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Der Herbstspaziergang

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Machen wir mal aus einem Herbstspaziergang eine innerstädtische Herbstwanderung und starten wir an der Oberbaumbrücke.

Das Ziel soll der Lützowplatz sein, dort wo jetzt die CDU ihr Konrad Adenauer Haus errichtet hat lag früher der Platz, auf dessen Mitte die Taverne stand.

In diesem etwas eigenwilligen Fest Bau der späten 50. Jahre fanden stets die Prunksitzungen der Narrengilde statt.

Es hat also Tradition, dass hier die Narren sich behaupten und die wiederum werden uns auf unserer Herbstwanderung einige Male begegnen.

Kommen wir also von der Warschauer Brücke, der Endstation der U- Bahn Linie 1 und laufen unterhalb der U- Bahn in Richtung Kreuzberg, begegnen uns zu fast jeder Tageszeit und an jedem Wochentag junge Menschen, die man in dieser Masse fast gar nicht bemerkt.

Die Oberbaumbrücke ist zu einer Drehscheibe von Rucksack- Touristen geworden, sie ist in die Jahre gekommen und aus dem Dornröschen- Schlaf erwacht.

Sie entstand als das Eingangstor zur Deutschen Industrieausstellung und mit ihr wollte das kaiserliche Deutschland Impulse setzen.

Der Schiffverkehr auf der Spree und die Brücke, mit der Straßenbahn und dem Straßenverkehr und darüber die U- Bahntrasse.

Die U- Bahn ist hier eine Hochbahn und wird mit Schmalspurwagen als die Linie 1 betrieben, man hört sie wenn sie sich schlängelt vom Schlesischen Tor zur Oberbaumbrücke.

Bei der U- Bahnplanung gingen die Stadtväter von Luisenstadt davon aus, dass der Betrieb als Hochbahn kostengünstiger sei, was leider mittlerweile ein Irrtum ist.

Mit dieser Linie 1 wollte man etwas beweisen, die innerstädtische Beweglichkeit und Anbindung, von der feinen westlichen City an die Kopfbahnhöfe im Osten.

Am Schlesischen Tor trifft die Szene aufeinander, da gibt es den legendären Imbiss, wo sich die Touristen aus aller Welt noch eindecken und wo noch Kreuzberg nach dem schreit was es mal war als hier die Welt zu Ende war.

Es beginnt hier die Skalitzer Straße, vor mehr als 20 Jahren wusste fast jeder in den südlichen Seitenstraßen beginnt Klein- Istanbul, es wurde auch zur Heimat der Entmieter, die nicht vor warme Abrisse zurück schreckten.

Das ist lange her, bis zur Kirche im Wrangelkiez hat sich der Bezirk verändert, die Markthalle in der Eisenbahnstraße genießt heute wieder einen positiven Ruf.

Schräg gegenüber liegt der Spreewaldplatz, dort stand der Schlesische Bahnhof, hier endete die Irrfahrt der Schanghai- Juden im Jahre 1946, genau dort wo heute das Spreewald- Bad steht.

Läuft man unter der U- Bahntrasse weiter kommt man unweigerlich zum Kottbusser Tor und steht vor den Bausünden Kreuzbergs in der Zeit des radikalen Abrisses.

Das sog. Neue Kreuzberg- Center, Betonbauten aus einer schlimmen Epoche, doch hier begann auch etwas der Stern der behutsamen Stadtsanierung.

Hier war eine innerstädtische Stadtkultur entstanden, die es so nicht mehr gibt, die man vergeblich sucht am Paul- Lincke- Ufer und auch nicht mehr findet.

Der Wassertorplatz zeigt nur noch andeutungsweise, hier war der Verbindungskanal vom Urbanhafen zur Spree, hinter den Häusern ist heute der Böckler Park.

Man kommt zur Station Prinzenstraße, die eigentliche alte Grenze der Luisenstadt und kommt in den sog. preußischen Teil Kreuzbergs, auf dem Gelände des heutigen Prinzenbades befand sich eine der ersten innerstädtischen Gasanstalten.

Erst nach 1950 begannen hier die Planungen für ein Freibad, was schließlich erfolgreich abgeschlossen wurde vom legendären Kreuzberger Bezirksbürgermeister jener Jahre, den man hier stets den Texas Willi nannte.

