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Erinnerungen an eine Stadt, die es so nicht mehr gibt

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Rein zufällig traf ich vor einigen Tagen eine Kollegin von mir, man hat sich kaum etwas von damals zu erzählen, denn unsere gemeinsame Arbeitsstätte schloss bereits vor 25 Jahren ihre Türen.

Sie sagte mir aber ganz etwas anderes, ihr Nennvater sei nun im Alter von fast 96 Jahren in Oslo verstorben, da fiel mir manches wieder ein.

Sie war eines von denen Kindern in Berlin des Jahrganges 1946 die man nach Skandinavien für mehr als 12 Monate ausflog, in der Regel nahm man Halbwaisen und wählte dazu die Geschwister die es nötig hatten, mal wieder regelmäßig und etwas richtiges zu Essen zu bekommen.

Sie war eine von denen, war als 5 oder 6 jähriges Mädchen für einige Monate in Oslo und damit begann eine Idee.

Diese Idee griff damals das Deutsche Fernsehen auf, die Fernsehlotterie im Jahre 1958 „ ein Platz an der Sonne“, damals ging es um Berliner Kinder die während ihrer Schulferien bei Gastfamilien in den westlichen Ländern der Bundesrepublik unterkommen sollten.

Die Sendung hatte einen unerwarteten Erfolg, fast jede Stadt in Westdeutschland wurde im Fernsehen erwähnt wo Familien mit Kindern Berliner Ferienkinder aufnahmen.

Natürlich gab es dabei eine Regel, interessant ist allerdings heute festzustellen, wie schnell damals die Berliner Behörden reagierten, wie sich das innerhalb der Schulen in den Westsektoren herumsprach und wie viel Eltern meinten, diese Idee sei doch mal endlich positiv.

Innerhalb von wenigen Wochen hatte man mehr als 50 000 Kinder erfasst, denen man die Ferien bei ihren westdeutschen Gastfamilien gönnen wollte.

8 Jahre zuvor waren es nur wenige Tausend, die man insgesamt nach Skandinavien verschickte, 1958 übertraf diese Aktion alle Erwartungen.

Da fuhren fast täglich mehrere Sonderbusse vom Bahnhof Zoo oder vom Funkturm voller Schulkinder über die Transitstrecke zu ihren Gasteltern und die zeigten ein Stück Solidarität mit den Kindern aus den Westsektoren Berlins.

Daraus entwickelte sich etwas, nämlich die Stiftung „ein Platz an der Sonne“ des Hilfswerks Berlin, man plante den Familienurlaub für Berliner Eltern in den Regionen Westdeutschlands.

Das erste Feriendorf dieser Art trug danach den Namen der Stiftung, den Namen „ Nadenberg“.

Nadenberg war die Erhebung nördlich von Lindenberg im Allgäu, zur Eröffnung des Feriendorfes des Hilfswerks Berlin im bayrischen Lindenberg machte Rut Brandt mit ihren Kindern Urlaub.

Es war nämlich das Schöne daran, hier konnte jede Berliner Familie ihren Urlaub verbringen, man kannte den sozialen Unterschied nicht, mit den Kosten sah es allerdings anders aus, die richteten sich nach dem Familieneinkommen.

Dem war nun einmal so, für mich war dieser Urlaub nicht so preiswert wie für andere, trotzdem werde ich ihn nicht vergessen.

Es ging also zunächst in die Geschäftsstelle in der Kurfürstenstraße um sich für den Ferienplatz zu bewerben, schon da standen die Kinder im Mittelpunkt, man präsentierte das Feriendorf und das Musterhaus.

Ein Haus für eine Berliner Familie was eigentlich jedem gehörte, es wurde von der Stiftung getragen und wo man sich nur an den Kosten beteiligen musste.

Dann ging es los, meistens Dienstagsabends ab 22 Uhr Sonderzug ab Bahnhof Zoo, das Gepäck hatte man schon zuvor ins Schließfach gelegt.

Um 20 Uhr ging es mit der U- Bahn in den Urlaub, um 21 Uhr 30 mit Gepäck auf dem Bahnsteig und jede Familie hatte einen separaten Zugabteil.

1981 bestand der Sonderzug bereits aus 6 Waggons, man drittelte und meldete sich auf dem Bahnsteig beim Zielortmitarbeiter, der vordere Teil des Zuges fuhr nach Nadenberg, der mittlere Teil ins oberbayrische Traunstein und der hintere Teil nach Grafenau im Bayrischen Wald.

Kurze Rede, wir waren in allen drei Feriendörfern, Nadenberg war das älteste und Nadenberg hatte die Tradition der gegenseitigen Toleranz und Solidarität.

Hier konnte man etwas ausprobieren, das Kind im Kindergarten abgeben, das Kinderfest- und was machen dazu die Eltern?

Mit Kindern etwas erleben und andere Kinder dazu einladen sowie neue Menschen und die Gegend kennenlernen.

Grafenau im Bayrischem Wald war anders, das Dorf und die Häuser hatten bereits mehr Komfort, sie waren größer und moderner gestaltet, man konnte etwas mehr in den Häusern machen traf aber immer Menschen, die auch etwas unternehmen wollten.

In Grafenau reichte man sich gegenseitig die Hand und man kam mit Einheimischen ins Gespräch, vielleicht sah man in Grafenau bereits welchen Faktor dieses Feriendorf für den Ort darstellte, man fühlte sich in Grafenau nie einsam.

Das dritte Feriendorf lag in Eisenärzt an der Traun also einige Kilometer südlich von Traunstein in Oberbayern.

Dieses Dorf war eigentlich das gefragte Ferienziel der Berliner aber das durchaus kälteste.

Man trug in dieser Gegend zur richtigen Zeit immer die falsche Kleidung, lief man im Morgen Nebel in Richtung Maria Eck, hatte man dort des Mittags eine fantastische Fernsicht auf den Chiemsee.

Fuhr man mit der Eisenbahn bis Stock, hatte man nichts als Regen, man musste also Oberbayern nehmen, wie es war.

All das ist nun Geschichte, es ist die Geschichte einer Stadt-die es so nicht mehr gibt, es ist ein Teil der Geschichte West- Berlins.

Die Stadt die immer zur Bundestagswahl ihre Bundestagsabgeordneten vom Parlament wählen ließ und man in Bonn am fernen Rhein dann diese Stimmen besonders auszählen ließ.

Nun diese Auszähler hatten den Vorteil an den Transitautobahnen im Intershop sich zu versorgen.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 09. Februar 2014 um 04:07 Uhr  

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