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Inflation fördern ist keine linke Politik

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Der Historiker Adam Tooze spricht sich in der Süddeutschen Zeitung für eine höhere Inflation (4-5 Prozent) aus, damit mehr Wachstum entstehe.

Er räumt zwar ein, dass sich der frühere Bundeskanzler Schmidt mit seiner These geirrt hat, mehr Inflation führe zu weniger Arbeitslosigkeit, aber davon lässt sich Tooze nicht beirren. Inflation sei trotzdem gut. Er klagt: „Die Banken schwimmen im Geld, aber die Preise regen sich nicht.“

Sein Rezept: die Preise sollen steigen.

Er sagt aber nicht, wer darunter leiden würde.

Es sind alle Arbeitnehmer, deren Löhne nicht steigen.

Also müssen Lohnerhöhungen her.

Die Steigerung des nominellen Einkommens, so Tooze, werde zwar überwiegend durch die Inflation wieder aufgefressen, aber Hauptsache sei, das Wachstum des BIP steige.

Inflation sei daher der Schlüssel zur finanziellen Entlastung und zur politischen Stabilisierung der Schuldnerländer im europäischen Süden.

Er verliert kein Wort über die Bevölkerungsgruppen, zum Beispiel Rentner, die nicht einmal eine nominelle Steigerung ihres Einkommens erwarten können, für die Inflation also eine Enteignung eins zu eins ihres ohnehin sehr begrenzten Einkommens bedeutet.

Man könnte solche abenteuerlichen Meinungsäußerungen eines Historikers übergehen und einfach nur hoffen, dass sie die Köpfe der Leser nicht verwirren.

Ärgerlich ist nur, dass der Autor den Anschein erweckt, als vertrete er eine linke Position.

Wenn Tooze für eine „Repolitisierung der Wirtschaft“ plädiert und dafür, dass „die Verteilungsfrage neu gestellt wird“, dann klingt das zwar links.

Aber seine Inflationsempfehlung ist es nicht.

Unter Inflation leidet der Geringverdiener mehr als der Großverdiener, der Arme mehr als der Reiche.

Um die Verteilung der Einkommen und Vermögen gerechter zu gestalten, gibt es bessere Mittel: Erhöhung des Spitzensteuersatzes und Wiedereinführung von Vermögenssteuern, auch eine einmalige Vermögensabgabe.

Der Autor erwähnt diese Möglichkeiten nicht einmal.

Vielleicht ist er als amerikanischer Professor zu weit entfernt von Europa und der (ökonomischen) Wirklichkeit.

Hans-Joachim Schemel

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 20. Juli 2013 um 14:42 Uhr  

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