Texas Willi hierließ hier seine Spuren, man nannte ihn deshalb so, weil er stets karierte Hemden trug, volksnah war und dazu aufrecht, eigentlich war er ein Sozialdemokrat und trug den Namen Willi Kressmann.

Vergessen wir aber mal den Namen Kressmann, denn der wiederum spielte u.a. auch eine Rolle im Sturz des Stobbe- Senats, es war allerdings nicht Willi doch blieb in der Familie.

Gegenüber diesem mittlerweile recht teureren Freibad steht das imponierende Gebäude des ehem. Reichspatentamtes, derzeit einer größten Arbeitgeber dieses Bezirkes die Außenstelle des Deutschen Patentamtes, der größte Arbeitgeber befindet sich davon ein Stück nördlicher es ist die Bundesdruckerei.

Etwas versetzt findet man das Verwaltungsgebäude der IG Metall, es strahlt wie ein Strahl zur Straße ab und zeichnet sich aus, denn vor 1933 begannen hier das Zeitungsviertel und die Zentralen der Gewerkschaften.

Was folgt ist die Anlage um das Hallesche Tor, eine ganz besondere Gegend die leider in den letzten Kriegstagen sehr leiden musste und von ihrer eigentlichen Ausstrahlung viel verlor, den Rest verpassten die Bauplaner in den späten 60. Jahren dieser Gegend.

Geblieben sind die U- Bahnstationen, die Hochbahnstation der Linie 1 über dem Landwehrkanal und der Zugang zur Linie 6, die hier den Landwehrkanal tunnelt.

Der jetzige Mehringplatz trägt erst sein Aussehen vielleicht 25 Jahre, nach hinten in Richtung Friedrichstraße war jahrelang nur Fassade und begann eine Brache, die mittlerweile innerstädtisch erschlossen ist.

Der Mehringplatz war mal ein preußisches Zentrum er trug den Namen Belle Alliance Platz.

Schräg gegenüber erkennt man die Kuppel der Heilig Kreuz Kirche, es ist nicht nur der kulturelle Ort der über den Bezirk hinausstrahlt sondern die Kirche die in Eigenregie von der Kirche saniert wurde, dazu gründete man den Kirchbauhof.

Diese Kirche zeichnet sich durch ihre Gemeinde aus, es ist die Geburtsstätte des Kirchenasyls und der Vergangenheitsbearbeitung, hier nahm sich das Thema Zwangsarbeit an und förderte einiges an den Tag.

Schräg gegenüber überlebte den Abrisswahn noch ein Wohnhaus, sieht derzeit aus wie ein Fremdkörper direkt vor dem Pavillon, was eigentlich errichtet wurde als Besucherbüro von Westberliner im Ostteil der Stadt.

Diese kleine Parkanlage davor gab es nicht, mittlerweile allerdings kommt das Geschenk der Amerikaner als Bürger für die Bürger Berlins besser zu Geltung, die Gedenk Bibliothek.

Der imposante Rundbau westlich davon war mal das Kaufhaus Hertie und anschließend der rote Klinkerbau der Reichspost.

Gegenüber weht nun auf der SPD Zentrale des Willy Brandt Hauses stets die angeblasene rote Fahne der Partei, das Willy Brandt Haus ist aber mehr als eine Schaltstelle der Partei, es ist die kulturelle Begegnungsstätte geworden.

Etwas was mitunter herausgehoben werden sollte, es ist eine Begegnungsstätte geworden, mit Lesungen, Filmen, Vorträgen und Musik.

Es reiht sich nämlich ein, gegenüber in der Stresemannstraße befindet sich das alte ehrwürdige Theater namens Hebbel, heute der Teil des Hauses am Ufer, was man hier HAU nennt und das HAU steht wiederum an der Hochbahn direkt am Landwehrkanal, die Wirkungsstätte von Peter Handke es war die Schaubühne am Ufer, erreichbar U Bahnstation Möckernbrücke.

Ab hier beginnt ein anderes Berlin, rechts das ehem. Postscheckamt und links des Kanals fährt die U- Bahn in ein Haus um danach in den Untergrund zu verschwinden.

