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Wenn der Putz in die Tofu-Stulle rieselt

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Bildungsnotstand.

Wie eine stille Koalition fast aller Parteien unsere Schulen verkommen lässt und ein amerikanisches Privatschulsystem fördert.

1,5 Billionen Euro Sanierungsstau!

Der Sanierungsstau an deutschen allgemeinbildenden Schulen beginnt in der ersten Klasse und endet spätestens mit dem Abitur.

Dazwischen liegen für viele Kinder dreizehn Jahre Dauerbaustelle oder Höhlendasein in Bauruinen.

Die deutschen Schulen sind kaputt, was sich eindrücklich mit offiziellen Zahlen belegen lässt.

2009 wurde der Sanierungsstau in den Berliner Schulen auf 800 Millionen Euro geschätzt.

Inzwischen seien ca. eine Milliarde Euro in die Schulsanierung geflossen, was den aktuellen Sanierungsstau aber nicht mal halbiert hat.

De facto wird jede Schulsanierung mindestens doppelt so teuer, wie veranschlagt.

Der Sanierungsstau in Berlin betrug also weit über eine Milliarde Euro und dürfte jetzt immer noch eine Milliarde betragen – mindestens.

Diese Zahlen gibt es auch für ganz Deutschland, wo der Städte und Gemeindetag den gesamten Sanierungsbedarf 2011 auf ca. 700 Milliarden Euro geschätzt hat.

Wenn man den Mechanismus der scheinbar unausweichlichen Kostenexplosion in Betracht zieht, die immer dann Auftritt, wenn die öffentliche Hand ein Bauprojekt zu stemmen hat, dann ergibt sich die unglaubliche Summe von 1,5 Billionen Euro!

Eine solche Zahl, die das Mehrfache eines Bundeshaushaltes ausmacht riecht nach einer massiven Verschleppung von Instandhaltungspflichten über Jahrzehnte.

Anders ist eine solch gewaltige Summe nicht zu erklären.

Über Jahrzehnte wurden nicht genug Gelder für die Schulsanierungen in Deutschland zur Verfügung gestellt.

Wenn man so mit Straßen und Autobahnen geschlampt hätte, würden wir jetzt russische Verkehrsverhältnisse haben.

Man fragt sich, welche Mechanismen, die bei allen Parteien wirksam waren, die über einen Zeitraum von zwanzig Jahren eine solche Ignoranz gegenüber den Schülern ermöglicht haben.

Aber das wäre eine Analyse, die sicher ein ganzes Buch füllen könnte.

Wie auch immer. Der Skandal ist einfach zu konstatieren und die Größenordnung beträgt realistisch betrachtet mindestens 1,5 Billionen Euro.

Man kann auch nicht behaupten, dass der Skandal bis heute unbemerkt war.

Wer die Presse- und Medienberichte der letzten Jahre abfragt, wird reich bedient mit empörten Beiträgen zu verkommenen Schulen, verfallenen Sanitäranlagen, einstürzenden Dächern und undichten Fenstern sowie kaputten Heizungen in deutschen Schulen.

Da ist der bröckelnde Putz, der den Kindern in die gesunde Tofustulle fällt, schon fast eine Petitesse.

Besonders pikant ist die Feststellung das die Politiker gerade in den letzten zwei Jahrzehnten vollmundige Sprechblasen über die Notwendigkeit von Bildung bei jeder Gelegenheit abgegeben haben, aber die Etats, die erforderlich gewesen wären, um gute Bildung zu ermöglichen, jeweils verweigerten.

Es gab immer jemanden, oft aus der Wirtschaft, der das Geld dringender brauchte.

Schüler haben eben keine Lobby, genauso wenig wie Eltern, die insbesondere in der bildungsbürgerlichen Presse immer wieder infam kritisiert und verleugnet werden.

Trotz eines fast flächendeckenden Politikerversagens in Sachen Schulen, wurden nicht diese, sondern die Eltern für das Schulversagen ihrer Kinder verantwortlich gemacht.

Die Vorwürfe der Politik an die Eltern waren vielfältig und unverschämt.

Gerade Politiker aus dem linken Spektrum haben sich oft nicht entblödet, zu unterstellen, dass die Eltern den Kindern kein nahrhaftes Essen mitgeben und sie in der Schule (und vielleicht auch zuhause) hungern müssen und daran ihre Philosophie des deutschen Bildungsversagens geknüpft.

Eine dümmere Argumentation ist nicht vorstellbar, als diese, die man in SPD-Parteistuben immer noch zu hören bekommt.

Ein Graus, angesichts des Zustandes unserer Schulen, solche Unverschämtheiten von verantwortlichen Politikern hören zu müssen.

Die Vorwürfe gegen die Eltern gehen dabei so weit, dass sie den Eltern unterstellen, nicht genug für die Bildung ihrer Kinder zu tun und ihr Geld lieber für Konsum, statt für Bildung auszugeben.

