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Preis und Arbeit

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Inflationsängste scheinen die Deutschen bereits fest im Griff zu haben.

In Berlin hat sich der Immobilienmarkt zu einer einzigen Werbeveranstaltung für Kapitalanleger gewandelt.

 

Wo vor zwei Jahren noch einfach Wohnungen an den Mann oder die Frau gebracht wurden, wird jetzt mit totsicheren Kapitalanlagen in der Hauptstadt geworben.

Sprüche wie, Ihr Geld will nach Berlin, sind da noch vergleichsweise witzig.

Manche Makler schreiben schon, Retten Sie ihr Geld in letzter Minute! Kaufen Sie eine Wohnung in Berlin!

Was da verramscht wird, ist oft alles andere als appetitlich und das Geld mit Sicherheit nicht Wert.

Der Anfang der nächsten Immobilienblase ist gemacht!

Mich macht diese neue Anleger-Hysterie nachdenklich, weil die Leute inzwischen wieder alles wie verrückt kaufen.

Überteuerte Autos, Gold und jede Menge Immobilienschrott.

Eigentlich ist es doch ganz leicht zu ermessen, wieviel eine Sache Wert ist und wieviel man dafür bezahlen darf, ohne im Spekulativen zu landen.

Es gibt immer so etwas wie ein Preisgefühl, dass einem sagt, ob man zuviel oder gerade das Richtige für etwas bezahlt.

Ein Auto darf nicht mehr als ein Netto-Jahresgehalt kosten, anderfalls wird man davon erdrückt.

Eine Wohnung muß man in 10-15 Jahren ohne große Not abbezahlen können, ein Haus in 20-25 Jahren, ohne darunter zu leiden.

Sonst wird man von den Kosten erdrückt und von den Banken versklavt.

Wenn ein Kilo Gold soviel kostet, wie ein voll ausgestatteter Mittelklassewagen, dann muss man doch bitte auch mit einem Absinken des Goldpreises rechnen und nicht nur mit einem rasanten Anstieg.

Das Problem liegt eigentlich darin, dass das Preisgefühl verloren zu gehen scheint, wenn die Leute deutlich mehr auf der Kante haben, als sie brauchen.

Das Gekd verdirbt jedes Preisgefühl und vernebelt die Wahrnehmung für den wirklichen Wert einer Sache.

Wenn sich Rentner für eine viertel Million Euro ein schlecht gebautes Appartment auf Mallorca kaufen, denken sie offensichtlich nicht darüber nach, dass zwischen den Herstellungskosten und dem Preis eine riesige Spanne liegen muss, die man auch als spekulative Phantasie oder schlicht Profit bezeichnen könnte.

Dementsprechend dumm standen die Leute da, als die spanische Immobiliienblase platzte.

Sie waren plötzlich mit dem realen Wert ihrer Traumimmobilien konfrontiert und fühlten sich doch allen ernstes betrogen!

Jeder Mensch, der arbeitet, weiss, wieviel eine viertel Million Euro sind.

Wie kann man sich dann hinterher betrogen fühlen??

Für einen durchschnittlichen Erwerbstätigen sind Einhunderttausend Euro bereits eine riesige Summe.

Wer bei einem Durchschnittsgehalt von 2500 Euro diese Summe zusammensparen möchte, braucht dafür im Schnitt 25 bis 30 Jahre, also fast ein ganzes Erwerbsleben.

Nun haben aber viele Deutsche dieses Geld schon in relativ jungen Jahren auf der Kante.

Die Erben-Generation erntet nämlich die Früchte der Arbeit ihrer Eltern.

Dies führt ganz nebenbei zu einer starken Verwirrung über den Wert der eigenen Arbeit.

Viele Leute denken nämlich nicht darüber nach, wie hart ihr Wohlstand in Wirklichkeit erarbeitet wurde.

Ich erinnere mich gut daran, dass es in den siebziger Jahren noch um die Frage ging, ob man sich jeden Tag Butter leisten kann, wenn die Raten fürs Häuschen bezahlt werden wollen.

Vergessen wir doch nicht, dass wir in der überwiegenden Mehrheit ein Volk von Kleinbürgern sind.