Zuvor aber kommt das Deutsche Museum für Technik, dort wo vor Jahren die Hallen des Gleisdreiecks begannen und wo noch vor 25 Jahren im benachbarten Gebäude die Reichsbahn die Poliklinik betrieb, gegenüber strahle das Verwaltungsgebäude der Bundesbahn, kurz vor dem Lapidarium.

Westlich kommt man nicht nur zum Parkhaus des Potsdamer Platzes sondern auch in den neuen weitverzweigten Park auf dem alten Güterbahnhofgelände, was sich bis nach Schöneberg zieht und derzeit an den westlichen Rändern hier bebaut wird.

Wir passieren quer die U- Bahn der Linie 2, die jahrzehntelang hier nicht fuhr und auf deren Trasse mal die M- Bahn ihren Probebetrieb hatte.

Dort wo nun hinter dem Bahnhof die Neubauten des Potsdamer Platzes beginnen, lag im hinteren Teil das alte Haus Vaterland, das Gelände kam erst zu Westberlin nach einem Gebietsaustausch und kurz danach stand hier das erste Zelt der Irene Mössinger.

Die Geburt des Tempodrom in einem alten Zelt was die Krankenschwester Irene Mössinger von ihrem Erbe kaufte.

Heute beginnt hier die Glitzerwelt des neuen Potsdamer Platzes, was übrig blieb von dem was man kannte ist der Altbau des Weinhauses Huth, da endete die Potsdamer Straße.

An der Kreuzung zur Entlastungsstraße begann eine andere Gegend, die Potse in Richtung Süden war verrufen und geprägt vom Tagesspiegel- Verlagsgebäude auf der anderen Seite befanden sich die besseren Möbel Häuser.

Jetzt prangt das Gebäude der Neuen Nationalgalerie ins Bild, das Bau des Mies van der Rohe, der klassische Bau des Modernen der sich als Eingangstür zum Kulturforum anbietet.

Nur der Bau hat seine eigene Geschichte, das dieser Bau nun hiersteht verdankt er der damaligen Revolution auf Cuba, er war nämlich ein Auftragsbau des Herrn Bacardi für Santiago de Cuba. Wohlgemerkt wir befinden uns am Reichspietschufer, wer gab denn dem Ufer seinen Namen?

Auf der rechten Seite strahlt das alte Shell-Haus in eigentlich bekannter Shell- Manier, mittlerweile hat hier der Berliner Gasversorger die GASAG ihre Hauptverwaltung und dann folgt das Gebäude was eigentlich mal für Tirpitz errichtet wurde.

In Berlin nannte man ihn nur den Bendler Block und man kannte den Ehrenhof in der Stauffenberg Straße, nun strahlt der Block nach vorne und es ist der Berliner Dienstsitz des Bundesministeriums der Verteidigung.

Eigentlich ein Gebäude aus der Spätphase jenes Kaisers der in Doorn besser Holz hacken konnte als in Berlin regieren.

Keiner von den Ministern die hier ihren Dienstsitz hatten wurden des Alters wegen ehrenvoll verabschiedet.

Da reiht sich mittlerweile der Baron zu Guttenberg bestens ein, denn etliche fielen hier in Ungnade.

Ein Stück weiter begann das Botschaftsviertel, vor Jahren konnte man durch die Achse des Tiergartens das Schloss Bellevue noch sehen.

Das hatte eine ebenso wechselvolle Geschichte bis es zum Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten wurde.

Das eigentliche Innenleben fuhr als Gepäck nach Doorn und danach wurde es vermietet bis die Nazis kamen, man vermutet hier wurde der Staatsgast aus Moskau untergebracht- Molotow war damals bei Hitler.

Dieser Postkartenmaler begegnet uns auch wieder, denn gegenüber der jetzigen CDU Zentrale steht immer noch die von der Heydt Villa, in die wiederum zog sein Sektvertreter Rippentrop nicht ein.

Gustav Gründgens allerdings auch nicht, der bewohnte das heutige Cafe im Englischen Garten, was derzeit jenseits des Bundespräsidialamtes liegt.

Derzeit prägt diesen Zipfel etwas anderes, was keiner dort vermuten würde nämlich das Bauhaus Archiv.

Was der Geist von Dessau und Weimar nun hier ausrichten soll ist fraglich, vielleicht haben in der CDU Zentrale sich noch Narren aus den Zeiten der Taverne verschanzt?

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 14. Oktober 2014 um 02:31 Uhr  

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