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Wer war das?

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Ist ein Übel geschehen, so ist die erste Frage, die gestellt wird: wer war das?

Die Antwort ist  regelmäßig: ein  Bösewicht.

Teert ihn, federt ihn, stellt ihn an den Pranger, hängt ihn auf!

Volkes Stimme. Und danach, wenn der Bösewicht aus dem  Verkehr gezogen und gehörig bestraft wurde?

Was passiert dann? Nichts. Es läuft genau so übel weiter wir zuvor, nicht  selten sogar noch übler, denn an  Bösewichtern herrscht offenbar kein Mangel.

Wahrlich, wahrlich, ich sage Euch, die Bosheit des Menschen ist durchaus begrenzt.

Im Gegensatz zu seiner Dummheit.

Und die bleibt ungeschoren, wenn man den Übeltäter aus dem Verkehr zieht. Sie wirkt fröhlich weiter.

Dummheit ist fest verbunden mit Unwissenheit.

Gegen Unwissenheit hilft Wissen.

Was Wissen ist, hat bereits der alte Aristoteles festgestellt: Wissen ist Wissen aus den Gründen.

Gewöhnen wir uns also an, nach den Gründen zu fragen.

Nicht: wer war das, sondern, warum ist das passiert.

Wenn Einer darauf die Antwort gibt, aus purer Bosheit, so kommt uns das reichlich naiv vor: geh, das ist primitiv.

Menschlich-allzu-menschlich, aber doch Zeichen schlichten Denkens ist die Frage „Wer war das?“, die Frage nach dem Urheber.

Ebenso schlicht ist die regelmäßige Antwort, an die wir uns jedoch seit Jahrtausenden gewöhnt haben, nämlich entweder der Teufel oder der liebe Gott, die offenbar beide gerne in Menschenform auf der Erde herum laufen.

Mit dieser Antwort ist der Fall dann erledigt.

Weitere Überlegungen und Untersuchungen sind nicht erforderlich.

Doch ist damit auch keine Lösung der zugrunde liegenden Probleme möglich, denn wir kennen ja nicht die Gründe, warum etwas so geschehen ist, wie es geschehen ist.

Wenn wir aber die Gründe nicht kennen, können wir auch nichts Entscheidendes gegen das Übel, das über uns gekommen ist, tun.

Wenn wir ein Problem wirklich angehen wollen, dürfen wir nicht nach dem Urheber fragen, sondern wir müssen nach der Ursache fragen.

Die Ursache kann zwar schon mal ein Urheber sein, jedoch ist das vergleichsweise selten.

Die Frage nach der Ursache zu stellen heißt, die Frage nach dem System, nach den Verkettungen zu stellen, die notwendigerweise zu unserem Problem geführt haben.

Beziehen wir dies auf die gegenwärtige Wirtschaftskrise.

Die vielfach gehörten Schuldzuweisungen an die bösen, gierigen Finanzmanager sind eindeutig Antworten auf die Frage nach dem Urheber.

Doch nach dem Vorherigen sollten wir bezweifeln, dass diese Wirtschaftskrise dadurch lösbar ist, dass wir ihre Urheber, die bösen Finanzmanager, in die Haft strenger Finanzmarktregulierungen nehmen und sie zudem tüchtig Strafe zahlen lassen.

Bei all dem wird übersehen, dass die Finanzmanager – und dazu gehören auch die unserer Banken – selbst durch die Wirtschaftskrise gewaltige Verluste erlitten haben, die sie schon mal in den Ruin treiben können, und das ist gewiss nicht im Sinne eines planvoll zu Werke gehenden Bösewichts, sondern spricht eindeutig für die regelmäßige Ursache solcher Probleme: die menschliche Dummheit.

Toxische Papiere.

