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Ideologie und Zielvorstellungen der dt. Arbeiterbewegung

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Die frühe deutsche Arbeiterbewegung bestand aus drei Säulen:-Gewerkschaften, die die Situation der Arbeiter in den Betrieben verändern wollten. Arbeiterbildungsvereine, die nach W. Liebknechts Parole „Wissen ist Macht“ versuchten, die ArbeiterInnen fortzubilden, um ihnen Aufstieg und Knowhow des politischen Kampfes zu vermitteln

Und die Parteien,die auf politischem Wege Veränderungen herbeiführen wollten.

Ausgangssituation für die proletarische Bewegung war das zunehmende Elend des aufkommenden industriellen Zeitalters. Durch die Urbanisierung entstand, zuerst in England, das Paupertum, also die große Verelendung der Volksmassen.

Zunehmend ersetzten Maschinen die Arbeit der Menschen, die notwendigen Handgriffe wurden immer simpler, die betriebliche Arbeitsteilung nahm zu.

Um sich gegen diese Missstände zur Wehr zu setzen, mussten die ArbeiterInnen lernen, sich zu organisieren und zu emanzipieren.

Dies war jedoch weitaus schwieriger als es h eute dargestellt werden kann.

Die damalige Gesellschaft ist geprägt durch einen Repressionsstaat und eine fast uneingeschränkte Macht der Besitzenden, die kritische Geister zensieren, verhaften oder gar verbannen konnten.

Die Arbeiterbewegung war überdies in Deutschland politisch in zwei Lager unterteilt.Einerseits der kleindeutsch-preußische Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) Ferdinand Lassalles, andererseits die radikaldemokratisch-marxistische Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) August Bebels und Wilhelm Liebknechts, die gesamtdeutsch Sozialismus und Demokratie verwirklichen wollten.

Beide Parteien standen sich zuerst ablehnend gegenüber und hatten eine in weiten Teilen sehr unterschiedliche Programmatik.

Lassalle lehnte die Gewerkschaften oder gar einen Systemwechsel ab und forderte stattdessen die Errichtung von Genossenschaften und die Einführung des ehernen Lohngesetzes.

Letzterer Forderung lag die Einsicht zugrunde, dass im Kapitalismus, durch die Übermacht der Kapitalisten bedingt, die Löhne der ArbeiterInnen weiter gedrückt werden würden, wenn man sie nicht gesetzlich festschriebe.

Die SDAP sah den Staat wesentlich kritischer.

Marxistisch analysierend stellte sie fest, dass der Staat vornehmlich das Unterdrückungsinstrument der herrschenden Klasse ist, jedoch durchaus durch das Proletariat, im Anschluss an die sozialistische Revolution, genutzt werden kann.

Bebel und Liebknecht forderten die Überwindung des Kapitalismus, die ArbeiterInnen sollten ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen und unentfremdet arbeiten können.

Erst im Mai 1875 kam es nach dem Tode des umstrittenen ADAV-Präsidenten, Johann Baptist von Schweitzer, zur Annäherung beider Arbeiterparteien und schließlich zum Vereinigungsparteitag von Gotha, auf dem ein Kompromissprogramm verabschiedet wurde, das Marx in seiner „Kritik des Gothaer Programms“ intern scharf angriff.

Die nun neu entstandene Sozialistische Arbeiterpartei (SAP) richtete sich jedoch im weiteren Verlauf zunehmend marxistisch aus und benannte sich nach dem Ende der bismarckschen Sozialistengesetze im Jahre 1890 in Sozialdemokratische Partei Deutschlands um.

Unter der Führung August Bebels entwickelte sie sich zunehmend zu einer marxistischen Massenpartei, die gemeinsam mit den Gewerkschaften stritt.

In der SPD bildete sich dann drei unterschiedlich marxistische Lager aus:-Die radikale Linke um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, organisiert in der Gruppe Internationale, forderte die revolutionäre Überwindung des Kapitalismus und wandte sich gegen die zunehmende Parlamentarisierung und Institutionalisierung der SPD.

Das marxistische Zentrum um Kautsky und Bebel, das zwischen beiden Flügeln verhandelte, sich aber oft passiv verhielt und auf den Zusammenbruch des Kapitalismus wartete, statt selbst revolutionär tätig zu werden, da es die Zeit hierzu noch nicht als gekommen ansah.

Kautsky und Luxemburg unterschieden sich vor allem in ihrer Betrachtung der Oktoberrevolution deutlich von einander.

Der rechte Flügel der Reformisten um Eduard Bernstein wandte sich von der marxistischen Theorie zunehmend ab und wollte den Sozialismus allmählich über Reformen auf parlamentarischem Wege etablieren.

