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Terrorkampf für das Patriarchat

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Etwas untergegangen in der Berichterstattung über das "Manifest" von Anders Behring Brevik, der am 22. Juli in Norwegen zumindest 76 Menschen ermordete, dass er sich auch gegen Gleichberechtigung und Feminismus wendet.

Michelle Goldberg ist Autorin der amerikanischen "Newsweek" und hat im Blog "Daily Beast das "Manifest" unter dieser Perspektive analysiert.

Auf der Webseite der "Emma" sind ihre Schlussfolgerungen auf Deutsch zusammengefasst.

Das Erstarken des Feminismus bedeutet das Ende der Nation und das Ende des Westens“ ist eine typische Aussage von Breivik.

Auch wenn wehleidige Rechtspopulisten nun jammern, dass er nichts mit ihnen zu tun habe und sie keine Verantwortung dafür tragen, was andere aus ihren Erklärungen machen, ist das doch kein überraschendes Statement.

Es entspricht einem Komglomerat, das rechtspopulistischer Kritik an Frauenquoten, Ausbau von Kinderbetreuung und Genderpolitik zugrunde liegt.

Bereits als es noch den Eisernen Vorhang gab, wurde behauptet, dass Feminismus nur eine bösartige marxistische Strategie sei, um die westliche Gesellschaft umzuwandeln und zu verweichlichen.

Die durch staatliche Kinderbetreuung unterstützte Berufstätigkeit der Frauen in Warschauer Pakt-Mitgliedern wurde als Horrorvision dargestellt, bei der Frauen ihre "natürlichen Aufgaben" verlieren und dementsprechend frustriert sein müssten.

Tatsächlich wurde dann etwa in der Annäherung weiblicher "Ossis" und "Wessis" festgestellt, dass der Umgang der Gesellschaft mit Frauen Auswirkungen auf den Stellenwert hat, den frau sich selbst gibt, und auf ihr Selbstbewusstsein.

Michelle Goldberg hat sich durch 1500 Seiten "Manifest" gekämpft, weil sie wie die Macherinnen der "Emma" meint, dass von "dieser Art verunsicherter Männlichkeit" auch "eine enorme Gefahr" ausgeht.

Goldberg trat als Autorin auch mit dem Bestseller "Kingdom Coming:

The Rise of Christian Nationalism“ an die Öffentlichkeit und meint:

"Selten war die Verbindung zwischen Frauenhass und rechtem Nationalismus so klar."

Sie verweist darauf, dass "Konservative und Rechte, die über die Islamisierung Europas besorgt sind", gerne "den Feminismus" beschuldigen.

Denn: "Er habe die westlichen Gesellschaften geschwächt und damit die 'demografische Invasion' der Muslime überhaupt möglich gemacht.

So prophezeite Mark Steyn in seinem Bestseller 'America Alone:

The End of the World As We Know It' die Verwandlung von Europa in 'Eurabia'.

Er schreibt:

'Mit ihrem bizarren Beharren auf dem Recht der Frau zu entscheiden, ob sie Kinder bekommt oder nicht, haben Feministinnen maßgeblich dazu beigetragen, dass europäische Frauen ihr Leben künftig in einer Kultur fristen werden, in der Frauen überhaupt nichts mehr entscheiden können.'

Dieser niederträchtige rhetorische Trick – eine Attacke auf den Feminismus mit der Sorge über die Frauenfeindlichkeit islamischer Fundamentalisten zu begründen – taucht in der islamfeindlichen Literatur immer wieder auf."

Tatsächlich wurde Frauen das Recht, über ihren Körper zu entscheiden, in der Hexenverfolgung genommen, und zwar in zweifacher Hinsicht, durch Einschüchterung der Frauen an sich und indem Frauen auch dafür gefoltert, eingesperrt, ermordet wurden, dass sie Geburtshilfe leisteten, sich mit Verhütung und Abtreibung auskannten.

Medizin war einmal weiblich und Volksmedizin ohne Trennung zwischen Diagnose und Heilen, die Hebamme war vor der Geburt und bis es Mutter und Kind gut ging bei der Frau.

Statt "Eurabia" verwendet Breivik übrigens "EUSSR" für eine offenbar auch bedrohliche Zusammenarbeit mit Russland, die sich auf historische Verbindungen besinnt.

