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Weihnachten in der Zeit, wo für uns Toni Turek der Fußballgott war

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Als ich ein kleiner Junge war, da wusste ein Jeder, dass hinter der Lokusmauer saß der Doktor Adenauer und ebenso war für uns Jungen Toni Turek der Fußballgott.

Das glaubten wir einfach, denn wir hörten das am Radio und kannten die Stimmen von Kurt Brumme und Herbert Zimmermann, fünfzig Jahre danach erfuhren wir dann von seinem Neffen, den Bundestagsabgeordneten Christian Ströbele, wer eigentlich dieser Herbert Zimmermann war.

Manches nahmen wir in diesen Jahren einfach hin, war in unserer Nachbarschaft doch ebenso, Ottmar Walter hatte eine Kriegsverletzung, so etwas hatten etliche Nachbarn auch und Bernd Trautmann blieb als Kriegsgefangener in England.

Da meinten einige Väter, der macht es richtig und andere sagten, in England ja- aber in Sibirien wären sie nicht freiwillig einen Tag länger geblieben.

Ansonsten verlief diese Zeit in unserem Leben normal, vielleicht kannten einige die Normalität nicht mehr, doch wir Kinder wurden dort hineingeboren.

Derzeit herrscht wieder in Deutschland eine Stimmung der inneren Zerrissenheit, die erkennbare Kluft zwischen arm und reich wird zu einer Alltagskultur in unserer näheren Umgebung und man sortiert, noch selektiert man nicht aber man grenzt bereits wieder aus.

Dabei begann das alles mal anders, in diesen Jahren, wo für uns Toni Turek der Fußballgott war, lebten Familien auf engeren Raum zusammen und trotzdem galten Werte, man schätzte den sozialen Zusammenhang und besaß eine Tugend, seine Freude mit anderen zu teilen.

Ein Wert der damaligen Zeit war der Zugang zu Informationen und dabei spielte das Radio einen Stellenwert.

Radio hörte man bewusst und zur gewissen Zeit auch verschiedene Sender, denn Radiohören bedeutete Vielfalt und nach der sehnte man sich, im Gegensatz dazu derzeit die Berieselung durch die Vielzahl von Dudelfunks.

Auf engeren Raum zusammenleben, bedeutete aber auch gegenseitig Rücksicht walten lassen, Rücksicht kam vor Toleranz, zur Toleranz wurden wir erst erzogen mitunter von Lehrkräften denen das Wort „ Toleranz“ 12 Jahre nichts bedeutete.

Innerhalb der räumlichen Enge entfaltete man eine Kreativität, eine die andere einbezog und dabei gab man sich einiges mit ins weitere Leben.

Wir spielten nicht nur „ Mensch ärgere dich“ und auch nicht immer das berühmte „ Flohhüpfen“,sondern mitunter sogar Schach.

Dazu benötigte man mehr, nicht nur die Platte sondern die Figuren und die wiederum besaß nicht ein Jeder.

Wer wagte uns seine Schachfiguren zu leihen, hatte man sie, dann besaß man einen Respekt.

Zum Schachspielen gehörte mehr und man sah konzentriert zu, mittels des Zusehens verstand man Regeln und verstand was die Figuren konnten.

All das passierte auf engsten Raum, man sah der Mutter beim Bügeln zu und begriff was ein Bügeleisen konnte.

Jahre danach erinnerte ich mich in meiner damaligen Studentenbaude unweit des Dutzendteichs, wie man Hemden bügeln sollte und trotzdem versenkte ich einen Kragen.

Nachträglich erkannten wir etwas an, was die tägliche Leistung war, warum man sich auf ein Zuhause freute.

Zuhause bedeutete für uns Entspannung, denn tag täglich liefen wir zu Fuß zur Schule und dabei waren mitunter 30 Minuten normal.

Da gab es im Winterhalbjahr den unvergessenen Nachmittagsunterricht, man ging zu 7. Stunde und war erst nach 18 Uhr wieder zurück, den Vorteil verstehe ich bis heute nicht, denn andererseits lernte man uns „Morgenstunde habe Gold im Munde“.

Das galt wohlweißlich nicht für uns, denn das Anpassen an die Realität kam vor dem Prinzip, dann begann man mit den Hausaufgaben um 8 Uhr in der Früh, um 9 Uhr hatte man die Quadratwurzeln gezogen und warum Martin Luther auf der Wartburg Katharina von Bora heiratete, das erzählte uns der Schulfreund am Küchentisch zum Glas heißer Milch gegen 10 Uhr in der Früh.

Man sehnte sich nach etwas, wusste aber all das wird nichts auf einmal, trotzdem versuchte man seine Wünsche an den Mann zu bringen.

Was wünschten wir uns zu Weihnachten, meistens waren es Wünsche von denen man sich etwas über Jahre versprach.

Der Traum vom Volksbrockhaus, vom Direcke Weltatlas und von einem Geschichtsbildband, ebenso wünschte man sich einen Füller, er nicht mehr kleckste.

Bleistifte dessen Mine beim Anspitzen nicht mehr laufend abbrach und Schulhefte aus besserem Papier, in denen die ich besaß waren regelmäßig von Spuren von halben Ästen zu erkennen.

Das gab es sicherlich nicht alles zu Weihnachten, denn unsere Eltern mussten nicht nur mit dem Geld haushalten sondern zudem praktischer denken.

Praktisch denken zu Weihnachten hatte wiederum etwas Verrufenes an sich, das erfuhren wir schnell, denn die Älteren unter uns Kinder sagten es uns, Weihnachten 1944 hatte einige den Spruch der Nazis umformuliert und daraus entstand folgender:

„ Praktisch denken- zu Weihnachten Särge schenken“.

Wir nahmen das zu Kenntnis, betraf uns nicht, denn wir waren die Jahrgänge der Nation die sich Trizonesien nannte und trotzdem mit sog. praktischen Dingen zu Weihnachten bedacht wurde.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 15. Dezember 2012 um 05:13 Uhr  

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