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1. Mai - Kampftag der Arbeiterklasse

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Obwohl am Maifeiertag die Arbeit ruhen soll, sollten wir am "Tag der Arbeit" dennoch "Sozial statt Neoliberal" einfordern.

Wir dürfen uns nicht mit unsicheren Arbeitsplätzen, Billiglohn, Dauerbefristung zu frieden geben.

"Die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Bezug auf die Rentenansprüche öffnen der Altersarmut weiterhin Tür und Tor".

Auch jetzt wieder wird man sich auf der Bühne unter den Gewerkschaftern einig sein.

In der kommenden Woche feiern Arbeiterinnen und Arbeiter weltweit den 1. Mai – den internationalen Kampftag der Arbeiterklasse.

Oftmals sind die gewerkschaftlichen Maikundgebungen zu langweiligen Ritualveranstaltungen mit Würstchenbude und Bierstand verkommen.

Umso wichtiger, dass kämpferische GewerkschafterInnen, Linke und SozialistInnen die Demonstrationen und Kundgebungen nutzen, um eine kämpferische Gewerkschaftspolitik einzufordern, Solidarität mit den vom Austeritätswahn der Troika betroffenen Kolleginnen und Kollegen in Griechenland, Zypern, Spanien, Portugal, Irland und anderen von der Schuldenkrise besonders betroffenen Ländern auf die Straße zu tragen und eine klare Absage an die Politik der prokapitalistischen Einheitspartei aus CDU/CSU, FDP, SPD und Bündnis90/Die Grünen zu formulieren.

Die Eindimensionalität des modernen Menschen äußert sich in einer Absolutheit der herrschenden Zustände, die als einzig machbare Form gesellschaftlicher Strukturierung wieder und wieder schmackhaft gemacht wird, in jeglicher Situation, ja in jeder Alltagshandlung.

Die Verwertbarkeit menschlicher Arbeitskraft, damit die Ausbeutung menschlicher Energie, und folglich natürlich die sogenannte "Wertschöpfung", wird von unseren Lenkern und Denkern mit gutgemeinter Schönrederei entkleidet und als  "Profitmaximierung" betitelt.

Diese Konstante, die sich wie ein roter Faden durch jeden Bereich, sogar durch jede noch so kleine Nische des alltäglichen Lebens spinnt, die selbst das Denken einfacher Angestellter, Arbeiter, Schüler etc. maßgeblich beeinflußt, bewertet den Nutzen einer Handlung, dasjenige also, welches dem Wohl einiger Menschen, vielleicht sogar dem Gemeinwohl dienlich wäre, nie isoliert, sondern zieht immer den Kostenfaktor heran, um ihn - den Nutzen - an den Kosten stumpfzuwetzen.

Der vielpostulierte Fortschritt, der in der kapitalistischen neoliberalen Gesellschaftsstruktur als Silberstreif am Horizont winkt, der fast wie eine Heilsverkündung, wie eine jenseitige Idee sorglosen Daseins verkündet wird, rechtfertigt in Augen aller Protagonisten das Agieren und schließt aber die Mehrzahl aller Menschen dieser Welt - einer Welt, die wirklich Fortschritte in vielen Bereichen bietet, zum Beispiel den medizinischen Fortschritt - von dieser fortschrittlichen Verbesserung aus.

Was nützt uns z.B. eine fortschrittliche Behandlungsmethode gegen AIDS, wenn der Nutzen einer solchen Behandlung das heißt die Heilung eines menschlichen Lebens, die Zurückerstattung menschlicher Würde, weil man den Kranken davor bewahrt, sein Sterben auf Raten zu ausgemergelt, zu schnell zu erleben

an den Kosten plattgedrückt wird?

Wenn die Kosten den Nutzen relativieren?

Hier hat die kapitalistische Sorglos-Welt versagt, falsche Versprechungen in die Welt gesendet, "Fortschritte der Produkte und Dienstleistungen" gesagt, aber "Fortschritte der Renditen" gemeint ist.

Die Eindimensionalität dieser Gesellschaft, die als Grundlage jeder Handlung den  Kostennutzen heranzieht, äußert sich aber oberflächlich in anderer Weise, d.h. den Menschen wird nicht eindeutig klargemacht, dass es nur ihre Arbeitskraft zur Profitmaximierung ist, welche die Grundlage allen Geschaffenen ist.

