Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Archiv 2012 Warum eine Pflegekammer?

Warum eine Pflegekammer?

E-Mail Drucken PDF

Seit jeher steht die Pflege in Deutschland im Schatten der Ärzteschaft und kämpft um Anerkennung bei Patienten, Ärzten und in der Gesellschaft.

Viele Verbände versuchten und versuchen hier eine Richtung zu weisen und der Pflege in der medizinischen Versorgung das Gewicht zu verleihen, das ihr zusteht.

So ist in letzter Zeit wieder einmal der Ruf nach einer Pflegekammer laut geworden.

Der Zusammenschluss in eine Kammer ist historisch gesehen eine Selbstverwaltungseinrichtung für Freiberufler wie Handwerker, Ärzte oder auch Rechtsanwälte.

Von vielen Mitgliedern der bestehenden Kammern kommt allerdings heutzutage zunehmend Kritik mit dem Tenor: die hohen Kosten der Kammern stehen dem geringem Nutzen für deren Mitgliedern gegenüber.

Selbst der Bundesverband für freie Kammern e.V. (BffK) fordert Änderungen der Gesetze zur Regelung des Rechts der Kammern.

Größtenteils befinden Pflegekräfte sich aber im Angestelltenverhältnis. Bezahlung, Arbeitsbedingung, Gerichtsbarkeit usw. wird, wie in den meisten Berufen, von Gewerkschaften, Gesetzen und politischen Richtungsentscheidungen geregelt.

Das hauptsächliche Problem in der Pflege ist, wie so oft, der finanzielle Druck, welcher zu Personalmangel und damit geringerer Zuwendung am Patienten führt.

Zeitvorgaben für Tätigkeiten an Patienten in der mobilen Pflege und in den Pflegeheimen entbehren oft jeder Realität und schaffen auf Seite der Bedürftigen Unterversorgung und bei den Pflegenden Überlastung.

Geringere Zeitvorgaben bei der Patientenbetreuung bedeuten eben weniger finanziellen Aufwand für die Kassen.

Bei den Krankenhäusern hingegen wurde eine Deckelung geschaffen.

D.h. deren Budget wird kaum erhöht während sich die Inflationsrate jährlich deutlich bemerkbar macht.

Jede Teuerungen in Rohstoffen, Inventar oder Tariferhöhungen können so gar nicht mehr von den einzelnen Häusern geleistet werden ohne das Einsparungen an anderer Stelle durchgeführt werden.

Oft wird beim Personal eingespart obwohl durch neue Diagnostik-Techniken und Therapie-Möglichkeiten parallel eine stete Arbeitsverdichtung generiert wird.

Welches immerwährende Thema griff nun Herr Söder von der CSU wieder auf um diesen Problemen entgegen zu treten?

Nachzulesen unter:

http://www.sueddeutsche.de/bayern/pflegekammer-in-bayern-groesste-ideelle-aufwertung-1.1052418 vom 28.01.2011.

Söder, der als Gesundheitsminister für die bayerischen Heilberufe zuständig ist, sagte der Süddeutschen Zeitung:

"Die größte Gruppe im Gesundheitswesen braucht unbedingt eine eigene Stimme."

Mit einer Berufskammer könnten die Pflegekräfte ihre Belange selbst in die Hand nehmen.

"Es ist die größte ideelle Aufwertung, die die Pflegekräfte erhalten können", sagte Söder.

Bereits im Februar wolle er mit der Umsetzung beginnen. "Unsere Pläne sind sehr konkret."“

Durch geschickte Wortwahl wird suggeriert man schaffe etwas Sinnvolles.

Aber die Verlagerung der Verantwortung von der Politik auf ein zahnloses Gremium ist keine Alternative sondern das Abschieben ungeliebter Problematiken.

Eine Zwangsmitgliedschaft der Krankenschwestern und Pflegern mit Zwangs-Mitgliedsbeiträgen in einer Kammer würde ein Gremium schaffen, das bestimmt in guter Absicht die Bedingungen für Patienten und Pflegepersonal verbessern möchte, aber keinen Einfluss auf die Verteilung von Geldern hätte.

Womit soll dann positiv auf bestehende Missstände eingewirkt werden?

Eine Pflegekammer hätte den Arbeitgeberinteressen, den Belangen der Krankenschwestern und Pflegern sowie den Anforderungen der Patienten Rechnung zu tragen.

Dies ist schwer vereinbar und soll noch dazu einzig von dem Pflegepersonal finanziert werden.

Faktisch eine Lohnminderung für Schwestern und Pfleger um insuffizient die Versäumnisse in der Politik von einer machtlosen Kammer diskutieren zu lassen.

Hierzu ein klaresNein, das ist aus sozialdemokratischer Sicht nicht einzusehen.

Auch die Aufsicht von Berufspflichten und -ausübung soll bei der Gesellschaft und den ordentlichen Gerichten bleiben.

Mit Hinblick auf die Arbeitgeber hätte eine Pflegekammer auch Schwierigkeiten die Arbeitsbedingungen der Pflegenden zu verbessern.

Dieser Bereich ist besser bei den Interessenvertretungen der Arbeitnehmer, also der Gewerkschaft, aufgehoben.

Gegen eine Professionalisierung in der Pflege ist nichts einzuwenden.

Bestehende Verbände, Berufsordnungen und gesetzliche Vorgaben sind hier ausreichend.

Es ist bei einer Pflegekammer kein Mehrwert für Arbeitnehmer oder Patienten zu erwarten und deswegen ist eine Pflegekammer zur Lösung der Probleme und Anforderungen in der Pflege ungeeignet.

 

 

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 340
Beiträge : 5859
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 17390218

Verwandte Beiträge