"Breivik beschreibt sich selbst als ein desillusioniertes Produkt der liberalen norwegischen Polit-Elite, dessen Wut auch aus den instabilen Familienverhältnissen resultiert, in denen er aufgewachsen ist. Sein Vater war Diplomat, zunächst in London, dann in Paris stationiert. Breiviks Eltern ließen sich scheiden, als er ein Jahr alt war. Seine feministische Mutter habe dann einen norwegischen Kapitän der Armee geheiratet, sein Vater eine Diplomaten-Kollegin, die Breivik als 'moderate Kultur-Marxistin und Feministin' bezeichnet. Und obwohl er seinen Stiefvater als konservativ beschreibt, beklagt er sich über seine 'super-liberale und matriarchale Erziehung', die 'dazu beigetragen hat, mich zu feminisieren'."

"Knit Herstory" bei Demo 100 Jahre Frauentag

Wäre nicht männliche Wehleidigkeit ganz entgegen Geschlechtsrollenstereotypen durchaus salonfähig, müssten sich Breivik und andere schlicht damit abfinden, dass ihre Kindheit anders verlief als sie es sich im Rückblick vielleicht gewünscht hätten.

Sowas nennt man reif und erwachsen werden, doch bei Männern ist zumindest in der Rechten ewiges Jammern über nicht mehr zu Änderndes Ausdruck von Recht auf Frust, Hass und schließlich Rache.

"Feminisierung" kommt sehr oft vor und bedeutet wohl, dass Breivik selbst in einer offenen und liberalen Gesellschaft wie der norwegischen keine Perspektiven entwickeln konnte.

In Norwegen ist Gleichberechtigung insofern kein Thema, als dass das Land sehr oft Vorreiterin war.

Es gab vor anderen Staaten einen sehr hohen - also dem weiblichen Bevölkerungsanteil nahekommenden - Frauenanteil in der Regierung.

Norwegens Frauenquoten für die Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen sind weltweit Vorbild und im Land auch wegen der wichtigen Erdölindustrie wirksam.

Seit langem schon können Homosexuelle heiraten; als bei uns gerade Jahre vor der Regelung zur "Verpartnerung", die seit 1.1.2010 in Kraft ist, wieder einmal diskutiert wurde, war meine Tante aus Norwegen zu Besuch und schüttelte den Kopf darüber, dass man derlei nicht einfach einführen kann.

Stricken war in Norwegen traditionell Männersache, man könnte Männer abends mit Strickzeug vor den Häusern sitzen und plaudern sehen.

Kinder werden mit Respekt behandelt und ernstgenommen, man traut ihnen das zu, was sie können, erklärt ihnen alles. Norwegen ist natürlich auch eines der Länder, das schon einmal eine Verteidigungsministerin hatte, die sich als einzige Ministerin bei NATO-Versammlungen gegen den geplanten US-Raketenschild aussprach (wie auch unser Verteidigungsminister als einziger innerhalb der EU).

Norwegen war also nie die patriarchale Gesellschaft, zu der sich Anders Breivik zurückzusehnen scheint.

Dennoch schreibt er:

"Die weibliche Manipulation der Männer ist in den letzten Jahrzehnten institutionalisiert worden und Ursache der Verweiblichung der Männer in Europa."

Auch dies ist eine tiefe Angst rechter Kerle, dass Frauen fehlende Macht in der Außenwelt dadurch kompensieren können, dass sie dem Herrn Versorger um den Bart streichen.

Breivik bemüht hier also ein Bild, das nicht mehr zutrifft, um zu beklagen, dass es nichts mit der Realität zu tun hat.

Auch in den USA sind Frauen nicht mehr diejenigen, die "auch" verdienen, sondern sehr oft diejenigen, von deren Job das Familieneinkommen abhängt, wie gerade in den Nachrichten zu den Budgetproblemen Barack Obamas gemeldet wird.

Die werden durch diesen Umstand nicht geringer, denn Frauen verdienen im Schnitt weniger als Männer, zahlen also auch weniger Steuern.

Goldberg meint zu Breivik:

"Er gibt den erstarkten Frauen die Schuld für seine eigene Isolierung und erklärt, er fühle sich abgeschreckt vom 'destruktiven und selbstmörderischen Sex and the City-Lifestyle (moderner Feminismus, sexuelle Revolution...).

