Leben und unser Leben war von den Jahreszeiten geprägt.

Wieso und warum auch immer, das war so und das wussten wir zu schätzen, denn das Wort „Langweile“ kannte man noch nicht.

Fast jeder Monat verlief zwischen Hoffnung und Bangen, hatte gewisse Höhepunkte und ebenso viele Verpflichtungen.

In dieser Zeit fühlten sich die Menschen verpflichtet, nicht nur sich gegenüber sondern auch seiner Familie, seinen Freunden und Nachbarn.

Das waren die Jahre in denen die Menschen sich dazu noch Zeit nahmen, die ersten Monate im Jahr waren mitunter auch noch wesentlich schneereicher und kälter, da galt es zunächst eine warme Stube zu haben.

Da galt es auch warme Kleidung zu besitzen und des Sonntags wurde stets etwas anderes getragen als in der Woche, man pflegte seine Kleidung.

Der Januar war ein langer, kalter, dunkler und finanziell knapper Monat, ein Monat der mit Arbeit verbunden war.

Beide Wäschekörbe waren meistens voll und riefen nach der Waschküche und das bedeutete für meine Mutter 2 Tage Schwerstarbeit.

Das bedeutete aber auch wir benötigten Brennmaterial für den Wäschekessel, man kochte den Teil der Wäsche in einer heißen Lauge.

Dann erst kam die Wäsche, wir waren bereits mechanisierter besaßen eine Miele Bottich Wassermotormaschine.

Da trieb der Wasserdruck einen Kolben vorwärts und rückwärts zog ihn die Feder, der Kolben war montiert auf einer Zahnstange und die bewegte ein Ritzel, so dass im Bottich das Gestänge min. 3 mal vorwärts und rückwärts lief.

Mittels des Wasserdrucks ließ sich die Geschwindigkeit regulieren, das Wasser was den Kolben verlassen musste- weil die Rückholfederkraft größer war, lief in den sog. Spülbottich.

Die Spülbewegung war dort gewährt vom ständigen Wasserlauf, was aber bedeutete die Mutter die dort die Wäsche der Familie abarbeitete stand in einem feuchten und heißen Raum, musste zudem die Wäsche dreimal mit der Wäschekelle heraus nehmen und neu einlegen.

Ganz zum Schluss kam das Wringen, wir besaßen eine Walzenvorrichtung, einlegen und mittels kurbeln die Wäsche durch die Walzen jagen.

Es gab aber noch andere Methoden, die Reibe erlebte ich allerdings nicht mehr, nur erinnere ich mich an die Handwaschmaschine, anstatt des Kolbens waren dort 2 Hebel und mittels der Hebelbewegung drehte sich das Gestänge.

So oder so war das ein Kraftakt für jede Frau und Mutter, war die Wäsche erst einmal auf dem Trockenboden hing sie dort für mehrere Tage.

Für mich als Kind bedeuteten diese Tage immer die Nähe des Großvaters zu erleben, der nahm sich uns an und das für etliche Stunden am Tag.

Großvater und seine Enkel, das waren in erster Linie meine um 4 Jahre ältere Cousine und ich und zudem der Dackel.

Nur hatte unser Großvater seinen eigenen Willen und keiner von uns widersprach, der ging mit uns durch die Stadt zum Friedhof.

Ich fürchtete mich vor der Vielzahl dieser Soldatengräber, vor diesen eigenartigen Kreuzen in Reih und Glied mit dem Stahlhelm oben drauf, das musste allerdings sein, denn erst danach kam der angenehmere Teil.

Im Cafe am Friedhof gab es meistens das Schweineohr mit Sahne und den Kakao, danach ging es in die Stadtbücherei.

Die wiederum hatte einen Lesesaal und der Großvater las uns mindestens 20 Seiten vor, was er lesen sollte bestimmte meine Cousine.

Pünktchen und Anton wollte sie später uns selbst vorlesen, die hatte eine Regel entworfen für jede Seite, die sie fehlerfrei las bekam sie 2 Pfennig vom Opa- irgendwann las sie zu schnell.

Zuhause machte meine Mutter einen geschafften Eindruck, meistens reagierte der Vater und der bedeutete für uns kommende Samstag geht es ins Hallenbad.

Was wiederum fast den halben Tag dauerte, die Mutter bekam zunächst das Schlammbad in der Wanne verordnet und der Vater ging mit mir in die russische Sauna, erst danach ging es ins Schwimmbad.

Was wiederum zu Folge hatte, Zuhause lief der sog. Dauerbrenner im Wohnzimmer auf Sparflamme, es war nicht recht warm und das blieb es auch in der Nacht, Eisblumen an den Glasfenstern gehörten fast jeden Morgen dazu.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 25. November 2014 um 04:10 Uhr  

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