Das sind windige Anlagepapiere, bei denen wahrscheinlich noch nicht einmal ihre Schöpfer selbst durchschauten, was sie eigentlich sind und was als realer Wert dahinter steht, nämlich z.B. die Hoffnung darauf, dass die Preise für die Immobilien in den USA regelmäßig und unaufhörlich stets weiter steigen und sich folglich mit ihrem Verkauf, wenn er denn anstehen sollte, ein hübsches Geschäft machen lässt.

Doch welcher vernünftige Mensch legt sein Geld in solch undurchschaubaren, letztlich windigen Papieren an?

Hat der zu viel davon? Genau.Wenn zu viel Geld zur Verfügung steht, das, damit es kein totes Kapital sei, nach verzinslicher Anlage sucht und diese nicht in der Produktion, also im Kauf von Aktien oder Investitionen finden kann, dann besteht ein Bedarf nach anderen Geldanlagen, und weil dieser Bedarf besteht, werden sie auch geschaffen.

Es ist ein wirtschaftlicher Zwang.

Das Geld muss irgendwo hin.

Also geht es auch irgendwo hin.

Freilich wurden immer noch Aktien gekauft, wurde immer noch in die Produktion investiert.

Doch da stellt sich die Frage nach der Verzinsung.

Wer in eine neue Montageanlage investiert, tut das, weil er sich ausrechnet, dass er mit dem Verkauf der damit produzierten Güter gute Gewinne machen kann.

Aber folgt daraus, dass er diese Gewinne fünffach macht, wenn er in fünf Montageanlagen investiert?

Da kann er doch gar nichts mit anfangen, er braucht doch nur eine.

Was also macht er mit dem Geld, das für vier weitere Montageanlagen ausreicht? Das gleiche gilt für Aktien.

Die Basis des Aktienhandels ist ja nicht die Spekulation, also Aktien billig zu kaufen, darauf zu spekulieren, dass sie steigen und sie dann zu verkaufen, um den Gewinn zu kassieren, die Basis des Aktienhandels ist die Anlage.

Man kauft ein Stück Unternehmen und bekommt dafür anteilig den von diesem Unternehmen erwirtschaften Gewinn, die Dividende.

Doch auch hier ist die Anlagemöglichkeit sachlich begrenzt, denn wenn der erwirtschaftete Gewinn durch zu viele Anleger geteilt wird, dann lohnt die Sache nicht mehr.

Dann macht man gar Verlust, weil man die Aktie teurer kauft, als sie wert ist.

Bezeichnend ist, dass das – man möchte sagen, aus der Krise übrig gebliebene – Kapital immer noch verzweifelt nach Anlagemöglichkeiten sucht. Rohstoffe? Gold?

All diese Möglichkeiten sind begrenzt, denn wer das haben wollte, der hat es schon und gibt es angesichts der Krise nicht her.

Also bleiben letztlich wieder Aktien übrig – und damit macht bereits das Wort von der Aktieninflation die Runde.

Von möglichen gewaltigen Kurssprüngen aufgrund der Tatsache, dass eine Aktie immer noch einen Sachwert repräsentiert, bei dem man also angesichts der weiterhin bestehenden allgemeinen Inflationsgefahr immer noch was übrig behält, selbst dann, wenn man diese Sachwerte zu weit überhöhten Preisen kauft.

Es besteht also die Möglichkeit, dass reichlich Geld in die Volkswirtschaft zurück fließt, der es entnommen wurde und sich die Kreditklemme etlicher Unternehmen damit löst.

Mit dem Geld könnten die Unternehmen dann wunderbar in neue Anlagen zur Steigerung der Produktion investieren – die Sache hat nur einen Haken: wer nimmt ihnen die Produkte ab?

Anders gefragt: diese Mengen an Kapital, das der Volkswirtschaft entnommen wurde und nun verzweifelt nach Anlagemöglichkeiten sucht: wo fehlt es?

Und wie kommt es dahin, wo es fehlt, wenn man die bösen Finanzmanager in strenge Finanzmarktregulierungshaft nimmt?

 

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