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Deutschland wartet auf die Rente

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Gerade endete das „Europäische Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen“ mit einer Abschlussveranstaltung in Berlin.

Dieses EU-Projekt sollte praktische Aktivitäten zur Unterstützung des aktiven Alterns in den Regionen und Gemeinden fördern, was auch gelang.

In Deutschland wurden fünfzig kleinere Projekte unterstützt, aus denen dann vernetzte Aktivitäten mit längerer Halbwertszeit werden sollten.

Die Liste der Projekte liest sich wie ein „Who is Who“ der deutschen Sozialverbände und enthält so klangvolle Überschriften wie „Im besten Alter freiwillig aktiv“ oder „Akzente im Ruhestand –Handwerker ins Ehrenamt“.

Durch diese typische Art des Top-Down-Networkings soll nach dem Willen der europäischen Kommission der Übergang in die Altersgesellschaft gestaltet werden.

Ursprünglich sollte es nur „Europäisches Jahr für aktives Altern“ genannt werden, wurde aber auf Druck einiger Mitgliedsländer, die sich mit der Verrentung der EU nicht abfinden wollten und eine aktive Bevölkerungspolitik machen, durch den Zusatz „Solidarität zwischen den Generationen“ ergänzt.

Damit wären wir auch schon bei der Bevölkerungspolitik angelangt, die laut aktuellem Spiegel-Artikel, der nichts Genaues nicht weiß, als gescheitert zu gelten hat.

So sagt es zumindest eine Studie des BMFS, die wohl vor der Wahl nicht mehr veröffentlicht wird.

Man kann dem großflächigen Scheitern unserer Familien- und Bevölkerungspolitik durchaus zustimmen, wenn man die nackten Zahlen des „Bundesinstitutes für Bevölkerungsentwicklung“ betrachtet.

Im Unterschied zu Schweden, Frankreich und Groß-Britannien haben die Deutschen keine Wende in der Geburtenrate geschafft und vermehren sich derzeit nur noch über krisenbedingte Zuwanderungsbewegungen aus anderen europäischen Staaten.

Ob dieses Bevölkerungswachstum und die dezente Verjüngung durch Zuwanderung nachhaltig sein wird, kann man jetzt schon bezweifeln, wenn die Leute hauptsächlich die Wirtschaftskrisen in ihren Ländern überbrücken möchten.

Bleibt für uns also, weiterhin auf die Rente zu warten und den Baby-Mangel als zwangsläufige Folge der Postmoderne zu akzeptieren?

Nein, denn andere europäische Länder wehren sich ja auch erfolgreich gegen ihre Armut an Kindern, erfolgreicher als wir.

Die Skandinavier bekämpfen unter anderem die Armut an Kindern indem sie die Kinderarmut bekämpfen und die der Eltern, die Kinder bekommen.

In Deutschland werden diese Kinder eher als unerwünscht, weil bildungsfernen Schichten zugehörig, angesehen.

Das ist natürlich ein Problem, bei uns Deutschen, weil wir uns die Art unserer Kinder auch noch aussuchen wollen.

Bei unseren Alten wissen wir wenigstens schon, woran wir sind. Also ab ins Bundesaltersheim.

Wir warten auf die Rente und bewältigen alles mit Senioren.

Frei nach dem Motto: „Es gibt viel zu tun, hol Deinen Opa!“

Diese Fehlleitung in den Lösungsansätzen des eigentlichen Problems, nämlich des massiven Geburtenrückganges, darf man als typisch deutsch betrachten.

Es wird über altersgerechtes Wohnen nachgedacht und natürlich über Arbeit.

Mehr Arbeit für Senioren, aber nicht darüber, wie wir mehr Kinder bekommen können.

Es sei denn, die Alten fangen jetzt in einer Überspitzung des Begriffes „Aktives Altern“an, Kinder in die Welt zu setzen.

Technisch durchaus möglich, aber sozial auch sinnvoll?

Nichts desto trotz könnte dies eine typisch deutsche Lösung sein, weil sie mit einem erheblichen Aufwand an medizinischen Hightech einhergehen würde.

Hightech, den wir hinterher auch in alle Welt exportieren könnten.

Natürlich gäbe es auch eine einfache soziale Lösung des Bevölkerungsproblems, die aber irgendwie nicht zu uns passt.

Zusätzlich dazu, etwas gegen die Diskriminierung der Rentner auf dem Arbeitsmarkt zu tun und eine Gleichstellung von Frauen zu fördern, könnten wir auch etwas gegen die Diskriminierung von Müttern auf dem Arbeitsmarkt unternehmen.

Dann wäre die Antwort für arbeitssuchende junge Mütter eben nicht mehr: „Wir haben zwar Arbeit, aber nicht für Mütter“, sondern „Kommen Sie rein, fangen Sie an, wir haben einen schönen Betriebskindergarten!“

Zutiefst undeutsch diese Lösung, weil sie sich nicht rechnet.

Im Prinzip ist es aber das Erfolgsrezept der Skandinavier.

Unser „Erfolgsrezept“ war bisher, Familien finanziell ruhig zu stellen und sie in ihrer „schönen Scheinwelt“ zu belasten.

In den alten Bundesländern arbeitet Mami nämlich maximal halbtags und häufig überhaupt nicht.

Dafür gibt es dort 30% an jungen Frauen, die überhaupt keine Kinder mehr haben und sich voll ins Berufsleben einbringen.

„Ganz oder aber gar nicht!“

Auch typisch deutsch.

Unterm Strich aber, ein soziales Verlustgeschäft.

Es sieht mal wieder so aus, als würde die Bundesregierung anlässlich der niederschmetternden Bevölkerungsbilanz und einer völlig gescheiterten Familienpolitik erst mal die Arbeitgeber fragen wollen, bevor sie die Studie in der Öffentlichkeit zur Diskussion stellt.

Dabei weiß doch eigentlich jeder, der Kinder hat, wie es auf dem Arbeitsmarkt zugeht.

Meine Frau hat drei davon und sagte gerade resignierend:

„Als Schwerbehinderte hätte ich mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Kinder sind schlimmer als eine ansteckende Krankheit, man wird einfach ausgesetzt.“

Recht hat se! Mütter mit Kindern haben alle Krankheiten zusammen, zumindest alle Kinderkrankheiten!

Wer will die schon?

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 15. Februar 2013 um 13:48 Uhr  

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