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Griechenland und kein Ende!

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Die griechische Tragödie hieß übersetzt ursprünglich Bockgesang. Damit waren Opferrituale gemeint, die von Chorgesängen begleitet waren.

Später hatten die Chorgesänge vor allem die Aufgabe, die moralische Läuterung der Zuschauer zu unterstützen.

Das Ziel jeder Tragödie war diese so genannte Läuterung, auch Katharsis genannt.

Dabei waren die Stilmittel und der Ablauf der Stücke immer durch die gleichen Prämissen bestimmt.

Bestimmt durch die Götter gerieten die Akteure in eine ausweglose Situation, die sich zuspitzte und aus der es kein Entrinnen gab.

In der heutigen Tragödie wirkt der griechische Chor etwas radikalisiert und geht mit Gesängen, aber auch mit Steinen und Molotow-Cocktails gegen das unausweichliche Schicksal vor.

Die Zuschauer müssen sich in Sicherheit bringen, denn es handelt sich nicht mehr um die klassische Spielform, sondern um gesamteuropäisches Aktionstheater!

Dennoch sollten wir uns dieses tragische Stück in allen Details genau anschauen, weil es unsere erste und vielleicht auch letzte Chance zur Läuterung darstellt.

Die Griechen spielen nämlich nur vor, was wir in Bälde gesamteuropäisch und vielleicht auch global zu erwarten haben.

Der erste Akt dieser Tragödie war die globale Deregulierung, die ihren Ausgang in den neunziger Jahren nahm.

Hier haben Staaten, allen voran Deutschland, ihr öffentliches Eigentum verscherbelt und damit einen privaten Reichtum geschaffen, der unglaubliche Finanzmittel auf die internationalen Märkte spülte.

Ganz ähnlich übrigens wie in den Privatisierungswellen nach Zusammenbruch des Kommunismus in Deutschland, Osteuropa und Russland.

Geld, das bedient werden wollte und unseren so genannten Finanzmarkt-Kapitalismus erst richtig angeheizt hat.

Das Geld und nicht die Produktivität wurden zum Motor der Finanzmärkte, die sich immer neue Instrumenten ausdachten, um eine Parallelwirtschaft des Geld-Verschiebens aufzubauen.

Produktivitätssteigerungen verbargen sich dahinter nicht, eher die reine Profitgier.

Der zweite Akt war die Globalisierung unter den Bedingungen eines Hyperwettbewerbes.

Immer größere Konzerne entstanden und teilten sich die Marktmacht mit äußerst zweifelhaften Mitteln auf.

Nicht mehr die Qualität der Produkte entschied über das Wohl und Wehe von Konzernen, sondern vor allem ihre pure Größe.

BMW macht seine Gewinne schon seit den Neunzigern am Finanzmarkt und nicht mit Autos.

Es ging ebenfalls in den neunziger Jahren ein run auf lukrative Unternehmen los.

So manche gute Marke wurde zur Cash-Cow der Global Player.

Sie wurden ausgesogen und einverleibt ohne dass der Konzern irgendetwas Produktives zur jeweiligen Volkswirtschaft beigetragen hätte.

Reiner Raubtier-Kapitalismus.

Aus dem Gedanken des Mehrwertes durch produzierte Güter wurde der Gedanke des kurzfristigen Profits durch die Spekulanten.

Der Begriff hieß: Return on Investment oder Shareholder Value, was beides nur kurzfristige Geldausschüttungen ohne langfristige Investitionsstrategien beinhaltete.

Der dritte Akt war die systematische Ausräuberung der arbeitenden Bevölkerung mit der so genannten Deregulierung des Arbeitsmarktes und dem systematischen Abbau von Arbeitnehmerrechten.

Die Reallohnverluste seit 2000 betragen etwa 4%, während die Profite der Unternehmen seit 2000 um real 35% gestiegen sind.

Die Realvermögen sind dabei allein in Deutschland auf 5 Billionen Euro gestiegen, wobei zugleich eine gewaltige Vermögensumverteilung stattgefunden hat, von unten nach oben.

Eine weitere Methode für die Umverteilung war die Einführung der Abgeltungssteuer und die gleichzeitige Abschaffung der Einkommenssteuer auf Vermögen, die dazu geführt hat, dass fortan die kleinen Sparer ihre Zinsen versteuern mussten, damit die großen Kapitaleigner pauschal mit 25% Steuersatz davon kommen konnten.

Die Absenkung des Spitzensteuersatzes und die Abschaffung der Vermögenssteuer wirkten mit dem gleichen Vektor von unten nach oben.

Das alles dreht die Spirale erneut in Richtung eines Geldüberangebotes auf den Finanzmärkten.

Es handelte sich vor allem um das Geld der Reichen, die noch reicher werden wollten und es auch wurden.

Die Volatilität an den Finanzmärkten nahm dabei dramatisch zu.

Der vierte Akt war die Abschöpfung der geräuberten Milliarden auf den Finanzmärkten durch wiederkehrende Börsencrashs.

