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Die Shell Jugend-Studie von 2010 hat es schon belegt.

Unsere Gesellschaft driftet heftig auseinander, vor allem bei den Jüngsten.

Nie in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte waren die Gräben zwischen arm und reich so tief, nie das Bildungssystem so undurchlässig für Kinder aus armen Verhältnissen.

Die Ansprüche an Jugendliche sind gleichermaßen gestiegen und unser Nachwuchs scheint das deutlich zu spüren.

Laut einer Umfrage welche von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht wurde, machen sich die meisten Jugendlichen erhebliche Sorgen über ihre berufliche und finanzielle Zukunft.

Nach der besagten Shell-Studie sind junge Leute angepasster denn je, sehr pragmatisch und zumindest in den Bildungs-Schichten ausgesprochen diszipliniert.

Sie wollen in jedem Falle den Lebensstandard ihrer Eltern halten, eine Stufe darunter beginnt für sie das Elend.

Das Lebensgefühl wird aber weiterhin aus der Spaßgesellschaft der Neunziger bezogen.

Gleich nach der Karriere kommt der Spaß.

Sollen Sie!

Nicht so lustig dagegen sind die Ängste der Jugend.

Wo früher Angst vor Umweltzerstörung und Kriegen im Vordergrund stand, ist es nun die Angst vor der Verarmung.

Speziell auch vor einem Überschwappen der Armut aus anderen Ländern nach Deutschland.

Dementsprechend scharf grenzt sich unser gebildeter Nachwuchs gegen die ärmeren Gruppen der Gesellschaft ab.

Soziale Apartheit beginnt häufig schon in der Schule, wo sich Freundschaften eher an Zugehörigkeit zu bestimmten Schichten, als an spontaner Sympathie orientieren.

Elitäres Bewusstsein setzt sich dann spätestens in den letzten Jahren vor dem Abitur voll umfänglich durch.

An der Uni beginnt dann der große Run auf die Karriere-Fächer:

Ökonomie, BWL, VWL, Jura, Politik und Medizin, inzwischen alles NC-Fächer.

Erziehungswissenschaften und Pädagogik bekommen dagegen ihre Semester nicht voll.

Unser defektes Bildungssystem speziell an den Schulen ist das direkte Spiegelbild dieser Situation.

Etwa siebzehn Prozent aller Hauptschüler gehen ohne Abschluss.

Aber ungefähr ein Viertel aller Schulabgänger überhaupt erreicht keinen qualifizierten beruflichen Abschluss.

Dies angesichts extrem verschärfter Ansprüche der Gesellschaft an ihren beruflichen Nachwuchs.

Die am meisten beunruhigende soziologische Tatsache in unserer Republik 2011 ist allerdings das fortwährende Abschmelzen der Mittelschicht.

Als müsste man sich entscheiden, ob man reich oder arm werden wollte, scheint es kein Verweilen bei den mittleren Einkommen mehr zu geben.

Die Zahl der Menschen, die über ein Durchschnittseinkommen verfügen, nimmt stetig ab.

Dafür nimmt die Zahl der besser Verdienenden und der prekären Lebensverhältnisse stetig zu.

Dies lässt nur den Schluss zu, dass der untere Teil unserer Gesellschaft immer deutlicher abgehängt wird.

Ein erschreckender Trend, der früher oder später zu erheblichen sozialen Verwerfungen und einer entsprechenden Verschärfung der Sicherheitslage führen wird.

Mit anderen Worten.

Der Teil der Gesellschaft, dem der Wohlstand erhalten bleibt, wird immer schärferen Sicherheitsgesetzen zustimmen, weil die Angst vor sozialen Unruhen und Kriminalität ansteigt.

Die Verlängerung der Antiterror-Gesetze, die Online-Überwachung und vielleicht auch die Bundeswehr im Inneren werden nur Meilensteine auf dem Weg in einen Überwachungsstaat sein, der nur unter der Bedingung allgegenwärtiger Polizeipräsenz ruhig gehalten werden kann.

Es wird wieder Viertel geben, in Berlin und anderswo, in die man sich als wohlhabender Bürger nicht hinein trauen kann.

Was jetzt noch Ängstlichkeit ist, wird dann reale Bedrohung sein.

Schon jetzt sind in Potsdam Wohnviertel mit Eingangskontrollen und hohen Zäunen in der Planung

Gesellschaftlich driften wir in eine destruktive Richtung der Abgrenzung, Ausgrenzung und Eingrenzung armer Bevölkerungsteile, die uns erheblich Angst machen müsste, aber allgemein und stillschweigend ignoriert wird.

So kann keine soziale Korrektur erfolgen.

Alle guten Ansätze unser Bildungssystem durchlässiger zu gestalten, sind bereits im Ansatz gescheitert, die Elitenförderung aber wächst und gedeiht.

Wir bewegen uns auf eine gesellschaftliche Atmosphäre zu, die dem Vorabend der französischen Revolution immer ähnlicher wird.

Diesen sozialen Sprengstoff deutlicher herauszustellen und entschlossenere Konzepte, als den Bildungsausweis zu fordern wäre eine Aufgabe der SPD.

Leider hat die SPD ebenfalls die unteren gesellschaftlichen Schichten abgeschrieben, die ja auch nicht mehr zu ihren Wählern gehören.

Sollten wir jetzt und in Zukunft nur noch auf die integrative Kompetenz der „Linken“ vertrauen?

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 25. Juli 2011 um 06:09 Uhr  

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