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Revolutionen und demokratischen Bewegungen

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Hegel bemerkte irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen.

Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce." Karl Marx.

"So maskierte Luther sich als Apostel Paulus, die Revolution von 1789-1814 drapierte sich abwechselnd als römische Republik und als römisches Kaisertum und die Revolution von 1848 wußte nichts besseres zu tun, als hier 1789, dort die revolutionäre Überlieferung von 1789-1795 zu parodieren".

Karl Marx Die autoritären Herrscher haben es schwer im Islam.

Vom Iran über Algerien, Tunesien, Ägypten, Libyen, Bahrein, Marroko etc. wird das Volk aktiv und verständigt sich über die sozialen Netzwerke untereinander, organisiert den Ungehorsam, die Revolte und die Revolution gegen die Herrschenden.

Ghadaffi drapierte sich in seinen Auftritten in verschiedenen Kostümen, die seine Größe als Militär oder Saharakämpfer herausstreichen sollen.

Ghadaffi hatte lange Zeit sich auf dem schmalen Grad des Terrorismus bewegt, umgeben von einer amazonenmäßigen Leibgarde, als wolle er sich den Anschein von Frauenemanzipation geben.

Jetzt lenkt er sein aggressives Verhalten auch gegen sein eigenes Volk und hat keine Skrupel es zu bombadieren oder durch söldner erschießen zu lassen.

Die Menschen machen ihre Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unmittelbar vorgefunden, gegebenen und überlieferten Umständen.

Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden.

Und wenn sie eben damit beschäftigt scheinen, sich und Dinge unzuwälzen, noch nicht Dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise beschwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihren Namen, Schlachtparole, Kostüm, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neue Weltgeschichtsscene aufzuführen.

Nur in Tunesien kann man wohl von dem Beginn einer Emanzipation der Frau sprechen.

Die Berührung zur westlichen Demokratie ist in Libyen weitgehend durch weniger Kontakt mit dem Westen gekennzeichnet als in Tunesien und Ägypten, wo Scharen von Touristen seit Jahren das Land bevölkern und die Einheimischen nur den Futterneid beim Anblick ihrer Mahlzeiten entwickeln.

Schließlich blieben für sie einige Jobs übrig, ein paar alte hinterlassene Schuhe und ein paar Euro durch den Sextourismus.

Jahrelang flanierte in ihren Ländern eine proletarische oder Mittelschichtsbevölkerung aus Europa, die bei ähnlicher Arbeit, aber das mehrfache verdiente, abgesehen von den vielen Arbeitslosen in diesen Ländern.

Über die Satelittenschüsseln hatte die einheimische Bevölkerung einen Einblick in das bessere und demokratische Leben anderer Länder.

Außerdem gibt es die Migrationsarbeiter, die das Leben in Europa und Amerika kannten.

Und auch die Intellektuellen, die das abendländische Wissen gelernt hatten.

Unter ihnen die ersten, die das abendländische Wissen ergriffen haben und dies anfangen mit der Tradition des Islam zu verbinden, um eines Tages die Lücke zwischen dem Zeitalter der Aufklärung und der Neuzeit zu schließen, d.h. das Vakkuum eines Zeitalters der Aufklärung im Islam zu füllen.

Die griechische Antike hatte der Islam bereits u.a. in der Philosophie von Avicenna (Ibn Sina) und Averroes (Ibn Rushed) in der islamischen Blütezeit ergriffen und aufgehoben.

Erst über die islamischen und jüdischen Philosophen kam die antike Philosophie, Medizin nach Europa.

Doch dann fehlt die Aufklärung, die weitere Auseinandersetzung mit dem Absoluten (Gott, Allah , das Licht etc.), die Kritik und Aufhebung der Religion etc..

Die Religionskritik ist wiederum bei den Eliten durch den Marxismus angekommen, ebenso eine materialistische Auseinandersetzung von Bloch mit Avicenna und Averroes, die im arabischen Raum existiert. (Vgl.: E. Bloch, Avicenna und die aristotelische Linke)

Deshalb kann man kann hoffen, dass der demokratische Schwung sich durchsetzt und es nicht zu einer Art Konterrevolution durch die Fundamentalisten kommt.

Während Teile der Intelligenz die westliche Deckungsart und abendländische Aufklärung kennen, hat der Islam und das Volk dies bisher theoretisch nicht mitmachen können.

Die Frage bleibt, ob sie eine Epoche etwa zwischen dem 30 jährigen Krieg und der französischen Revolution bis zu den bolschewistischen Revolutionen und dem Fall der Mauer quasi in einem Atemzug nachvollziehen müssen oder können und eben sinnlich praktisch ergreifen und theoretisch-praktisch umsetzen können.