Ziel beider marxistischen Flügel war also der Sozialismus, dessen Definition zumindest so eindeutig war, dass eine Versehung mit dem Prädikat „demokratisch“ noch nicht nötig war.

Allen war bekannt, dass die SPD für Sozialismus und Demokratie stritt – eine Tatsache, die das kaiserliche Deutschland in Aufsehen versetzte.

Wilhelm Liebknecht äußerte hierzu einst:"Sozialismus und De­mokratie sind nicht dasselbe, aber sie sind nur ein verschiede­ner Ausdruck desselben Grundgedankens; sie gehören zueinan­der, ergänzen einander, können nie miteinander in Wider­spruch stehen.

[...] " Der demokratische Staat ist die einzig mögliche Form der sozialistisch organisierten Gesellschaft."

Der Begriff des demokratischen Sozialismus entstand erst viel später als Abgrenzung gegen den „Realsozialismus“ der Ostblockstaaten, die nichts mit den marxschen Vorstellungen gemein hatten.

Die dogmatische Ideologie dieser Staaten wurde Marxismus-Leninismus genannt und durch Josef Stalin in die Welt gesetzt.

Was ist nun aber Sozialismus ursprünglich und was ist Kommunismus?

Der Begriff Sozialismus war bereits aus früheren Zeiten bekannt und war keineswegs einheitlich (Frühsozialismus/ utopischer Sozialismus), daher lehnte ihn Marx für die Bezeichnung seiner Idee einer gerechten Gesellschaftsform ab und wählte stattdessen den Begriff des Kommunismus (von communis lat. für gemeinsam).

Der Frühsozialismus erkannte bereits, dass das soziale Elend aus der gesellschaftlichen Stellung der Arbeiter stammte und wollte die Entfremdung durch ein Rotationsprinzip überwinden, sodass jeder Arbeiter einmal jede Arbeit in der Produktion eines Produktes haben würde.

Obwohl Marx sich durch Begrifflichkeiten wie „wissenschaftlicher Sozialismus“ (seine Theorie) und den Begriff des Kommunismus abgrenzte, wurden die Begriffe Kommunismus und Sozialismus erst einmal synonym verwendet.

Später erklärte Marx den Sozialismus zur Vorstufe des Kommunismus, zur Diktatur des Proletariats.In dieser sollte das Proletariat auf revolutionärem Wege die Eigentumsverhältnisse, die Produktionsmittel vergesellschaften und sich den Staat nutzbar machen.

Für Marx gab es übrigens durchaus die Möglichkeit zu einem friedlichen Übergang je nach Verfassung der bürgerlich-kapitalistischen Staatsordnung, also je nachdem, wie viel Freiheit der Arbeiterbewegung zugestanden wird.

Im Sozialismus ist jedoch noch nicht das bürgerliche Leistungsprinzip überwunden, sodass der Leitsatz gilt:

Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung.

Der darauf folgende Kommunismus stellt dann die klassenlose Gesellschaft dar, in der kein Mensch mehr über den anderen herrscht und der Staat schließlich abstirbt, da er ferner nicht mehr notwendig ist.

In dieser Gesellschaft soll jeder Mensch nach seinen Bedürfnissen erhalten.

Somit gibt es faktisch keinen Unterschied zwischen den Zielen der modernen Sozialisten und Kommunisten, da beides nur verschiedene Wörter für ein und dieselbe Sache sind.

Auch der Begriff der Sozialdemokratie (der sich aus Sozialismus und Demokratie zusammensetzt) ist lediglich ein Synonym, das heute zur Abgrenzung des rechten Spektrums innerhalb der SPD genutzt wird.

Betrachtet man jedoch die Geschichte der SPD, ihrer Vorgängerparteien und ihrer Programmatik sieht man, wie lächerlich und falsch diese künstliche Differenzierung ist.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass die sozialdemokratische, die sozialistische und die kommunistische Bewegung prinzipiell dasselbe sind, die Begriffe jedoch in ihrer Geschichte unterschiedliche Bedeutung annahmen, bzw. zugewiesen bekamen und erst Marx in seiner Theorie Sozialismus und Kommunismus wirklich unterschied.

Dennoch wird gerade der Begriff des Kommunismus noch heute von übrig gebliebenen Altstalinisten verwendet, sodass es heute keine Partei mehr in Deutschland gibt, die sich zu den marxschen Ideen einer wirklich kommunistischen Gesellschaftsordnung bekennt. In den 63 Thesen haben wir Jusos jedoch verschiedene wirtschaftsanalytische Punkte aus dem Kapital und dem Manifest der kommunistischen Partei als unsere Arbeitsgrundlage übernommen. Näheres ist im Manifest selbst nachzulesen.

Zum Beispiel unter: http://www.jusos-vechta.de/index.php?id=19&aid=11

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 07. November 2012 um 16:26 Uhr  

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