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Gute Ausbildung, gute Übernahme, gutes Leben!

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Wenn wir uns, als IG BCE-Jugend, für die unbefristete Übernahme unserer Auslerner einsetzen, dann tun wir das nicht nur als Absicherung gegen den demografischen Wandel in den Betrieben.

Natürlich ist es wichtig, den drohenden Know how-Verlust, den älter werdende Belegschaften mit sich bringen können, abzufedern – doch die Dimensionen der Übernahmefrage sind für die Gesellschaft vielfältiger und auch dramatischer.

Wenn junge Facharbeiter nach Ende ihrer Berufsausbildung nur befristet, in Leiharbeit oder zu Niedriglöhnen übernommen werden verlieren sie die Möglichkeit ihre eigene Zukunft zu planen.

Sie bemerken, dass das Leistungsversprechen als zentrales Element unserer sozialen Marktwirtschaft (Wer gute Leistungen bringt, wird auch am Erfolg beteiligt!) nicht mehr für alle Gültigkeit hat.

Das ist nicht nur frustrierend, sondern auch von gesellschaftspolitischer Brisanz.

Wer das Gefühl hat, dass auch Höchstleistungen nicht angemessen honoriert werden, wird zwangsläufig das Vertrauen in das dahinterstehende System verlieren.

Es kommt nicht von ungefähr, dass immer weniger Menschen der Meinung sind, dass die soziale Marktwirtschaft noch gut funktioniert.

Und wer kein Vertrauen in das System hat, wird auch kein Vertrauen in die Akteure, die im System agieren, entwickeln. Sinkende Wahlbeteiligung und sinkende Mitgliederzahlen in den Parteien sprechen eine warnende Sprache.

Wer mit dem Eindruck aufwächst und in den Beruf startet, dass es den „Entscheidern“ in unserer Gesellschaft weniger um die Lösung der Probleme der Menschen, sondern mehr um ihren individuellen Machterhalt geht, verliert auf Dauer auch die Überzeugung, dass politische Rahmenbedingungen veränderbar sind.

Eine Tendenz, mit der sich die IG BCE-Jugend nicht abfinden will und unsere Gesellschaft nicht abfinden darf!

Wir sind fest davon überzeugt, dass gute Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für alle Alters- und Beschäftigtengruppen realisierbar sind.

Deshalb wollen wir innerhalb und außerhalb der Betriebe für deren Umsetzung argumentieren, streiten und kämpfen!

Junge Beschäftigte sind – das wissen wir aus zahlreichen Befragungen, Studien und durch Gesprächen mit den Azubis und den Jungprofis innerhalb unserer Betriebe - überdurchschnittlich häufig von prekären Arbeitsbedingungen betroffen.

Sie arbeiten öfter als alle anderen Altersgruppen in Leiharbeit, in befristeten Arbeitsverhältnissen oder zu Niedriglöhnen.

Die Arbeitslosenquote der 15 bis 24jährigen liegt in Deutschland bei über 10 Prozent.

Etwa 1,5 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahre haben keinen Berufsabschluss.

Die Hälfte aller Neueinstellungen in den Betrieben erfolgt aktuell nur befristet – und all das passiert, obwohl wir bereits seit Jahren wissen, dass älter werdende Belegschaften ein existenzielles Problem für den Wirtschaftsstandort Deutschland werden.

Bereits heute sprechen Politik und Wirtschaft von einem Fachkräftemangel, der unserer Meinung nach selbstverschuldet ist – aber darüber sprechen Politik und Wirtschaft lieber nicht.

Was nach großen Überschriften aus der Tagesschau klingt ergibt, auf den einzelnen Auslerner betrachtet, ein klareres Bild:

Für viele Auszubildende wird das Ende der Ausbildung zur Hängepartie.

Mehr als ein Drittel stehen nach der Abschlussprüfung auf der Straße.

Viele finden nur Jobs in Leiharbeit, Teilzeit oder werden im so genannten Niedriglohnsektor schlecht bezahlt und in berufsfremden Bereichen eingesetzt.

Auch im Organisationsbereich der IG BCE übernehmen nur knapp 30% der Betriebe ihre Auslerner in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

Diese Zahl ist hochgradig überraschend: hören wir doch seit Jahren, wenn wir zusätzliche Ausbildungsplatzangebote einfordern, dass die Betriebe aus Kostengründen nur noch bedarfsorientiert ausbilden – also nur noch die Anzahl an Azubis einstellen, für die sie am Ende auch wirklich Arbeitsplätze haben.

