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Worum geht es denn?

 

Die Krokodilstränen interessierter Lobbyisten am Status Quo der Sklavenarbeit hierzulande kann man sich an einer Backe abwischen, der der organisierten Arbeitgeberschaft.

DHL weiss ach so gar nichts von den prekären Arbeitsverhältnissen in seiner Subunternehmerschaft? Im Land von Kant und Goethe, im Einflussbereich von Google und Facebook, Amazon und sonstwem aus dem Land, das sich Mexiko gegenüber abschottet wie Nordkorea vor dem südlichen Bruderstaat?  Lächerlich.

Einwanderer sind willkommen, solange sie dem Niedriglohnsektor auf der einen Seite sowie dem Hochqualifiziertenkonglomerat auf der anderen Seite 'dienen'.

Abgezockt werden sie fast alle, die bulgarische Pflegekraft, die das systematisch runtergewirtschaftete Gesundheitssystem 'am Laufen' hält, der Brief- und Paket- Marathonläufer, der Akkordschlachter, der oder die Akademiker aus Indien, Lateinamerika oder Südeuropa.

Willkommen nicht zuletzt als kaum versickernder Strom , um die 'eigenen' MitarbeiterInnen disziplinieren zu können, Tarifverträge auszuhebeln und den Mindestlohn demnächst systematisch zu relativieren.'

war der Text meines Leserbriefs zum Artikel 'Willst Du Sklavenhandel in Deutschland sehen, dann komm hierher' im STERN Nr. 3/2014, den das Blatt eine Woche später abdruckte, mit leichten Kürzungen, aber immerhin.

Dass der letzte kursive Satz oben sich nunmehr leider durch die gestrige Stellungnahme von Andrea Nahles zum Mindestlohn zu bestätigen scheint, ist traurige Gewissheit .

Man muss es wohl betonen, Sozi- Bashing liegt mir fern, bin ja selbst seit 1977 in diesem Verein, aber der ausgelutschte Marx- Spruch vom Sein, das das Bewusstsein präge, bleibt aktuell.

Warum?

Nun, der angeblich ausnahmslose Mindestlohn, wie oben im Schlußsatz angedeutet, wird schon jetzt angekratzt, habe es kommen sehen, durch die apostrophierten 'Sachzwänge'.

Betriebe, die dadurch 'Schwierigkeiten' bekämen, sollten noch mal administrativ überprüft werden, sagte die Genossin Nahles gestern sinngemäss.

Falls das der Stand der Dinge sein soll, ist der Mindestlohn definitiv im Eimer.

Um nicht missverstanden zu werden: Für unter 18 -jährige eine Ausnahme zu diskutieren, ist nachvollziehbar, und Branchen wie das Taxigewerbe sind schwer zu handeln.

Bin selbst in den Achtzigern in Münster drei Jahre Taxi gefahren: Usus ist wahrscheinlich immer noch, dass die Einnahmen zu 45 (Fahrer)/ 55 Prozent (Unternehmer) geteilt werden, da – damals unwidersprochen- die fehlenden 5 Prozent als Trinkgeld angenommen wurden, sei's drum.

Und den 50/60 er- Jahre Prototyp des Taxi- Chauffeurs gibts' halt nicht mehr, weggepustet wie den Postler oder, schlimmer, die Beschäftigten im Gesundheitsbereich, also PflegerInnen und andere aus Rentabilitätszwecken geopfert worden sind.

Menschen, die teils schwerste Arbeit für kleines Geld leisten oder leichte Arbeit (Taxifahren) für noch weniger Geld, zugegeben.

Aber um München herum hatte man immerhin die Opportunity, Ulrich Hoeness durch die Gegend zu fahren...

Und man hatte – und hat- wahrscheinlich gute Tage, an Messe- Wochenenden etc., wo leicht mal 500 Mark (also ca. 250 Euro, ganz grob gerechnet, ich weiss) zusammenkamen, allerdings auch absolute Trauertage im Hochsommer mit 30 Euro 'Lohn', für 8- 10 Stunden Fahrerei. Überraschung?

Tja, keine Lobby, keine Gewerkschaft, und schon ist man nicht existent.

Wir von der AfA Münster haben jedenfalls in den letzten Jahren mehrfach durch Aktionen am hiesigen Bahnhof (Gespräche mit den FahrerInnen, kostenlosen Kaffee etc.) versucht, das Problem zu medialisieren, mehr oder wenig erfolgreich, aber mit Herz und Engagement.

Nur eine Facette, aber jetzt den Mindestlohn so zu relativieren, wie Andrea Nahles ist eine Schwei..., nein, sorry, 'nicht hilfreich' oder so...

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 20. März 2014 um 00:19 Uhr  

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