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Aus der Türkei in Deutschland

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Die Zahl der Einwanderer aus dem Osmanischen Reich  im 19. Jahrhundert  nach Deutschland ist sehr gering.

Ob sie türkische, kurdische, armenische, jüdische Wurzeln haben, geben meine  Quellen nicht an.

Ältere Gräber hat man auch schon gefunden.

Nach mündlicher Überlieferung  gibt es auch eine Einwanderung aus der Sultansfamilie nach Deutschland, aber auch da ist eben eine multiethnische Abstammung möglich, da im Topkapi- Harem die Frauen unterschiedliche Herkunft hatten.

Vor 50 Jahren kamen tausende unterschiedlicher ethnischer  Herkunft  aus der Türkei, um in Deutschland zu arbeiten.

Schließlich waren es 2-3 Millionen Menschen unterschiedlicher Abstammung, die aus dem türkischen Raum kamen.

Diese Zahl ist rückläufig durch den Wirtschaftsboom in der Türkei.

Die Lebensbedingungen für die ersten Migrationsarbeiter waren entsetzlich:

Provisorische Unterkünfte, Mehrbettzimmer, keine islamischen Lebensmittel (Halal), übrigens wie nach dem Krieg für die letzten überlebenden Juden ( keine koscheren Lebensmittel) – beide religiösen Speiseherstellungsvorschriften sind  ähnlich.

Die Männer bekamen keine Sprachkurse, hatten ihre Frauen nicht dabei und waren in ihrer Gemeinschaft isoliert – bis die ersten gebrochen deutsch konnten und z.B. über Betriebsarbeit ihre ersten Kontakte zu deutschen Kollegen hatten.

Die Türkei war damals ein armes Land, dass mit den an die Familien überwiesenen Geldern ihr Handelsdefizit verbessern konnte.

Einige  Arbeiter dachten auch sie bleiben ein paar Jahre und machen sich dann in der Türkei selbstständig oder vergrößern den Viehbestand u.ä. auf dem Lande.

Meinen ersten Kontakt hatte ich in einer alternativen Kneipe mit einer  jüdischen Händlerfamilie und einem türkischen Händler, der Wasser verkaufen wollte.

Der Handel klappte dann mit Israel.

Übrigens verkehrte im selben Lokal auch Rossmann, der die Drogerie seiner Mutter geerbt hatte, sich großzügig gab und überlegte was er damit machen sollte. Seine Kette kennt heute jeder.

Zur Zeit der Studentenbewegung war es ein revoltierender Student, den ich über eine Juso-Gruppe kennenlernte.

Die Verständigungssprache war englisch und wir diskutierten tagelang über die neue sozialistische Welt u.ä.. Seine Eltern waren als Schneider nach Deutschland gekommen und hatten ein kleines Geschäft aufgemacht, er studierte in Ankara und wir trafen uns, wenn er auf Besuch war.

Als ich später das Buch, Die Brücke am goldenen Horn, von Özdamar las, wo auch von der studentischen Revolte u.a. die Rede ist, fühlte ich mich an ihn erinnert.

Ich erfuhr vor allem wie viel schwerer es eine Protestbewegung in der Türkei hat.

Da hat sich bis heute nicht viel geändert. So lernte ich auch bald sozialistische türkische Arbeiter kennen und diskutierte mit ihnen und anderen Genossen  über die Weltlage im Allgemeinen und in der Türkei und Deutschland im Besonderen.

Bei dieser Gelegenheit lernte ich auch Familienangehörige kennen von denen meine Eltern dachten, dass es da keine Nachkommen mehr gibt.

Das war mir als Kind zum Erstaunen meiner Eltern schon einmal passiert.

Nun wollten die Türken wissen was unsere Familie im 3. Reich gemacht hatte und da konnte ich sie beruhigen und noch einen Hinweis auf die Vorfahren geben, wo keine Urkunde im Familienbesitz ist.

Zaimogul hat mich auch immer als Autor beeindruckt, weil er nicht nur die deutsche Sprache erweitert hat, sondern auch den Frust von Menschen mit Migrationshintergrund ausdrücken kann.

Diese Aggressivität kommt ja auch in deutsch-türkischen Filmen zum Ausdruck.

Türkische Firmen haben viele Arbeitsplätze geschaffen und steigern auch den Binnenhandel.

Die Überlebenden des 3. Reiches konnten sich eigentlich nie so aggressiv artikulieren, sie litten oder leiden immer unter den Peinigern, die in Deutschland das Sagen habe/hatten.

Die Menschen mit türkischem u.ä. Migrationshintergrund haben lange nur mit ihren eigenen Zeitungen, TV etc. gelebt, weil man ihnen auch keine Sprachkurse angeboten hatte.

Als Ware Arbeitskraft sollten sie ja auch vom hiesigen Arbeitsmarkt eines Tages wieder verschwinden, aber sie kommen auch in Kultur, Politik, Wissenschaft, Handwerk und als  Unternehmer immer weiter  voran und die es noch nicht schaffen müssen eben mehr gefördert werden.

Wer in Deutschland bleibt wird sie wie andere Einwanderungsgruppen also Juden, Hugenotten, Polen im Ruhrgebiet  etc. nach ein paar Generationen integrieren, aber bloß nicht assimilieren, denn das kann zum Nihilismus und Totalitarismus wie im 3. Reich führen.

Das ist die Vernichtung von Mensch, Kultur und einer Zivilgesellschaft.

In der heutigen multikulturellen Gesellschaft werden allerdings wieder Bestandteile älterer Einwanderer  wie der Hugenotten durch Pflege der französischen Sprache und Kultur ergriffen, dies gilt durch die große osteuropäische Migration auch für die interkulturelle Vermittlung dieser u.a. Kulturen.

Die MigrantInnenkulturen aus der Türkei sind in ihrer Vielfalt auch nicht mehr aus dem deutschen, französischen etc. Raum wegzudenken.

Es würde ein Loch entstehen und deshalb bauen wir gemeinsam an einer sozialen/ökologischen/ökonomischen/ politischen/ kulturellen etc. neuen Zukunft.

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 05. November 2011 um 09:28 Uhr  

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