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Fassadenrepublik Deutschland

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Es

ist Aufschwung!

 

 

 

Dennoch bleibt die Stimmung im Lande gedämpft.

Der Geschäftsklimaindex ist dabei kein wirklicher Parameter für die Stimmung in Deutschland.

Auch wenn sich der Klima in manchen Branchen aufgehellt hat, kämpfen in vielen Branchen gerade die kleinen und mittleren Unternehmen ums Überleben.

Man tut reich, ist aber arm. Die Hoffnung ist, dass es doch keiner merken möge.

In der Fassadenrepublik Deutschland kämpfen viele nur noch um ihr nacktes Überleben.

Das Thema Burn-Out, welches den aktuellen Spiegel-Titel füllt, ist nur ein Symptom von vielen.

Wer nicht mehr an seine Zukunft glaubt, verliert in kürzester Zeit alle Kraft und bricht zusammen.

Viele Leute halten daher lieber ihre Fassade aufrecht und stützen weiterhin ihr falsches Selbst, statt ehrlich mit sich zu sein. Der Zusammenbruch wird dadurch allerdings nur aufgeschoben.

Keine schöne Zukunftsaussicht.

So schön es ist, ein edles Haus im Speckgürtel einer Großstadt zu bewohnen, so schrecklich ist es, zu wissen, dass dieser Luxus kaum noch zu halten ist.

Die Zahl der Menschen, die sich dem Wohlstand verschrieben haben und nun nicht mehr weiter wissen, wächst, trotz des Aufschwungs.

Auf den Autobahnen geben sich weiterhin Luxuslimousinen die Lichthupe, allerdings wächst der Zweifel, ob die zunehmende Aggressivität nicht auch ein Symptom dafür ist, dass die Leasing-Raten für das teure Stück nicht mehr bedient werden können.

Der deutsche Wohlstand ist rein materiell geblieben, die intellektuelle Schicht ist durch die Aufsteiger dank Profit nicht vergrößert worden.

Ganz im Gegensatz zu Frankreich haben wir in Deutschland eine Vielzahl von Konsum-Materialisten, die es in die obere Mittelschicht geschafft haben und nun wieder abrutschen.

Diese Leute sind wirklich schlecht dran.

Aber das ist bei weitem nicht die ganze Wahrheit!

In allen Schichten unterhalb der eigentlichen Wirtschaftselite, die weniger als 10% der Bevölkerung ausmacht, bröckelt der Wohlstand gewaltig.

Dabei bröckelt es von hinten nach vorne.

Wie im Krieg bricht die Fassade immer zuletzt ein. Nur bei Depressionen und Burn-Out bricht die Fassade häufig vor dem Substanzverlust, somit fast eine Chance.

Es ist davon auszugehen, dass weder die etablierte Politik noch die staatstragenden Medien ein Interesse haben, den wahren Zustand unserer Gesellschaft zu offenbaren.

Nebenbei wissen sie es auch nicht, vieles ist nur zu spüren und zu vermuten.

Wenn keine Insolvenz vorliegt kann ein Unternehmen von außen schlecht diagnostiziert werden.

Genauso ist es mit den Menschen, die alles tun, um ihre sozialen Fassaden zu halten und nach außen Wohlstand vorzuspiegeln, der in Wirklichkeit abschmilzt.

Geiz ist Geil ist geil ist ein Bestandteil dieser Strategie, die Statussymbole oben zu halten und bei allem anderen zu sparen.

Der Mercedes ist geleast und den Schampus kaufen wir bei Aldi, eine längst etablierte Strategie.

Nur, wie lange noch, wenn viele die Heizkostennachzahlung schon aus der Bahn werfen kann?

Tatsächlich müssten wir in Deutschland ein paar Stufen runterkommen von unserer aufgeblasenen Wohlstandsverliebtheit, den perfekten Karrieristen im Schrank hängen lassen und wieder anfangen sozial zu denken.

Eine neue gesellschaftliche Bescheidenheit wäre ein Signal, das viele Menschen faktisch entlasten würde.

Dazu gehört auch, dass man die eigenen Möglichkeiten nicht überspannt und sich innerhalb realistischer Grenzen bewegt.

Diese ständigen Beschwörungen von Bildungsoffensiven und lebenslangem Lernen täuschen darüber hinweg, dass die meisten Arbeitsplätze in unserer Republik stupide sind.

Der Anspruch liegt vor allem darin, zu funktionieren und das möglichst perfekt.

Das hat allerdings mit Bildung weniger zu tun, als mit extremer Selbstkontrolle.

Diese Unterwerfung unter Perfektionsansprüche wird heute von jeder Kassiererin im Supermarkt erwartet.

Dabei bitte freundlich lächeln in der Fassadenrepublik Deutschland.

Wenn den Leuten dabei der Hut hochgeht oder der Magen durchdreht, ist gut nachvollziehbar, aber es hilft ihnen nichts, weil genau diese stupiden Arbeitsplätze am härtesten umkämpft sind.

Sie werden deshalb nicht menschlicher, sondern unmenschlicher gemacht, nur die Härtesten kommen durch.

Wer Kinder hat und deshalb mal zuhause bleiben muss, wird auf diesem Level des Arbeitslebens schnell aussortiert.

Fast spielt es keine Rolle mehr, ob es sich um Anne Will oder Nicole Schulze handelt.

Alle müssen Sie ihre Rolle spielen und dürfen nicht patzen.

Der Perfektionsanspruch ist gnadenlos und dahinter steht bei Nicole und Anne die kapitalistische Sucht nach Profitmaximierung.

Nur, dass Anne mehr abbekommt vom Kuchen als Nicole, die nebenbei noch staatliche Unterstützung braucht, um ihre Gasrechnung zu bezahlen.

Die Durchökonomisierung des Lebens ist gewaltig geworden und bestimmt alle sozialen Bezüge.

Dementsprechend sind wir alle Vertreter in eigener Sache, die den anderen unter keinen Umständen ihr wahres Gesicht zeigen dürfen, weil sonst das Geschäft in Gefahr geraten könnte.

Ein beschissenes Gesellschaftsspiel!

Der Wohlstand, der immer noch die Belohnung war, schwindet dabei immer mehr und es bleibt nur die Fassade und das falsche Selbst, als letztes Gefängnis des kapitalistischen Individuums.

Ein Gesellschaftstheoretiker hat in den achtziger Jahren mal gesagt, dass die psychologische Katastrophe die kapitalistische Gesellschaft lange vor der ökologischen und ökonomischen Katastrophe heimsucht.

Wer heute in Deutschland unterwegs ist, egal ob mit Bahn, Bus, Auto oder zu Fuß, wer sich in den Städten umschaut, sieht immer dieselben angespannten, kontaktarmen Gesichter, die manchmal richtig feindlich wirken.

Wir haben Aufschwung und wir haben Depression zugleich.

Viele spüren dabei, dass dieser Aufschwung nur einen weiteren Gitterstab für ihre psychologische Einzelhaft bringen wird, zusammenführen wird er die Menschen in unserem Land jedenfalls nicht.

Allmählich geht das Licht aus, in der Fassadenrepublik Deutschland.

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 07. Februar 2011 um 14:54 Uhr  

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