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SPD am Brandenburger Tor

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Es wäre ja zeitsparender, wenn man mehr über das schreibt, was Kanzlerkandidat Peer Steinbrück richtig macht.

All die Fehler aufzuzählen, ist langwierig und mühsam.

In manchen Fällen muss es aber trotzdem sein.

Die Art, wie Steinbrück unlängst den CDU-Bundestagspräsidenten Lammert in Schutz nahm.

Donnerkeil nocheenmol, watt schmiert dett ab.

Wahrlich, auf diesem Felsen (Stein) kann man die Kirche der neoliberalen Glaubensgemeinschaft bauen.

Er tritt von einem Fettnäpfchen ins andere und hinterlässt dabei eine glänzende Schleimspur.

Wieder muss vom blendenden Glanz seiner Fettnäpfchenspur gesprochen werden.

Aber, um zu sehen, was an den Äußerungen des designierten Wahlverlierers falsch ist, muss man aber genau hinsehen und auf die Untertöne achten.

Um „Gottes Wilhelm“, ich wiederhole hier nicht die Serie des beinfreien Kanzlerkandidaten der SPD und präsentiere seine bisherigen Glanztaten.

Seit seinem unfreiwilligen Tränenkrampf am 16. Juni in Berlin, hat er sich reichlich mit weißer Kreide eingedeckt.

Doch am Dienstag, den 30. Juli, trat Steinbrück mal wieder in gewohnter Weise auf, ergo als Graf Koks von der Gasanstalt (obwohl inzwischen fast jeder weiß, dass dieser Energiebetrieb – die SPD – nur noch ein Saftladen ist).

Steinbrück, diese Mannhaftigkeits-Antiquität der SPD, ist also auf markigste zurückgekehrt zu seinen Allüren von anno tubak und trat kantig einem CDU-Kollegen zur Seite, dem Parlamentspräsidenten Lammert mit dessen Doktorarbeit.

Steinbrück, der Ehrenretter, wörtlich: „Es gilt die Unschuldsvermutung. Ich warne davor, wieder in eine Kommentarlage zu verfallen, die die Reputation und Integrität des Bundespräsidenten beschädigen kann.“

Jaaa Peer, datt isset.

Ein Mann der SPD stellt sich vor einen Mann der CDU.

Wenn dieser Standpunkt nicht Anstand ist.

Hochmoralische Überparteilichkeit eines Parteinehmens über Parteigrenzen hinweg.

Da kann man doch nur dankbar sein.

Und wenn dieser Steinbrück seine ritterlichen Schutzimpulse nun auch noch den Ärmsten der Armen zuteil werden lässt, seinen Opfern, den Hartz-IV-Betroffenen dieser Republik, und nicht nur dem zweithöchsten Mann in unserem Staat: fast könnte man von Steinbrücks Statur endlich mal überzeugt sein.

Man würde ihm doch glatt eine Medaille überreichen.

Aber diese Medaille hat zwei Seiten zu dieser, seiner neuerlichen „Fettnäpfchenglanztat“.

Da gebärdet sich ein Biedermann vor allem als Anbiedermann.

Die SPD weiß, dass sie bei den kommenden Bundestagswahlen keinen Blumentopf gewinnen wird.

Also wirft sie inzwischen mit  Schäufelchen nach der CDU, nach jener Partei, an deren Seite sie nach dem 22. September wieder zurückkehren will – um deren Blumentöpfe weiter mit neoliberaler Gift zu düngen, das der blumige Kapitlismus weiter gestärkt bleibt.

Sie wollen wieder an die Töpfe der Macht.

Denn seit Jahren stehen einige SPD-Parteispitzen schon an, um die dann freien Minister- und Staatssekretärposten zu übernehmen.

Schließlich lohnt es sich für ihre Rente, für die Diäten uvm.

Allzu gerne lässt man sich von den Lobbyisten vergünstigt hofieren, haben sie doch mit Gesche Joost eine Telekom-Lobbyistin schon im Kompetenzteam.

In den Medien und den eigenen Pressemitteilungen wird Joost Designprofessorin genannt.

Das ist selbstverständlich nur die halbe Wahrheit, wie ein Blick auf ihre «persönliche» Seite, wie sie die Wikipedia verlinkt, zeigt.

Umgekehrt wird beim Peer konsequent ein Schuh draus für die LINKE.

Denn wer wollte an der SPD-Spitze ernsthaft das Menschenverelendungswerk Hartz-IV auf den Müllberg der Geschichte werfen?

Niemand.

An den Pflanztöpfen der Macht kehrt diese SPD doch allzu gerne zurück.

Deshalb lobt ein Steinbrück seinen Lammert so emphatisch in die Anstandsregionen zurück: „Integrität“ besäße dieser und „Reputation“.

Nun, es wird sich zeigen.

Jedoch seine Freudsche Fehlaussage ist bemerkenswert merkwürdig, denn er benutzte das Wörtchen „wieder“ bei seiner Aussage.

