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Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

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Die etwas andere Weihnachtsgeschichte.

Es gehört bei mir fast schon zur Tradition, dass wir im Herbst des Jahres einige Male ins Berliner Ensemble gehen.

Es ist das Haus der Kultur links der Mitte und die Bühne des großen Berthold Brechts am Berliner Schiffbauerdamm, hier wirkte er, der so viele gesellschaftliche Impulse dem Theater gab und dessen Stücke heute noch aktuell sind.

In diesem Haus führte Helene, die Große, die Weigel in seinem Geiste seine Arbeit fort und hier erlernte ein DDR Systemkritiker, der von Hamburg nach Berlin zog und in Köln am Rhein im DDR Fernsehen von seiner Ausbürgerung erfuhr, die Bretter der Welt kennen.

Jetzt wirkt hier Klaus Peymann und das Haus ist immer noch eine großen linken Bühnen Europas, man sollte sie gesehen haben, die Dreigroschenoper im BE und stets im November die allseits bekannten Gastspiele.

Im Jahr 2012 stand Ödön von Horvaths „ Geschichten aus dem Wienerwald“ auf dem Programm, dazu hatte ich das Glück meine mir so anvertraute kleine Seitenloge links im 1. Rang zu bekommen, das ist nicht immer so, ein Jahr zuvor saß ich für viel zu viel Euro in der 1. Reihe des 2. Ranges und sah die Biermösl Blosn mit dem Polt, nicht nur das ich sah auch den Rücken von Frank Walter Steinmeier in der 7. Reihe des Parketts.

Glück hat man, wenn man das Theater genießen kann und sich zurück ziehen kann, sich konzentrieren kann und trotzdem die kleine Freiheit in der Seitenloge genießen kann, denn gegenüber des Einganges befindet sich der Raum wo man sich auf das was einen erwartet zurück ziehen kann, rechts das alte Büro der Weigel und links das ehemalige Büro des großen Berthold Brechts.

Da sitzt man nun in der Erwartung des ersten Klingeltons, erst beim 2. Läuten öffnen sich die Logentüren, es ist also genug Zeit um im Programmheft zu lesen.

Kennen wir eigentlich den großen Ödön von Horvath, der von sich sagte: „ Ich habe nur zwei Dinge, gegen die ich schreibe, das ist die Dummheit und die Lüge.“

Seine Stücke sind das Stück Kultur in der Zeit des Landes an der Donau, wo einerseits die Tradition auf die Armut trifft und andererseits aber voll des Wiener Charmes ist.

Ich las also im Programmheft des BE s und fand dort auf der Seite 100 den Aufsatz von Peter Turrini über Horvaths Gebeine.

Peter Turrini beschreibt diese, eigentlich traurige Story ziemlich elegant und begeisternd, nun eigentlich weiß es fast jeder Literaturfreund, dass Ödön von Horvath sich bereits vor dem Jahre 1938 in Paris in seinem Exil befand und das er dort während eines Gewitters am Ufer der Seine von einem herunterstürzenden Ast erschlagen wurde.

Peter Turrini fährt fort und schreibt dazu, schon weniger wissen allerdings, dass sich in seinen Taschen Pornohefte befanden.

Daraus kann man folgern, dass es ihm da bereits finanziell schlecht ging und er sich mit dem Verkauf dieser Hefte sein Taschengeld aufbesserte.

Aber noch weniger wissen von seinem Begräbnis im Jahre 1938 in Paris, hier liest man, dass Horvaths alter Freund und Dichter, Joseph Roth die Totenrede hielt und bei dem Begräbnis wohlweißlich so besoffen war, dass er in die offene Grube fiel. Horvath und so viele andere gerieten in die literarische Vergessenheit und es dauerte bis in die 60. bzw. 70. Jahre des vergangenen Jahrhunderts bis man sich wieder an ihn erinnerte.

Da kommt der Autor Peter Turrini zu einer Folgerung: In Österreich lässt man alles hochleben, was hinlänglich tot ist.

Der Wiener Gemeinderat beschloss deshalb im Jahre 1988 also 50 Jahre nach dem Tod des Ödön von Horvath, diesem ein Ehrengrab auf dem Wiener Heiligenstädter Friedhof zu errichten.

Der Gemeinderat beschloss das einstimmig, die äußerste Rechte stimmte auch zu, sie wusste zwar nicht wer Horvath war, doch das von im Namen gab wohl den Ausschlag ihrer Zustimmung.

Peter Turrini kommt nun in seinem Aufsatz zur österreichischen Bürokratie und die setzte man in Bewegung, die Botschaft der Republik Österreich in Paris wurde mit der Exhumierung der Horvathschen Überreste beauftragt, die befanden sich allerdings auf einem Vorstadtfriedhof von Paris in St. Ouen.

Daher die Botschaft allerdings mit anderen Geschäften gerade viel zu tun hatte, übertrug man diese Aufgabe dem französischen Übersetzer der Werke von Horvath, einem Österreicher der aber bereits längere Zeit in Paris lebte.

Der bekam all die Vollmachten und zudem 3 Kisten der österreichischen Weinsorte „Grüner Veltiner“.

