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Start Archiv 2009 Böse böse Ausländer

Böse böse Ausländer

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Heute um 10 Uhr höre ich neben mir folgendes:  „Hoffentlich darf die Türkei nicht der EU beitreten, sonst gibt’s noch mehr von denen bei uns!“

Mir kommt mein, vor einer halben Stunde mühsam und sorgfältig verdautes Mahl die Speiseröhre hochgekrochen.

Warum regst du dich so auf, frage ich mich. Schließlich haben sie ihre Gründe und solche Sprüche sind ja auch alltäglich. Trotzdem. Ich muss mich Tag für Tag über die fehlende Reife der zweibeinigen Lebewesen unserer blauen Kugel wundern.

Es ist zum Weinen.

„Also wenn sich die Ausländer hier einen lauen Lenz erlauben und dann auch noch bei uns straffällig werden, dann gehören die gleich abgeschoben!“ Ist es die Wirtschaftskrise, die das Problem verschärft? Brauchen wir noch einmal einen Sündenbock?

Die Juden waren es lange genug, es sollte durchgetauscht werden. Nehmen wir uns doch einfach einmal einen typischen Ausländer:

Der typische Ausländer kann kein Deutsch und beherrscht vorzugsweise Schimpfwörter. Der typische Ausländer kommt ins Land, um uns Arbeitsplätze wegzunehmen. Der typische Ausländer arbeitet solange im Land, bis er genug Geld hat und geht dann mit unserem guten deutschen Geld zurück in sein Land.

Der typische Ausländer ist gewaltbereiter und um vielfaches häufiger in Gefängnissen anzutreffen. Er ist kriminell veranlagt. Der typische Ausländer genießt überdurchschnittliche Mengen an Drogen. Der typische Ausländer kommt nach Deutschland, um unser Gesundheitssystem auszunutzen, da es so etwas in seinem Land nicht gibt.

Der typische Ausländer ist, wenn er irgendwo aus dem Osten oder Südosten kommt, extremistisch eingestellt. Der typische Ausländer will unsere wertvolle Christengemeinde mit islamistischen Ideen unterwandern und eine Islamisierung Deutschlands bewirken.

Nun, wenn wir uns diese ganzen Eigenschaften eines Ausländers ansehen, dann fällt auf, dass der steigende Hass auf Ausländer doch sehr gerechtfertigt ist, oder etwa doch nicht?

Ausländer besitzen immer noch nicht die gleichen Bildungschancen wie Deutsche (was leider auch immer noch mit dem Wohlstand einer Familie zu tun hat), auch wenn sich das gebessert hat. Wer gleichzeitig von einer Trennung ausländischer und deutscher Kinder in Schulen spricht, oder ein schärferes Asylrecht fordert und auf der anderen Seite bejammert, dass sich Ausländer nicht in unsere Gesellschaft eingliedern wollen, der muss sich über Letzteres nicht wundern. Wer fühlt sich in solch einer Gesellschaft wohl?

Noch immer müssen Andersgläubige jahrelang dafür kämpfen, dass ihnen eine Moschee oder ein anderes nichtchristliches Gebetshaus gebaut wird.

Mit immensem Gegendruck.

An der Stelle sollte man sich fragen, ob unsere Gesellschaft in Zeiten der Globalisierung darauf beharren sollte, sich als christliche Gemeinschaft zu verstehen und somit das Problem des Streits um die „wahre Religion“ beizubehalten.

Die Türken beispielsweise würden den Bau von Kirchen in ihrem Land auch nicht erlauben, kritisieren viele. Dieses Argument kann man aber doch nicht zählen lassen. Wollen wir uns an Systemen vergleichen, die noch nicht die Kurve gekriegt haben und Menschenrechtsverletzungen begehen?

Oder wollen wir einen so oft propagierten offenen Freiheitsstaat, der Ideale vorlebt und wohltätig ist. Mehr als die Hälfte der Türken, die in Deutschland leben, fühlen sich hier unerwünscht.