Das passt nicht zu nur befristeter oder gar keiner Übernahme am Ende der Ausbildung.

Und das passt auch nicht zu einem anderen Grundsatz, der für die IG BCE-Jugend über lange Jahre fest gesetzt war. „Ausbildung geht vor Übernahme“ – haben wir aus guten Gründen sehr lange vertreten.

In Zeiten, in denen (angeblich) nur noch für den Eigenbedarf ausgebildet wird, verliert dieser Grundsatz an Allgemeingültigkeit.

Er muss nun heißen: Überbedarfsausbildung geht vor Übernahme!

Für die betrieblichen Mitbestimmer (Jugend- und Auszubildendenvertretungen und Betriebsräte) ist es deshalb zwingend notwendig, dass sie wissen, ob in ihrem Betrieb über Bedarf oder bedarfsorientiert ausgebildet wird.

Nur auf Basis dieser Information kann wirkungsvoll über die Anzahl der anzubietenden Ausbildungsplätze und über mögliche Betriebsvereinbarungen zum Thema „Übernahme nach der Berufsausbildung“ verhandelt werden.

Und auch der Gesetzgeber kann und muss Regelungen schaffen die zum Ziel haben, möglichst viele junge Menschen in eine berufliche Erstausbildung zu bringen.

Die IG BCE-Jugend fordert die Bundesregierung daher auf, Ausbildungsbetriebe mit einer Ausbildungsquote von mehr als 4% mit einem Ausbildungsbonus in Höhe von 5.000 Euro pro Ausbildungsplatz, der über der 4% Quote liegt, zu unterstützen.

Das würde die „erste Schwelle“ – also den Übergang von Schule in den Beruf – entschärfen.

Wichtig ist auch, dass JAVen und Betriebsräte von Anfang an darauf achten, dass die Azubis darüber informiert werden, ob sie eine Übernahmechance haben – oder eben nicht.

Selbst schlechte Botschaften können Planungssicherheit bringen – und das, was Azubis am meisten fehlt, ist diese Planungssicherheit.

Vor allem dann, wenn sie am Ende ihrer Ausbildung in Leiharbeit übernommen werden.

Diese Entwicklung erschwert jungen Beschäftigten einen sicheren und geregelten Einstieg ins Berufsleben, denn sie sind in viel stärkerem Ausmaß als andere Beschäftigtengruppen von konjunkturellen Schwankungen abhängig.

Wenn im Zuge zurückgehender Auftragseingänge in den Betrieben Personal abgebaut wird, betrifft das zuallererst die Leiharbeiter, die durch meistens deutlich schlechtere Bezahlung und Arbeitsbedingungen ohnehin schon benachteiligt sind. Geringere Entgelte in der Leiharbeitsbranche sind auch für die deutsche Sozialversicherung problematisch.

Auf der einen Seite fehlen der Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung wichtige Einnahmen und auf der anderen Seite erwerben die Leiharbeiter v.a. im Rentenbereich deutlich niedrigere Ansprüche an die Höhe zu erwartender Rentenzahlungen.

Es kann nicht der richtige Weg sein, einen Auslerner nicht im Unternehmen zu übernehmen, ihn aber in der, meistens firmeninternen, Leiharbeitsfirma anzustellen und ihn dann für weniger Geld in seinem alten Ausbildungsbereich wieder einzusetzen.

Das hat nicht nur finanzielle Auswirkungen, sondern wirkt sich direkt auf das Selbstwertgefühl junger Menschen am Anfang ihres Berufslebens aus.

Der Umfang des Leiharbeitereinsatzes in einem Unternehmen ist ein wichtiges Handlungsfeld für betriebliche Mitbestimmung.

Durch Betriebsvereinbarungen können JAV und BR regelnd eingreifen.

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ muss Grundsatz auch im tarifpolitischen Geschäft sein.

Der Gesetzgeber muss die Attraktivität von Leiharbeit (aus Sicht der Unternehmen) deutlich verschlechtern.

Wir brauchen von der Bundesregierung Rahmenbedingungen zum Wohle junger Beschäftigter.

Die „Rente mit 67“ passt gut unter diese Forderung.

Denn ihre Umsetzung (ab 2012 sollen alle Jahrgänge jedes Jahr einen Monat länger arbeiten, bis im Jahr 2031 der Renteneintritt nicht mehr bei 65, sondern bei 67 Jahren liegt) hat unmittelbare Auswirkungen auf Übernahmeperspektiven junger Facharbeiter.