In diesem Setting sind Männer keine Männer mehr, sondern metrosexuelle und emotionale Wesen, deren Bestimmung es ist, der feministischen New Age-Göttin ein unkritischer Seelenverwandter zu sein.

Wütend und einsam wandte Breivik sich der internationalen Rechten zu.

Bemerkenswert an seinem Manifest ist unter anderem die Tatsache, dass er kaum auf norwegischen PolitikerInnen und AutorInnen eingeht.

Statt der norwegischen Feministinnen attackiert er Betty Friedan (Autorin des 1963 erschienen Buchs 'Der Weiblichkeitswahn').

Die meisten AutorInnen, die er zitiert, sind AmerikanerInnen wie Mark Steyn, KanadierInnen oder EngländerInnen.

Nun ist Literatur aus englischsprachigen Ländern durchaus wichtig, um sich weiterzubilden und Anregung durch die Gedanken anderer zu erhalten - jedenfalls, wenn frau Feministin ist.

Wie kommt aber ein Herr Breivik dazu, sich auf Autorinnen aus diesem Raum zu konzentrieren?

Der durchschnittlichen europäischen Feministin fällt wohl mehr Skandivanisches ein als dem Norweger Breivik.

Dieser meint, "egoistische westliche Frauen", so Goldberg, hätten "den muslimischen bevölkerungspolitischen Feldzug ermöglicht".

Derlei Vorstellungen sind Gemeingut rechtspopulistischer Parteien, in deren Milchbubenrechnung Muslime immer etwa fünf Kinder bekommen, die fünf Kinder eines Ehepaares bekommen ingesamt 25 Kinder mit den fünf Kindern eines anderen Paares.

Diese Kinder bekommen dann 125 Kinder  mit den 25 Kindern fünf anderer Paare.

Und in einigen Jahrzehnten sind dann die "UreuropäerInnen" ausgestorben.

Obwohl solche Konstrukte der logischen Denkfähigkeit zu kurz gekommener Männer ein schlechtes Zeugnis ausstellen, werden sie eifrig voneinander kopiert.

Dabei kann man innerhalb weniger Sekunden zwei Fakten begreifen:

1) Die zweite und dritte Generation Zuwanderer und erst recht alle weiteren Generationen passt sich weitgehend an das übliche Leben in einem Land an.

Identität wird neu konstruiert, was aus der alten Kultur bewahrt wird, ist selten Kinderreichtum (der zudem auch dort in erster Linie eine Projektion unserer Vorstellungen ist).

2) Angewandter Feminismus steigert die Geburtenrate, wie gerade die skandinavischen Länder zeigen.

Sie ist dort niedrig, wo Berufstätigkeit und Kinder nicht vereinbar sind oder wo Berufspausen das Aus für eine Männern vergleichbare Laufbahn sind. Goldberg dazu:

"Fakt ist, dass in modernen Industrieländern der Feminismus mit höheren Geburtenraten korreliert. Wohingegen katholische Länder wie Polen, Spanien oder Italien die niedrigsten Geburtenraten haben, weil diese Gesellschaften wenig tun, um den Wunsch der Frauen nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu realisieren."

Breivik bezieht sich unter anderem auf den amerikanischen "Paläokonservativen" Pat Buchanan ("The Death of the West“).

Die Rechte klammere sich, sagt Goldberg, "an die Vorstellung, dass der Feminismus die westlichen Gesellschaften von innen heraus zerstöre".

Somit glaubt man(n) an die Notwendigkeit einer "Wiedervermännlichung" und sieht Einsatz für Frauenrechte nur dann angebracht, wenn es um Kopftuch und Burka geht.

"Der Niedergang der europäischen Zivilisation hängt davon ab, wie standhaft europäische Männer Widerstand gegen den politisch korrekten Feminismus leisten," schreibt Breivik.

Der "Kreuzzug" des selbsternannten Tempelritters sollte dazu führen, dass rechte Kräfte die Kontrolle über Europa gewinnen (das war auch zu Zeiten des Kalten Krieges angesagt, als Linke immer wieder auch mit Anschlägen sowohl getroffen als auch diskreditiert wurden).

Breivik will "die patriarchalen Strukturen wieder herstellen“ und stellt sich vor, dass Frauen "ihren Platz in der Gesellschaft kennen", wenn sie in diesen neuen Strukturen "konditioniert" werden.