Thema Wohltätigkeit:

Wohltätigkeit war schon immer ein Problem, da sie sich ausnutzen lässt. Das jedoch ist ein eigenes Problem, das die Eigenschaft des Menschen darstellt. Würde ich am Hungertuch nagen, womöglich noch politisch verfolgt werden, dann würde ich auch lieber Hilfe in einem solch wohltätigen Staat suchen. Dass Heimaterde wichtig ist, kann jeder bestätigen.

Man sollte deshalb auch niemandem verübeln, wenn er seine Heimat wieder aufsucht.

Es gibt sie, diejenigen, die das Wohltätigkeitssystem benutzen und plündern. Sie sind sichtbar. Die restliche Mehrheit ist nicht sichtbar.

Sollen wir die Mehrheit „Unschuldige“ für die Minderheit „Ausnutzer“ mitbestrafen?

Der Philosoph Schopenhauer erkannte die drei grundsätzlichen Triebfedern menschlichen Handelns:

Egoismus, Bosheit, Mitleid. Natürlich sollten wir uns letzteres vornehmen. Handeln wir nun gegen die „guten Ausländer“ und „nicht so guten Ausländer“ (an der Stelle will ich anmerken, dass Ausländer weder schlecht noch böse sein können; dieser physische Zustand kann nur allgemein Menschen zugeordnet werden, aber nicht in Verbindung mit Herkunft, Rasse, Religion, etc.), dann tun wir das entweder aus Bosheit oder Egoismus.

Unstimmigkeiten ergeben sich auch in der allgemein verbreiteten Ansicht, dass Ausländer krimineller sind, als Deutsche. Studien belegen das Gegenteil.

Hier lautet der Appell: Gefährliches Halbwissen und daraus resultierende Vorurteile sollten vermieden werden.

Leichter gesagt, als getan, doch sollte das ein Ziel zur Vorbeugung gegen die, leider immer stärker aufkommende, Ausländerfeindlichkeit sein.

Erschreckend ist, dass die Forderung nach einer erleichterten Abschiebung von Ausländern immer mehr Anklang ecfindet:

„Ein Vorstoß Bayerns mit dem Ziel, die Abschiebung ausländischer Krimineller zu erleichtern, scheiterte am 15. April 1999 im Bundesrat[...]“Zum Glück hat unser Grundgesetz noch nicht an Bedeutung verloren. Die Anzahl der Ausländer, die für Straftaten in Deutschland verantwortlich sind, beläuft sich auf ein Zehntel bis zu einem Drittel (Stand: 2005)Vielleicht ergibt sich die ganze Geschichte auch aus Angst der hier lebenden Menschen. Angst vor der neuen Gewalt, dem Terrorismus. Dass der Islam nicht die Wurzel dieses Übels ist, muss klar sein.

So, wie die Bibel oft falsch gedeutet wird, so werden auch die Suren des Koran falsch gedeutet.

Von uns, sowie auch den islamistischen Gruppen. Sicherlich liegt ein großer Teil der Verantwortung für falsche Deutungen der Verhältnisse am Agenda-Setting und den nicht weiter nachdenkenden Menschen. Natürlich werden friedliche Moslems nicht gezeigt, was sollte über sie auch zu berichten sein? Der einzelne Attentäter rückt in den Vordergrund und präsentiert für viele ein allgemein gültiges Bild vom extremistisch gesinnten Muslim.

Wir sollten unsere muslimischen Mitmenschen nicht unterstellen, sich mit solchen Gräueltaten mehr zu solidarisieren

Ach ja, noch was zum Thema Arbeitsplätze.

In Deutschland gibt es mehr als 75.000 türkische Unternehmen, die für die Beschäftigung von 330.000 Arbeitskräfte verantwortlich sind. Kann man da noch von Ausländern, die Arbeitsplätze wegnehmen, sprechen?

Noch eine ganze Reihe anderer Vorurteile lassen sich widerlegen. Eines lässt sich zusammenfassend feststellen. Erschreckend ist nicht nur, dass immer mehr Menschen nationalistisch denken, sondern auch, dass Gedankengut, das aus der rechtsextremistischen Ecke kommt, toleriert bzw. ignoriert wird. An der Stelle kommt der deutsche Michel ins Spiel. Aufruf:

Wir brauchen mehr Kosmopoliten!

 

 

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