Da liegt die Antwort doch auf der Hand.

Das „wieder“ kann sich nur beziehen auf all die anderen Betrugsfälle, die es vorher gab: auf Schavan und Koch-Mehrin, auf Chatzimarkakis und den Freiherrn von und zu Guttenberg!

Und das bedeutet: Dem Sozialdemokraten Steinbrück haben bereits diese Entlarvungen nicht gepasst.

Bereits diese Enttarnungen empfand das zutiefst mitfühlende Herz des SPD-Kandidaten als „Beschädigungen“ und „Verfall“, als ungerechtfertigte Angriffe auf „Reputation“ und „Integrität“ von KollegInnen.

Uralt-Frust hat sich also den Weg gebahnt in diese Formulierung vom 29. Juli.

Mit dieser Fehlleistung, hat also kein Anstands-Recke seinen Edelmut gezeigt, nein, da hat eine Krähe gekrächzt, die der anderen kein Auge aushackt, da hat ein Kollege gesprochen, der sich, stärker noch als im manifesten Text, den anderen Parteien als Parteigänger andient, ein Politiker, den dieses Aufdecken von Schandtaten seiner Mit-Politiker ganz oben durch Menschen ganz unten schon lange genervt hat.

Und äußerst fraglich bleibt, ob sich ein Steinbrück für die „Integrität“ von Menschen ganz unten einsetzen würde oder jemals eingesetzt hat.

Die „Reputation“, um die es hier geht, fängt jedenfalls erst bei 9.000,- Euro Monatsgehalt an.

Und was lehrt uns das?

Dass Steinbrück, der seit kurzem so beharrlich auf Basis macht (schließlich ist Wahlkampf), bis tief ins eigene Unbewusste hinein ein Mann der Kaste ganz oben ist.

Mit gehorsamem, mit devotem Unterbewusstsein gegenüber FDP und CDU.

An dieser seiner Kommentarstelle – dort, wo das Wort „wieder“ fiel – ist der Kasten dieser Kaste ganz kurz aufgesprungen und hat uns den wahren Inhalt dieses SPD-Bewusstseins gezeigt.

Und das „Geglückte“ an dieser Fehlleistung ist, dass hier einer aufs deutlichste signalisiert: liebe Kollegen und Kolleginnen von FDP und CDU, ich bin einer von Euch!

Sozialdemokratie im 150. Jahr ihres Bestehens!

Für alle, die es noch nicht wissen, am 17. und 18. August will die Partei ihr 150jähriges Bestehen am Brandenburger Tor in Berlin feiern und lädt dazu alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt zu einem »Deutschlandfest« ein.

150 Jahre SPD - Krieg, Abschiebung, Sozialabbau.

Von mir zu diesem Jubiläum und der Jubelfeier am Brandenburger Tor keine Gratulation.

Denn was hier glänzt, das ist nicht gute sozialdemokratische Vergangenheit, sondern: Wiederkehr der ersten fünfzig Jahre in ihrer Geschichte.

Eigentlich sollten die BürgerInnen diese SPD-Jubiläumsfeier ab dem 17. August in Berlin zum Anlass nehmen und politische Anlässe zur Jubeldemo für

  • mehr engere Gürtel,

  • weniger soziale Hängematten,

  • Aufrüstung und

  • restriktivere Asylgesetze

veranstalten.

Als Beispiel da wären etwa die faktische Abschaffung des Asylrechtes infolge der neofaschistischen Pogrome gegen Flüchtlinge in den 1990er Jahren oder die massive soziale Deklassierung der Bevölkerung durch das von der »rot-grünen« Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) beschlossene staatliche Verarmungsprogramm namens Hartz IV.

Auch wollen die Organisatoren der »Jubeldemo« die SPD an ihren Umgang mit einstigen Parteimitgliedern erinnern.

»Nicht anpassungsfähige Mitglieder aus unserer früheren Geschichte wie Frau Luxemburg und Herrn Liebknecht konnten wir dank Kooperationen mit dem braunen Lager unwirksam machen, schließlich lassen wir uns nicht linken.

Kleines Amusement am Rande: Amüsieren in diesem Zusammenhang kann auch noch die Bemerkung des CDU/CSU-Fraktionsvize Michael Fuchs, der dem „Plagiatsjäger“ vorwarf, ein „selbsternannter“ zu sein.

„Selbsternannt“?

Dieser Begriff wertet Grunddemokratisches ab, das Recht eines jeden von uns, Bedenken und Kritik äußern zu dürfen, und suggeriert, dass man Kritik und Bedenken nur äußern darf, wenn man über ein Amt verfügt, das man verliehen bekommen hat, von oben natürlich.

Wahrlich, das nenne ich demokratisches Denken: Kritik wäre nur erlaubt, wenn sie von Amtsträgern stammt.

Denn sonst könne ja jeder …

Wir zum Beispiel!

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 18. August 2013 um 06:55 Uhr  

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