Das klingt nach Ira Levins "Frauen von Stepford", aber dieses amerikanische Buch wird Breivik vielleicht gar nicht kennen.

Das Stichwort "Konditionierung" passt auch zu einer Passage in diesem Artikel der "taz":

"Mehrere Zeitungen nannten am Dienstag Details, denen zufolge Breivik im vergangenen Jahr unter anderem eine Demonstration der ultrarechten English Defence League (EDL) besucht haben und mit Mitgliedern der Gruppe über das Internet in Kontakt gewesen sein soll.

Laut Independent und Daily Telegraph hatten rund 150 EDL-Mitglieder über das Internetnetzwerk Facebook Verbindungen zu Breivik.

Der Norweger soll einen 'hypnotischen Effekt' ausgeübt haben, wird ein EDL-Mann zitiert.

Breivik hatte in einer im Internet verbreiteten Hassschrift über Kontakte nach England gesprochen."


Patriarchales Europa?
Liebespaar der Vergangenheit (etruskisch)


Lesenswert ist aber auch, was der norwegische Kronprinz Haakon beim "Rosenzug" sagte, an dem am 25. Juli 200.000 Menschen in Oslo teilnahmen:

"Heute abend sind die Straßen mit Liebe gefüllt. Wir wollen Grausamkeit mit Nähe beantworten. Wir wollen Hass mit Zusammenhalt beantworten. Wir wollen zeigen, wozu wir stehen. Norwegen ist ein Land in Trauer. Wir denken an alle, die Verluste erlitten haben. Die vermissen.....Diejenigen, die sich auf Utøya und im Regierungsviertel aufgehalten haben, waren Ziel des Terrors. Aber er hat uns alle getroffen.....Nach dem 22. Juli können wir uns nie wieder die Annahme erlauben, dass unsere Meinungen und Haltungen ohne Bedeutung sind. Wir müssen einander jeden Tag begegnen, gerüstet sein für den Kampf um die freie und offene Gesellschaft, die wir so mögen."

Das ist die norwegische Antwort - Haltung liegt in der Verantwortung jedes einzelnen Menschen, denn keine Regierung, keine Sicherheitsbehörde kann Hetze und deren Auswirkungen unterbinden, wenn nicht die Menschen selbst jedesmal der Hetze entgegentreten, wenn sich jemand ihrer bedient.

Wenn Haltung salonfähig ist, nicht Hetze, haben die Hetzer keine Chance.

Und dazu gehört auch, sich endlich der weinerlichen Pseudomännlichkeit entgegenzustellen.

Es ist nicht Sache des Feminismus, sich damit auseinanderzusetzen, sondern aller, der Männer und der Frauen.

Offenbar muss man denen, die Angst haben vor der "Feminisierung", mal klarmachen, dass sie selbst es sind, die so ganz und gar nicht "männlich" im traditionellen Sinn reagieren.

Etwa Henryk Broder, der von Breivik mehrmals zitiert wird und zu denen gehört, die vor breitem Publikum eine "islamische Gefahr" an die Wand malen:

"Auf die Frage, ob er sich jetzt irgendwelche Sorgen mache, dass er nun weltweit in so einem Zusammenhang exponiert werde, antwortete Broder, der zurzeit in England ist: ‘Das einzige, worüber ich mir Sorgen mache, ist, woher ich Ersatzteile für meinen Morris Traveller aus dem Jahre 1971 bekomme. Sogar in England werden die Teile knapp.’"

Kein Wunder, dass die "Achse des Guten", die von Broder und anderen betrieben wird, nun auch "Achse der jämmerlichen Feiglinge" genannt wird:

"Die Achse des Guten war in der Vergangenheit häufig Ausgangspunkt primitivster antimuslimischer (und nicht etwa antiislamistischer) Agitation. Dabei hat jedoch keineswegs nur Henryk M. Broder seine mickrigen publizistischen Palme gewürgt, nein, auch so manch anderer Autor – ob nun zur Stammmannschaft des Netzwerks gehörend oder als Gasthetzer – räumte öffentlich masturbierend seine chronischen journalistischen Potenzdefizite ein."