Angesichts der letzten OECD-Berichte in denen das Wohlstandsland Deutschland bei seinen Bildungsausgaben noch nicht einmal den OECD-Schnitt erreicht hat, sind diese Bösartigkeiten der Politik gegen die Eltern reine Ablenkung von der eigenen Fahrlässigkeit, mit der sie unsere Schulen in den letzten zwanzig Jahren förmlich an die Wand gefahren hat.

Es gibt aber noch eine andere Sichtweise dieses wenig beachteten, aber dennoch größten Skandals der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Das kaputte deutsche Bildungssystem und seine chronische Unterfinanzierung sind nicht nur auf ein Versagen zurückzuführen, sondern entspricht wahrscheinlich auch einem Kalkül.

Hier spielt vor allem das Qualitätsgefälle zwischen öffentlichen und privaten Schulen, das seit den siebziger Jahren immer auffälliger wird, eine wichtige Rolle.

Seit den Zeiten der bundesrepublikanischen Kulturrevolution in den sechziger Jahren setzt sich zunehmend wieder die Anschauung durch, dass Bildung eigentlich Privatsache ist.

In weiten Teilen der Politik ist man der Meinung, dass Privatschulen nicht nur eine Ergänzung zum öffentlichen Schulsystem sein können, sondern die Zukunft des Schulsystems überhaupt.

Diese neoliberal wirkende Einstellung findet man dabei keineswegs nur in konservativen Kreisen und bei den Liberalen, sie reicht weit hinein in die SPD bis zu den Grünen.

Qualitativ hochwertige Bildung soll es nach diesem Kalkül irgendwann nur noch gegen harte Währung geben, um den Staat von seinen Aufgaben zu entlasten und so mehr Mittel für elitäre Bildung frei zu bekommen, das heißt, den tertiären Bereich, die Hochschulen und die Forschung in der globalen Konkurrenz nach vorne zu bringen.

Es handelt sich hier um das amerikanische Prinzip.

Man fördert eben nicht mehr alle Kinder, sondern nur noch die, welche zu hohen und höchsten Leistungen im Stande sind.

Kinder also, die von ihrem Elternhaus bereits einen Bildungsvorsprung und die nötige Intelligenz in die Schule mitbringen.

Das ganze geschieht dann vornehmlich in staatlich stark geförderten Privatschulen, die dann den führenden Bildungsstrang der Gesellschaft bereitstellen.

Diese Kinder können dann an öffentlichen Universitäten mit Exzellenzqualität studieren und so den „Wissenschaftsstandort Deutschland“ voranbringen.

Mit anderen Worten geht es bei der Vernachlässigung unserer öffentlichen Schulen vielen Politikern eigentlich um den Umbau des Bildungssystems nach amerikanischem Muster.

Diese verborgene Agenda wird selten offen ausgesprochen, war aber in den letzten zwanzig Jahren ausgesprochen wirksam.

Man könnte auch sagen, es handelt sich um eine schleichende Taktik, mit der sich die Bildungsschichten in unserer Gesellschaft dieselbe aneignen und für die Zukunft sichern, während sie die darunter liegenden Schichten mit zunehmend minderwertiger Bildung abspeisen.

Auch das, ein gewaltiger Skandal.

Leider sind diese Feinde einer sozialen Gesellschaft in ihren Anliegen schon so weit gekommen, dass im aktuellen Wahlkampf über die Macht der Finanzmärkte und der Geheimdienste diskutiert wird, Skandale, die ebenfalls Ergebnisse dieser Elitenmentalität sind, während die darunter liegenden Schichten langsam weiter verarmen, was besonders das Bildungsniveau betrifft.

Dennoch schaffen es diese sozial feindlich gestimmten Eliten zunehmend Meinung für sich zu machen und setzen dafür viel Geld ein.

Die führende Partei dieser asozialen Mentalität, nur noch Eliten zu fördern und den Rest der Gesellschaft sich selbst zu überlassen, die FDP, schafft es derzeit durch ein exorbitantes Wahlkampfbudget überall in den Städten präsent zu sein.

Die Liberalen haben gerade in den Großstädten die meisten Plakate ganz oben an den Laternen.

Für eine Partei, die mit der Fünfprozent-Hürde kämpft, ähnlich wie die Piraten und die Alternative für Deutschland, ist das schon sehr bemerkenswert.

Es scheint so, dass die Partei des Sozialabbaus in Wahlkampfzeiten genug Geld hat, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen, auch dann, wenn sie eine abscheuliche Regierungsarbeit hingelegt hat, die sie im Verlauf der Legislaturperiode unter die Fünf-Prozent-Marke gedrückt hat.

Auch das sollte zu denken geben.

Denn dort entstehen die neuen Strategien für einen zukünftigen, sozial-feindlichen Staat.

 

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 16. August 2013 um 13:25 Uhr  

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