Wenn wir all das berücksichtigen, müssten wir im Grunde zutiefst schockiert darüber sein, dass jeder Bundesbürger Staatsschulden von 26 000 Euro auf der Kappe hat.

Eine vierköpfige Familie hat also über einhunderttausend Euro Staatsschulden zu tragen.

Das ist ja keine Phantasie, weil das Geld irgendwann bezahlt werden muss.

Ein Viertel von dem, was jemand in seinem Erwerbsleben voraussichtlich zusammenkratzen kann, geht also schon mit der Geburt zum Teufel.

Wenn das Geld nicht zurückbezahlt wird, wächst der Schuldenberg dieses armen Menschenkindes bis zur Rente, allein durch Zinszahlungen auf die besagten einhunderttausend Euro an.

Die finanzielle Lebensleistung dieses verschuldeten Kindes ist also schon mit der Geburt voraussichtlich im Eimer.

Vor diesem Hintergrund ist es mir überhaupt nicht verständlich mit welchem Eifer viele Menschen die Inflation anfeuern, indem sie überteuerte Wertanlagen kaufen.

Damit beschleungigen sie den Prozess der Entwertung ihrer Arbeitsleistung.

Sie drehen ja die Preisspirale nach oben.

Ein solches Verhalten spült mehr Steuern in die Staatskasse und ermutigt die Politiker noch mehr Schulden zu machen, weil die sich entwickelnde Inflation die Staatsschulden ja sowieso immer kleiner werden lässt.

Die Menschen, die ihr Geld panisch investieren buddeln somit ihr eigenes finanzielles Grab.

Das Geld wird verschleudert und die Inflation, die daraus resultieren muss, verstärkt diesen Effekt sogar noch.

Es ist also wirklich nicht gut, wenn die Leute das Preisgefühl verlieren.

Dabei wäre es so einfach die Berliner Durschnittsmieten mit den rasant steigenden Preisen für Eigentumswohnungen abzugleichen.

Jeder selbsternannte Investor würde dann schnell erkennen, dass sich sein Investment nur lohnen kann, wenn die Mieten saftig steigen.

Dann müssten aber auch die Löhne saftig steigen, was seit Jahren nicht mehr der Fall ist.

Also werden die Mieten nicht steigen können, oder der Staat kassiert die Mietpreisbindung und muss dann  kräftig Wohngeld zahlen.

Damit steigen dann aber wieder die Staatsschulden, die ja auch zurückgezahlt werden müssen.

Einmal das Preisgefühl verloren kommt man kollektiv ziemlich schnell in Teufels Küche.

Das passiert vor allem dann, wenn man den  Preis der Dinge nicht mehr an die Arbeitsleistung koppelt, die  man für gewöhnlich dafür aufbringen muss.

Wer das vergisst, handelt als Kapitalist mit spekulativer Mentalität.

Wenn das viele Leute vergessen, dann wird die empfindliche Balance zwischen Kapital und Arbeit in Richtung Kapital verschoben und es kommt zwangsläufig zu einer fortschreitenden Verarmung der Menschen, die lediglich von ihrer eigenen Arbeit  leben müssen.

Von der eigenen Arbeit und nicht von der Anderer oder ihrer Eltern oder von sonstwem.

Solche Beispiel haben wir schon zuhauf in Europa.

Das schlimmste Beispiel ist für mich die Ukraine, wo die Investitionen mit viel spekulativer Phantasie den Immobilienmarkt noch oben gerissen haben und die Banken mit äußerster Skrupellosigkeit Dollarkredite unters Volk gebracht haben.

Im Ergebnis muss der durchschnittliche Ukrainer rund 110 Prozent seines Arbeitslohnes für die Miete aufwenden.

Da dies nicht möglich ist, teilen sich in der Regel zwei bis fünf Ukrainer eine Einzimmerwohnung.

Junge Familien leben von dem Geld, dass ihre Eltern im heimischen Gemüsegarten erwirtschaften und alte Ukrainer ohne eigenen Gemüsegarten sind dem Hungertod geweiht.

Man sollte so eine Realität nicht einfach abweisen.

Vielleicht kommt es bei uns nicht so weit, aber es geht in die gleiche Richtung.

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 18. Juli 2011 um 16:31 Uhr  

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