Für sie ist der "Wert Arbeit" erschaffen worden, die notwendige Heilsverkündung vom Schweiß, der täglich in Lohnarbeit rinnen muß, die Romantik vom arbeitenden, daher nutzvollen Menschen.

Die Sozialisten haben mit Recht sich schon früh skeptisch darüber geäußert, das die Aufwertung menschlicher Mühe, die nicht selten in totaler physischer und psychischer Ausbeutung mündet, auch Arbeitsschutzgesetze benötigt.

Nur diese Arbeitsschutzgesetze bieten einen begrenzten Schutz, wenn Unternehmer mit der "industriellen Reservearmee" Druck erzeugen können.

Arbeitsschutzgesetze sind heute mehr und mehr ein Auslaufmodell, geradezu ein Relikt einer ausgestorbenen Epoche, als man noch von Arbeit in Hülle und Fülle predigen konnte.

Die heutige kapitalistische Gesellschaft kettet ihre Population an Werte und Moralvorstellungen, die die Arbeit zur maßgebenden, sinnverleihenden und hohen sozialen Status bescherenden Priorität vergöttlicht.

Dem ist aber nicht so.

Obwohl Arbeitsplätze rar werden,

Arbeitsplätze, die diese Bezeichnung verdienen, keine Taschengeldarbeitsgelegenheiten, an denen man sich auf Raten in die Armut arbeitet; oft schneller als man denkt,

obwohl die Arbeitslosenstatistiken ausweisen

sofern man nicht die geschönten Statistiken liest,

dass es keinen Aufschwung hin zur Vollbeschäftigung gibt, ihn nicht mehr geben wird, legt man Menschen, die man dann gemeinhin "Arbeitslose" nennt, an die Leine, drängt sie zur täglichen Suche nach einem Gut, welches nicht in ausreichender Anzahl vorhanden ist, gar nicht mehr vorhanden sein kann.

Die Erfahrung lehrt uns täglich, dass der Mensch seine Jagd auf Arbeitsplätze gegen Maschinen und Rechner verliert.

Das Festhalten am "Wert Arbeit" als Fundament der kapitalistischen Gesellschaft, dominiert uns als Individuum innerhalb selbiger.

Die Arbeit macht ihn zum Menschen, sie entscheidet, ob er dazugehört oder ausgeschlossen wird.

Ihre Abwesenheit stürzt Familien ins Unglück, einzelne Unglückliche, die übrigens immer mehr werden, stürzen sich sogar ins Messer bzw. töten sich und seine Familie, um der Schmach zu entkommen.

Überhaupt die Schmach: Gerade dieser Unwert ist es, der die Ökonomie trotz aller Mißverhältnisse weiter am Leben hält.

Solange die Menschen sich der Schmach des Arbeitslosseins ausgeliefert fühlen, solange sie sich schämen, in einem Apparat, der immer weniger Arbeit bei immer mehr Menschen anbietet, ohne einen der begehrten Arbeitsplätze zu sein, solange kann man die Sozialgesetzgebung ohne Gegenwehr beschneiden; Menschen drangsalieren, etwas zu suchen, was kaum zu finden ist.

Ich möchte mir nicht in der neoliberalen Welt in der wir zur Zeit leben auch noch vorstellen müssen, dass man mit dieser Schmach an der Börse auch noch handelt, denn sie ist der beste Rohstoff, der dieses Festhalten an antiquierte Heilsphantasien zur Arbeit ermöglicht.

Stehen wir auf und kämpfen gegen diesen Terror der Ökonomie.

Und so wie die Arbeit entscheidet, wo man jemanden gesellschaftlich einzustufen hat, so glaubt der Mensch der arbeitsbasierenden Gesellschaft, dass nur die Arbeit seinem Leben Sinn verleihen kann.

Zwar bietet das freizeitliche Treiben sicher auch ein gewisses Maß an Sinnschaffung, doch dies flankiert nur den konkreten Sinn der jeweiligen Existenz.

Ist aber jemand ohne Arbeit, dafür aber mit Freizeit sinnvoll beschäftigt, macht man ihm diesen Sinn streitig, sieht ihn von der Seite schief an, weil er Energien für einen Sinn aufwendet, der für diese "Arbeitsmoralisten" nutzlos wirkt.