Dies soll nur als Orientierungshilfe dienen, nicht als eurozentristische Betrachtung.

Das klassische Revolutionsschema von Marx für die proletarischen Revolutionen stimmte ja schon nicht mehr für Russland und China.

Sie haben schließlich den Sprung ins Industriezeitalter als Dikatur unter Millionen von Opfern geschafft.

Den Sprung in die sozialistische Demokratie könnte nur China mit seiner mixed economy machen.

Aber auch im Islam gibt es dieses Kollektiveigentum beim Militär in der Türkei, in Ägypten und bei den revolutionären Garden im Iran, ebenso im Judentum in Israel die Kibbutze, einst Stütze des neuen Staates, aber heute mehr so im Maße treibende gesellschaftliche Kraft.

Auch Israel ist schließlich neben der Türkei eine der wenigen funktionierenden Demokratien im Orient, aber sicherlich weniger Vorbild für die arabischen Staaten.

Kollektives Eigentum an Stadttwerken oder Landbesitz, im Wohnungsbau und deren Erhalt sind auch in den westlichen Demokratien der Scheideweg zwischen einem liberalen Kapitalismus und einer humaneren sozialen Gesellschaft.

Mögen diese kollektiven Eigentumsformen auch in noch so unterschiedlichen politischen Verhältnissen der verschiedensten Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse vorhanden sein, so haben sie jedoch eines gemeinsam, sie weisen auf den immer wieder kehrenden Wunsch der Menschen hin gegen das bloße Privateigentum ein Gemeinschaftseigentum zu setzen, dass auf ehemals ländliches Kollektiveigentum und noch früher auf einen Urkommunismus zurückzuführen und somit gegen einen individualisierten Manchesterkapitalismus gerichtet ist.

Es ist dabei zu erfragen, ob diese kollektiven Eigentumsverhältnisse zu einem kollektiven Bewusstsein führen können, dass über diese unmittelbare Gemeinschaft hinaus in einen demokratischen Prozess führt ?

Wohl kaum !

Es stellt sich eher die Frage ob dieses kollektive Eigentum in Industrie, Handel, Freizeit von einer politisch-demokratischen Bewegung nicht eines Tages zerschlagen werden kann wie frühere Formen von ländlichem Gemeinbesitz wie er bis in die Neuzeit noch bei den Native Americans bestand hatte und sich darin ausdrückte, dass man die Mother earth nicht verkaufen kann wie die Luft und das Wasser.

Der Kapitalismus hat ihnen gelehrt, dass man alles zerschlagen und privatisieren kann.

Das Humaneigentum des Militärs kann allerdings, wenn der Kollektivgedanke sich auch sozial fortsetzt zu einem System führen, dass die soziale Wohlfahrt, sowie die Bildung von kommunalen und staatlichem Besitz in Energie und Umwelt beispielsweise fördert.

Hier erhebt sich wieder die Frage ob der karikative kollektive Gedanke und deren Umsetzung bei den Moslembrüdern nicht weiterhin auf rechten Nährboden stößt oder ob jene sich wohl weniger nicht zu einer Linkswende, aber zur demokratischen Mitte bewegen, bereit finden und nicht ein roll back zum Staat der Mullahs vollziehen.

Aber wie können die islamischen Massen, die Diskrepanz ihrer Erfahrung in ein modernes System demokratischer Institutionen gießen ohne in alte religiöse, historische Muster zu verfallen.

Der Iran wird nur für einige eine Vorbildfunktion haben, die Türkei schon eher und die Vorurteile gegenüber Israel, die bisher eher als Randerscheinungen auftauchen, setzen sich hoffentlich nicht durch.

Israel als demokratischer Staat kann ihnen auch nicht als Vorbild dienen, wegen der eroberten Gebiete.

Vielleicht bahnen diese Revolutionen sich noch ihren eigenen Weg und orientieren sich an französichen, amerikanischen,europäischen, türkischen Vorbildern, aber sicherlich nicht an den sozialistischen Revolutionen, auch, wenn einige früher oder noch immer mit ihnen sympathisieren.

Sie können aber getrost und getreu ihrer Geschichte wie einst die französische Revolution an die Antike anknüpfen, denn die ist durch die orientalischen und jüdischen Philosophen und Ärzte in Al Andalus, Persien etc. (Maimonides schrieb beispielsweise arabisch) schon von der islamischen Geschichte ergriffen, aber nicht sinnlich praktisch mit materialistischem Verstand und Vernunft umgesetzt worden.

 

 

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