Der Übersetzer sprach bei der Friedhofsverwaltung in St. Ouen vor, diese wiederum war weniger beeindruckt von seinen Vollmachten und verwies in auf den Totengräber, der wiederum war bereits mittels eines Trinkgeldes mit der Arbeit zu beginnen.

Der Totengräber allerdings erwies sich als veritabler Alkoholiker, war eigentlich sofort bereit, für drei Kisten des Grünen Veltiners alle möglichen Gebeine herbei zu schaffen.

Der Deal fand am nächsten Tag statt, wobei der Übersetzer dem französischen Rotwein zugeneigt war, also 3 Kisten Grünen Veltiner gegen die Gebeine des Ödön von Horvath.

Der Totengräber übergab dem Übersetzer ein paar Knochen, die er zuvor in Zeitungspapier eingewickelt hatte, mehr war nicht übrig geblieben. Alles weitere würde die Friedhofsverwaltung klären, die sich aber zuvor bei den schweißtreibenden Grabungen mit etwas anderem beschäftigte, nur mittels der vorhandenen Knochen starteten sie eine penible Arbeit.

Der Beamte trug jeden Knochen in eine Liste ein und kennzeichnete ihn, also Horvaths Gebeine waren ein halber Schädel mit einem Loch und 7 Knochen, dann meinte der Beamte noch, in Anbetracht der geringfügigen Menge von Überresten genüge ein Kindersarg, packte das alles in eine schwarze Kiste und versiegelte diese.

Der Übersetzer bekam die Transportgenehmigung mit 6 Stempeln und zudem musste eine relativ hohe Summe für die Müheverwaltung ohne Quittung beglichen werden.

Dann kann man weiterlesen, zwei Tage darauf flog der Übersetzer mit dem Kindersarg im Handgepäck nach Wien, versehen mit einem Schreiben der Österreichischen Botschaft, dass alles Rechtens und in Ordnung ist.

Flughafen Schwechat: Bei der Zollkontrolle musste der Übersetzer routinemäßig sein Gepäck öffnen und erklärte den Zollorganen, dass es sich bei dem kleinen schwarzen Kasten um einen Kindersarg handeln würde, in welchem die Gebeine des berühmten Dichters Ödön von Horvath sich befänden.

Die Zollorgane sahen sich miteinander an und verständigten sofort telefonisch ihren Vorgesetzten, einen Major der Zollfahndung, der erschien mit dem Drogenspürhund.

Der Hund wiederum schnüffelte sofort an dem Kindersarg und begann zu bellen, der Übersetzer versuchte nun verzweifelt den Major zu überzeugen und verwies auf sein Schreiben der Botschaft, was dem Major allerdings nicht interessierte.

Der sagte nur, dass er schon viele Ausreden von Dealern gehört hätte, aber dies sei eindeutig die absurdeste.

Er brach die Versiegelung auf und öffnete den Deckel, in dem Augenblick sprang der Hund herbei und erwischte Horvaths Schlüsselbein.

Cirka eine Viertelstunde danach war der Fall erledigt, der Major entschuldigte sich und der nächste Akt begann.

Die Städtische Wiener Bestattung war zuvor telefonisch von der Botschaft informiert worden, wann die Gebeine von Ödon von Horvath in Schwechat eintreffen würden, wahrhaftig hatten die ein schmuckes Auto und einen Hofrat mit Zinksarg und Nationalfahne vorbei geschickt.

Da stieg nun der Übersetzer mit dem schwarzen Karton ins Auto, man nahm den Weg zum Verleger.

Dort lieferte der Übersetzer den Karton ab und sah das alles von der fröhlichen Seite, nahm die nächste Maschine zurück nach Paris.

Was dann noch passierte, ist eigentlich wiederum zutreffend, es ging nämlich um den Termin der offiziellen Begräbnisfeierlichkeiten und da musste man sich mit allen Hofierten in der Donaumetropole abstimmen, der Verleger hatte die Schachtel namens Kindersarg immer noch bei sich, was wiederum die Blicke seiner Besucher anzog und deshalb packte er die Knochen um in einen Karton und stellte diesen unten ins Bücherregal.

Drei Tage später sah er mal nach und der Karton war leer, seine polnische Putzfrau hatte zuvor aufgeräumt und den Inhalt des Schuhkartons im Müll entsorgt.

Anschließend machten sich drei leitende Angestellte des Verlages an die Suche der Knochen im Müll, bis auf 2 Stück konnte man die Gebeine wiederfinden.

Nun kam die Schachtel unter das Gästebett des Verlegers und der wiederum bekam gerade Besuch von einem renommierten Germanisten und Horvath Experten.

Irgendwie kam man auf diese Schachtel zu sprechen und das bereitete dem Experten eine schlaflose Nacht, im Ergebnis hieß das am anderen Tag fehlte ein Knochen.

Das eigentliche kulturelle Ereignis in Wien fand dann statt, der prachtvolle Sarg mit den Gebeinen des Ödön von Horvath, bestehend aus drei Knochen und dem halben Schädel wurde in die Erde des Heiligenstädter Friedhofs gelassen.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 20. Dezember 2012 um 05:48 Uhr  

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