Wenn „ältere“ Kolleginnen und Kollegen zwei Jahre länger arbeiten müssen, bevor sie in ihren wohlverdienten Ruhestand eintreten zu können, blockiert das Arbeitsplätze, die für die Übernahme von Jungprofis gebraucht würden.

Die Betriebsparteien müssen deshalb kluge Lösungen entwickeln, wie man auf der einen Seite ältere Beschäftigte gesund genug erhält, um den Anforderungen ihres Arbeitsplatzes entsprechen zu können und auf der anderen Seite einen Wissenstransfer zwischen den Generationen innerhalb eines Betriebs organisiert.

Denn mit dem Ausscheiden der langjährigen Mitarbeiter gehen auch Know how, Erfahrungswissen und Betriebskenntnisse verloren, die man nicht mal eben einfach aufschreiben und somit weitergeben kann.

Hier sind intelligente Arbeitszeitmodelle gefragt, die Job-Sharing und generationenübergreifendes Arbeiten an Projekten möglich und attraktiv machen.

Das würde den Bedürfnissen der unterschiedlichen Altersgruppen innerhalb der Betriebe gerecht werden und es würde auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht viel Sinn ergeben.

Keine Personalabteilung kann ein Interesse daran haben, dass auch nur Bruchteile von Wissen um den Ablauf betrieblicher Prozesse verloren gehen.

Denn eine Neuaneignung kostet Zeit, Geld und Ressourcen, die in einer auf kurzfristige Gewinnmitnahmen optimierten Zeit Mangelware sind.

Das wissen alle Unternehmen, die mit hohem Aufwand und in hoher Qualität berufliche Erstausbildung betreiben.

Sie investieren in Ausbildungspersonal, Lehrwerkstätten, Zusatzangebote (Prüfungsvorbereitung, Nachhilfe) und in gute Ausbildungsvergütungen.

Welch eine Fehlinvestition, wenn man die Azubis am Ende ihrer Ausbildung nicht auch in unbefristete Beschäftigung übernimmt, die unter die Überschrift „Gute Arbeit“ passt, und sie somit langfristig und dauerhaft an das eigene Unternehmen bindet.

Aus Kostensicht ist es hochgradig verantwortungslos, die Auslerner auf den Arbeitsmarkt zu entlassen und gleichzeitig viel Geld für die Rekrutierung neuer, externer Arbeitskräfte auszugeben, die Monate brauchen werden, um sich im Unternehmen und in den Abläufen zurechtzufinden und mit den Produkten und dem (neuen) Betrieb zu identifizieren.

Würde man die eigenen Auslerner übernehmen, könnte man sich einen großen Teil dieser „Einarbeitungsinvestitionen“ sparen und auf der nächsten Bilanzpressekonferenz vermutlich noch bessere Zahlen präsentieren.

Als Fazit, kann und muß mann festhalten.

Die zunehmend prekärer werdenden Arbeitsbedingungen von jungen Menschen enthalten einen klaren gewerkschaftlichen Gestaltungsauftrag!

Vor dieser Aufgabe duckt sich die IG BCE-Jugend nicht weg!

Wir wollen gemeinsam mit Jugend- und Auszubildendenvertretern, Betriebsräten, Aufsichtsräten, mit der „großen Politik“ und mit DIR für bessere Perspektiven nach der Ausbildung kämpfen!

Unter der Überschrift „Unser Einsatz für deine Übernahme“ fordern wir:

- Unbefristete Übernahme für alle
- Sichere und planbare Verhältnisse nach der Berufsausbildung
- „Gute Arbeit“ für alle Beschäftigten
- Gleicher Lohn für gleiche Arbeit (v.a. im Bereich der Leiharbeit und zwischen den Geschlechtern)
- Intelligente Gestaltung des Wissenstranfers zwischen Generationen in einem Betrieb
- Karrierechancen für junge Beschäftigte

Es gibt keinen „Generationenkonflikt“.

Nicht innerhalb und nicht außerhalb der Betriebe.

Aber es gibt eine ungerechte Chancenverteilung zwischen den Generationen.

Das müssen wir verändern, damit Planbarkeit und stabile Perspektiven für junge Menschen nicht zur Ausnahme werden.

Link: IGBCE-Jugend

Katy Hübner, IGBCE Jugendsekräterin

 

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