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Ende September bemerke ich stets, wieder ein Jahr älter geworden.

Mittlerweile vergleicht man sich nicht mehr mit all den anderen um sich herum, warum sollte man im Alter noch Vergleiche ziehen?

Man hat eigentlich mehr Zeit, mitunter träumt man auch- in einem Leben blieb etwas hängen.

Etwas davon bemerkte ich neulich im Halbschlaf, nicht den Hund, an all die Hunde hatte ich mich gewöhnt- immer von dergleichen Rasse, doch jeder Rüde war anders.

Ich hatte so ein kleines Stück von meiner Kindheit wieder einmal sehr stark vor mir, das war etwas Prägendes.

Es war im Herbst des Jahres 1955, zwar hatte ich zuvor etwas vernommen und dann sah und erlebte ich es, man hatte einige Eingänge an den Häusern geschmückt.

Blumenschmuck und ein Willkommensgruß von Vater und Mutter, mitunter auch von Frau und Kinder.

Was war passiert, ich musste des Abends meinen Vater danach fragen, es waren die Spätheimkehrer aus Sibirien die man endlich Zuhause begrüßte.

Eigentlich war Sibirien das Thema meines Vaters an all den langen Herbstabenden zuvor, er war dort 18 Monate und hatte diese Zeit überlebt, nun kamen Väter, Söhne und Ehemänner nach mehr als 60 Monaten zurück in ein ganz anderes Deutschland.

Davon erfuhren wir kaum etwas in der Schule, denn meine damalige Klasse war bereits bunt gemischt, einige Mitschüler gingen zurück in den Osten Deutschlands, denn dort hatten sie Teile der Familie wiedergefunden und dann folgten wieder neue Mitschüler.

Darunter befanden sich wiederum welche mit den wendischen Nachnamen, dass Wenden auch Sorben waren bemerkte man erst wenn man sich der Familie näherte.

Mein Vater, der wiederum schnell Kontakt knüpfte und außer deutsch ein paar andere Sprachen verstehen konnte, meinte es sei nicht polnisch aber so ähnlich.

Es waren vertriebene Sorben aus Niederschlesien, interessant war sie blieben Sorben und ein Schicksal teilten sie, auch sie hatten teilweise Sibirien überlebt.

Danach möchte man sich an ganz etwas anderes erinnern, an den Herbst des Jahres 1961 und den ersten Bundestagswahlkampf von Willy Brandt, Willy besuchte in Westdeutschland die Kreisstädte, im Gegensatz zu Ollenhauer und Schumacher, denen es in die Großstädte zog.

Die Frage unter uns Jugendlichen lautete, in welchem Auto kommt Willy Brandt?

Kommt Willy in dem Karmann Giha, den Rut zuvor gewonnen hatte?

Wir sahen es nicht, denn es war ein Menschenauflauf und dann war Willy da, jemand der leise Töne besetzte und ein ganz anderer Deutscher war.

Das war 1961, an den Monat September 1968 erinnere ich mich auch noch sehr gerne, ein paar Wochen zuvor nahm ich an meiner ersten politischen Demonstration teil und trug ein Banner.

Ein Banner auf dem stand „ Duzeck- Svoboda“, stets am Morgen hörten wir den ORF Juri Pelikan berichtete vom Prager Widerstand.

Um dieses Thema gab es kein Drumherum mehr, am Thema Widerstand kann man Demokraten erkennen.

Wie demokratisch verankert ist der Widerstand in der Bevölkerung?

Um das zu verstehen stieg nicht nur ich ein, es waren die großen Filmreihen die uns formten, der Film über den irischen Freiheitswillen, der zur Gründung der Republik führte und es waren polnische Filme vom Widerstand Das Jahr 1973 und den September, der Monat in dem das Militär in Chile putschte und einen Volkshelden ermordete, ich las all das im Baskenland in einer französischen Zeitung.

Dabei hatte ich einige Monate zuvor noch auf dem Berliner Alexanderplatz während der Weltjugendfestspiele „Venceremos“ mitgesungen und nun das.

Aber all das sind Jahre her und viele wollen es gar nicht mehr wahr haben, doch all diese Ereignisse prägten mich, im September vor einigen Jahren gab es im Willy Brandt Haus die „ Spanische Nacht“ und da waren all die Erinnerungen wieder da.

Der Film „ die 5 Patronenhülsen“, ich glaube so war ich besessen, dass ich fast mit Manne Krug durch den Ebro schwamm und dann der große Film über die POUM, der Film mit dem Titel „ Land and Freedom“ irgendwann bemerkt man immer wieder wo man steht, nun bin ich wieder ein Jahr älter.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 12. September 2012 um 04:55 Uhr  

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