Das klingt etwa so wie von Bernd Zeller:

"Und wenn der Attentäter im Manifest sich gegen Sozialabbau und die Beteiligung am Afghanistankrieg ausgesprochen hätte, hätte er dann mehr Recht?"

Kommentar von Politblogger:

"Hat er aber nicht. Thema verfehlt. Sechs. Setzen. Aber wieso eigentlich mehr Recht?

War Anders Behring Breivik etwa überhaupt irgendwie im Recht, Herr Zeller?" Oder auch:

"Gleich, welcher Ideologie er sich zurechnet, er hat sie weder falsch noch richtig ausgelegt, er hat seine eigene Aggression verübt und scheinbar eine Begründung in seiner Phantasie."

Dazu der Politblogger:

"Falsch. Die Begründung für seine Taten hat Breivik nicht nur in seiner eigenen bizarren Fantasie, sondern auch in den absurden Gedankenwelten eines Henryk M. Broder und seiner Mitstreiter gefunden."

Broder hat es inzwischen doch für angebracht gehalten, öffentlich Tränen zu vergießen - nicht für die Opfer von Anders Breivik, sondern für sich selbst.

Er beobachtet sich beim Weinen in der "Welt", per Kommentar.

Breivik wollte heute vor Journalisten angehört werden beim Haftprüfungstermin, in Uniform.

Beides wurde ihm verwehrt, man will ihm kein Forum bieten (dennoch ist von mehr als 100 Journalisten vor dem Gebäude die Rede).

Zum "richtigen Mann" gehört in seiner Welt dort, wo sie von vielen geteilt wird, auch dass man(n) einmal lernen muss, mit Waffen umzugehen.

Diese Haltung wird auch von denen unbeirrbar vertreten, die dem österreichischen Verteidigungsminister vorwerfen, als einstiger Zivildiener "unfähig" zu sein, als Befehlshaber des Heeres gemäß der Verfassung zu fungieren.

Seltsamerweise sind aber dieselben tapferen Helden nicht imstande, die simple Haltung und Courage aufzubringen, den Minister zu unterstützen, wenn er sich für die Souveränität des Landes einsetzt.

Als er etwa den Raketenschild kritisierte, fielen die einen über ihn in den Medien her und die anderen mussten wohl gerade noch irgendwo ihre Männlichkeit zusammensuchen, fanden sie dann aber doch nicht.

Wahrscheinlich ist für sie aber die Welt zu sehr "feminisiert", sodass ihnen all das abhanden gekommen ist, was sie angeblich auszeichnet.

Es sollte nicht verwundern, dass die FPÖ mit ihrem Moschee Baba-Spiel und ihren Comics gegen Türken und EU, mit ihrer wegen Verhetzung verurteilten Abgeordneten Susanne Winter, mit den Hasspostings auf der Facebook-Seite ihres Abgeordneten Werner Königshofer (man sollte Politikern einen Galgen aufstellen, schreibt etwa jemand, siehe "Heute" 26.7.2011) auch auf dem Mitleidstrip ist. Königshofer ist ein Beispiel dafür, wie man Stimmungsmache betreibt, also genau das erntet, was man gesät hat - auch wenn man(n) zu "feminisiert" ist, um dafür die Verantwortung zu übernehmen.

Denn er schreibt laut "Heute" auf Facebook, dass "die islamische Gefahr in Europa schon tausendmal öfter zugeschlagen hat".

Sonst fällt ihm bezeichnenderweise nichts ein zu den Terroranschlägen, und es ist auch das Verbreiten von Falschem.

99% der Terrorakte in Europa haben keinen islamistischen Hintergrund.

Wer ist dafür verantwortlich, dass Königshofer derlei Propaganda betreibt - die, die das lesen und sich aufputschen lassen, oder er selbst?

Sie sind für ihre Reaktion verantwortlich, aber nicht dafür, dass jemand falsches in die Welt setzt.

Eine Rückkehr zum Patriarchat ist eine Fiktion, da es in Europa wie überall sonst zuerst matrilinear organisiertes Zusammenleben gab.

Die Verehrung der Göttin war das Natürliche und auch "Logische", männliche Götter waren bereits ein Grad an Abstraktion, selbst wenn sie zunächst parallel zu Göttinnen existierten.

Frauen hatten etwa im irischen Brehon-Recht einen Status, den sie in Europa in weiten Teilen erst im 21. Jahrhundert wieder erlangen.