Wir sollten es auch nicht unterschätzen, dass wir immer und immer wieder von "Arbeit" sprechen, aber doch eigentlich "Verdienst" oder "Lohn" meinen.

Auch hier spielt die Überhöhung dieses entschwindenden Guts hinein.

Gemeinhin suchen Arbeitslose keinen Verdienst, sondern sie bemühen sich um Arbeit.

Tritt jemand auf und bewirbt sich bei einem Unternehmen, nicht weil er es sympathisch findet oder weil er seine Arbeitskraft gerne dort ausgebeutet hätte, weil ihm vielleicht der wohlklingende Name des Unternehmens das Augebeutetwerden erleichtert, sondern weil er gerne verdienen würde, so hat er seine Absage schon sicher im Briefkasten.

"Sozial ist, was Arbeit schafft" - und sozial angesehen ist, wer Arbeit sucht, nicht einen Lohn.

Wenn wir die Arbeit als Basis unserer Gesellschaft verleugnen, wenn wir nun einsehen, dass menschliche Arbeitskraft immer weniger benötigt, dass vielleicht nur noch eine geringe Anzahl von Menschen benötigt wird, um eine allversorgende Ökonomie zu betreiben, dann stellt sich zuallererst die Frage, was mit denen geschieht, die für den Produktionsabblauf nicht mehr nützlich sind.

Unterwerfen wir sie auch einer Kosten-Nutzen-Analyse?

Ich meine die Neoliberalisten bzw. Kapitalisten tun es.

Packen wir eines Tages das Unkraut an der Wurzel und tilgen es aus.

Gerade das letzte Jahrhundert hat bewiesen, dass die menschliche Antriebskraft - auf der Gewißheit basierend, das Richtige und Gute zu tun - keine Humanität gelten läßt, kein Mitleid kennt.

Und wie sieht eine Ökonomie aus, die jeden Menschen dieser Welt versorgen könnte - ginge sie nicht von Kosten und Nutzen aus -, die Fortschritt an alle Menschen weitergibt?

Wenn die Arbeit als Wert entschwindet, wenn man bloßlegt, dass arbeitsbasierende Gesellschaften, nicht die Gesellschaften der Zukunft sein können, dann entschwindet auch die Profit-Gottheit, dann wird das ganze System auf den Kopf gestellt, vielleicht sogar niedergerissen.

War und ist es nicht der Traum aller Menschen, in einer Welt zu leben, die jeden versorgt, jeden größtmögliches Glück bietet?

Basieren nicht das religiöse Motiv vom Paradies oder die Utopie vom Schlaraffenland genau auf diesem ewigen menschlichen Traum?

Versuchen wir nicht alle, unsere täglichen Verrichtungen so zu arrangieren, dass wir möglichst wenig Zeit dafür aufwenden müssen?

Betreiben wir nicht alle eine gewisse Form der privaten Arbeitsrationalisierung?

Man kann es den Unternehmen nicht übelnehmen, wenn sie schneller, effizienter, damit billiger produzieren wollen.

Auch die realsozialistischen Gesellschaften scheiterten vorallem auch daran, dass sie eine modifizierte Form des Kapitalismus übernahmen und im "Recht auf Arbeit" - die de facto eine Pflicht auf Leben und Tod war - manifestierten.

Ein wahrer Sozialismus, eine wahre "Politik mit LINKS" - der/die einzige wahre - hat den menschlichen Bedürfnissen, damit auch dem "Recht auf Müßiggang", Raum zu geben.

Was wir im letzten Jahrhundert erlebten, war nicht der Kampf von Kapitalismus und Kommunismus, sondern der Kampf von zweieiigen Zwillingen.

Es war das Jahrhundert des Widerstreits zwischen zwei Kapitalismen, zwei Erscheinungsformen von Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft und deren Glorifizierung zum Wertbegriff.

Wielange mag es noch dauern, bis aus der segensreichen, sinn- und statusverleihenden Arbeit, wieder das wird, was es über Jahrhunderte - in der vorkapitalistischen Zeit - war: "Eine Notwendigkeit, die gerne umgangen wird, wenn es sich schneller und bequemer anders erledigen ließe."

Bis dahin liegt wohl noch viel Arbeit vor uns...

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 30. April 2013 um 11:19 Uhr  

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