Längst waren die Finanzmarktinstrumente im Umlauf, die wie ein Schneeballsystem darauf basierten, dass die kleinen Leute zuletzt auf die Börsentrends aufstiegen und dabei ihr Geld verloren, wenn die Großen sich abrupt aus den Luftinvestitionen zurückzogen.

Alle diese Schneeballsysteme wurden mit einem großen medialen Aufwand unterstützt.

Gleichzeitig wurden die Staaten, die vor allem aus Einkommen durch Arbeit Steuern bezogen immer höher versschuldet und wurden von den kapitalistischen Monopolen regelmäßig über den Tisch gezogen.

Der größte Coup war dabei die Weltfinanzkrise, in der es dem Finanzmarkt gelang, die Staaten in Haftung zu nehmen und die vielen Kleinsparer als Geiseln, die bei einer fehlenden Bankenrettung hätten dran glauben müssen.

Dieser Coup hat einige der europäischen Staaten und die Vereinigten Staaten an den Rand des Ruins getrieben.

Die Fluche der Politiker verstummten aber erstaunlich schnell und die Deutsche Bank ging beispielhaft als Siegerin aus diesem kriminellen Spiel hervor.

Sie genehmigte sich gleich darauf die Postbank, um für die nächste Runde wieder genug Geiseln zu haben.

Im fünften Akt, der gerade gespielt wird, kämpfen Staaten ums nackte Überleben.

Griechenland ist nur einer davon, wenn auch der Auffälligste.

Das Ausweglose an dieser Situation ist, dass Staaten zu Grunde gehen und die Banken sich so tief in das Herz der Volkswirtschaften hineingefressen haben, dass ihr Verfall zu einem augenblicklichen Kollaps aller Beteiligten führen muss.

Die gesamte Refinanzierung von Staaten hängt an den Banken und im Zweifelsfall sind die kleinen Sparer auch noch als Geiseln zu gebrauchen, die mit der Deutschen Bank beispielhaft untergehen würden.

Deshalb kann es für Griechenland keine effektive Hilfe geben, weil die Banken, als Vertreter des privaten Finanzsektors den Daumen drauf haben und von ihren Forderungen nicht zurücktreten.

In einer Welt, in der sich die meisten Staaten inzwischen privat Refinanzieren müssen, eine klare Erpressungsmacht einiger Bosse des Finanzmarktes.

Wir haben es also nicht nur mit einer finanzmarktgetriebenen Wirtschaft sondern auch mit finanzmarktabhängigen Staaten zu tun.

Die Ohnmacht und die Verzweiflung, die dieser Umstand bei der griechischen Bevölkerung erzeugt, kann uns auch sehr bald erfassen!

Der Finanzmarkt ist zu einem monströsen Gott geworden, der die Menschen in eine ausweglose Lage schickt.

Die griechische Tragödie wird auch die unsere werden, wenn wir nicht entschlossen dagegen einschreiten!

Gerade wir Deutschen haben das gefährlichste Finanzinstitut der Welt auf unserem Boden und wir können es uns nicht leisten, die Deutsche Bank als Diktator unserer Politik gewähren zu lassen.

Die deutsche Jasmin-Revolution muss in Frankfurt stattfinden.

Wenn es uns nicht gelingt, die Macht dieser Bankentürme einzureißen, werden wir in Kürze mit einer Inflation konfrontiert sein, welche die meisten kleinen Sparer seit dem Börsencrash 2000 zum zweiten Mal enteignet.

Dies bei sinkenden Realeinkommen. Griechenland ist wirklich nicht weit.

Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem die Deutsche Bank als Kopf des deutschen Spekulationssektors Verluste realisieren muss, damit die Griechen überleben können.

Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem die anderen europäischen Finanzmonster auf deutschen Druck hin ebenfalls Verluste realisieren müssen.

Es ist auf keinen Fall der Zeitpunkt, an dem Steuerzahler fortgesetzt die Rendite der Banken bedienen und damit eine Inflation los treten, die ihren kleinen Ersparnissen eine Kernschmelze verpassen wird.

Es ist außerdem der Zeitpunkt für eine Bankenregulierung, die vor allem zum Zerschlagen zu großer Finanzmonopole führen muss.

Wir Deutschen müssen damit anfangen, damit die griechische Tragödie nicht nutzlos mit dem Untergang endet.

An alle Staaten, die denken, dass sie sich dieser Notwendigkeit entziehen können und vielleicht die lachenden Dritten sein werden, die dann die größte Macht am internationalen Finanzmarkt haben.

Denkt an Irland und England!

Die Armut steigt, die Staatsdefizite auch und zuletzt graben die Finanzinstitute noch den wenigen funktionierenden Wirtschaftszweigen des Produktionssektors das Wasser ab.

England und Irland haben auf den Finanzmarkt gesetzt und sind jetzt wieder auf dem Weg, die armen Männer Europas zu werden.

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 20. Juni 2011 um 04:05 Uhr  

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