Erst das Christentum setzte durch, dass Frauen keine Waffen tragen durften, doch sie mussten sich immer zu wehren wissen.

Sie spielten eine wichtige Rolle beispielsweise bei der Verteidigung belagerter Städte.

Einige Gerätschaften des früheren Alltags waren durchaus als Waffen geeignet und wurden von Frauen auch entsprechend eingesetzt.

Die Bandbreite an Berufen, die Frauen bis zur "Verklärung" ihrer Rolle als still, bescheiden, häuslich in der Oberschicht, später auch im Bürgertum und schließlich sogar in der Arbeiterschicht (als real aus ökonomischen Gründen schwer erreichbares Ideal) hatten, mussten wir uns erst wieder erkämpfen.

Was Männer arbeiten konnten, taten auch Frauen, weil ihnen gar nichts anderes übrig blieb und weil sie es wollten.

Teilweise Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern hatte nichts Abwertendes an sich, da beide Geschlechter wertvolle und wichtige Beiträge zum gemeinsamen Überleben leisteten.

Frauen waren auch bereit, "wie ein Mann" in den Kampf zu ziehen, manchmal verkleidet, manchmal als Ehefrauen und Gefährtinnen in multikulturellen Söldnertruppen.

In Indien gilt die Prinzessin Rani Lakshmi Bai als Nationalheldin, die im 19. Jahrhundert im Kampf gegen die Briten fiel.

Statuen zeigen sie zu Pferd mit dem Schwert in der Hand, denn ein Gedicht über sie gibt den Rat "statt dich zu bücken, steh auf mit dem Schwert".

Die Rani war ebenso weit entfernt von weinenden "feminisierten" Männern wie die keltische Königin Boudicca, die im 1. Jahrhundert die Rebellion gegen die römischen Besatzer anführte.

Beide Frauen kämpften für die Freiheit und gingen dafür auch in den Tod, was nichts zu tun hat mit selbsternannten "Tempelrittern", die nur in der Tradition massakrierender und plündernder Kreuzfahrer stehen, welche so nebenbei die ersten Pogrome an europäischen Juden durchführten.

Breivik ist wie viele Rechtspopulisten davon überzeugt, dass es ein "Recht des Stärkeren" geben muss.

Stärke wird hier definiert als "Geburtsrecht" eines jeden Mannes, der weiss und heterosexuell ist.

Er darf nicht auf einer Stufe stehen mit Frauen und Menschen aus anderen Ländern, "feminisiert" sich aber mit der Beanspruchung von Privilegien selbst, um seinen Begriff zu verwenden.

Er hat entsetzliche Angst in einer Gesellschaft, in der man anderen auf Augenhöhe begegnen soll.

Er hat Angst, unter diesen Bedingungen zu versagen, denn seine "Männlichkeit" ist keine innere Stärke, sondern eine Konstruktion, die man "maskulinistisch" nennen könnte.

Ein zentrales "Gebot" traditioneller Männlichkeit erfüllen die Rechtspopulisten schon nicht, denn der Mann beschützt andere, stellt deren Bedürfnisse dabei über seine eigenen, während die Frau beschützt werden soll. Hier aber dreht sich alles nur in jammernder Innenschau und Selbstbeweihräucherung um Mann selbst.

Soll die Gesellschaft also besonders verständnisvoll mit (dieser) "Männlichkeit" umgehen, herumanalysieren, Soziologen befragen, Maßnahmen treffen - alles, um zu vermeiden, "Maskuline" gleich zu behandeln wie reife Männer und Frauen, von denen Bereitschaft zu friedlichem Zusammenleben, dazu, nicht alles auf sich zu beziehen, eine gewisse Frustrationstoleranz und ein Minimum an Leistungswillen erwartet wird?

Rechtspopulisten agieren wie ein Volk, das nackt dasteht und ruft, der bekleidete Kaiser sei nackt.

Sie erkennen nicht, dass nicht die Bedingungen, nicht die Veränderungen in Europa, sondern ihre eigene Haltung den Unterschied zu anderen Menschen ausmachen, denn diese leben rein physisch gesehen in der gleichen Welt.

Infos:
Artikel auf der Emma-Webseite
Artikel bei Daily Beast
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