Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Archiv 2010 Clement, Sarrazin, Püschel

Clement, Sarrazin, Püschel

E-Mail Drucken PDF

Clement, Sarrazin, Püschel Wie konnte es dazu kommen?

Ich rekapituliere mal.

Angefangen hat die Sache mit Helmut Schmidt und seinem Preis des Technokraten.

Vielleicht verständlich angesichts der Begehrlichkeiten der Sozialdemokraten, die ihn möglicherweise drängten, einen wirtschaftspolitischen Fehler zu machen, nämlich nicht antizyklisch zu agieren.

In einer Zeit guter Konjunktur wurden die Einnahmen verteilt, statt die Staatsschulden zurück zu fahren.

Über die Höhe der damaligen Staatsschulden lacht man heute, dennoch wäre es anders vernünftiger gewesen.

Und hätte es schwerer gemacht, die Koalition zu brechen.

Sein Lob des Technokraten, verbunden mit seinem Preis des 'unideologischen' Popper - nicht umsonst konnte der Ethiker Wittgenstein sich nur durch umgehende Flucht dem dringenden Bedürfnis entziehen, dem einen Schürhaken über den Schädel zu ziehen - öffnete die SPD für Leute, die gar keine Sozialdemokraten waren, die in die SPD eintraten, weil sie sich dort aufgrund ihrer Fachkenntnisse  eher eine politische - oder auch andere - Karriere erhofften als in einer anderen Partei.

Friedmans Monetarismus wurde modern.

Allende wurde in Chile blutig gestürzt, die jungen Wirtschaftswilden unter den Putschisten hatten alle bei Friedman studiert und ruinierten Chiles Wirtschaft und Reagan machte in Sachen heute als ruinös verfluchte Reaganomics.

Helmut Kohl war Friedman-Fan.

Dass kein Schwanz es für nötig befand, mit der Asozialität von Friedmans Monetarismus, spater Neoliberalismus genannt, gegen Kohl in seiner ersten Bundestagswahl zu argumentieren, nehme ich den Genossen auch weiterhin übel.

Ein entschiedener Anhänger des Neoliberalismus war Graf Lambsdorff.

Der schrieb das Lambsdorff-Papier, das zum Bruch der sozialliberalen Koalition führte und, nicht zu vergessen, zum Auszug etlicher prominenter Liberaler aus der FDP. Z.B. Ingrid Matthäus-Meier.

Die war auch nicht blöd.

Die Koalition brach, weil Schmidt erklärte, als Sozialdemokrat könne er dieses Papier nicht vertreten.

Damit hatte er Recht.

Die schlimmsten Sachen daraus hat dann Schröder verwirklicht.

Ich bitte Zweifler zu googeln und das Lambsdorff-Papier nachzulesen.

Der Neoliberalismus schrieb Globalisierung auf seine Fahne. Neoliberale Globalisierung natürlich.

Und immer schön unter dem Motto: man muss das Pferd vorne nur genügend füttern, dann fällt hinten auch was für die Spatzen ab.

Das lehrte auch Kohl.

Und die Liberalen stimmten natürlich zu.

Und natürlich auch die Schar der Technokraten, die in die SPD eingetreten waren in der Hoffnung, dort Karriere zu machen.

Was ihnen auch problemlos gelang.

Denn das einzige, was andere von Wirtschaft mal gelesen hatten, war Marx.

Das war schon etwas älter.

Und die Deutschen über Stamokap aufzuklären erwies sich mangels Glaubwürdigkeit als Fehlschlag.

Die Karrieristen hatten also quasi das Wissensmonopol und nutzten es.

Wer was werden wollte, musste ihnen gläubig folgen.

Und nur dann hatte er auch Zugang zu den inneren Kreisen der Macht, den Wirtschaftsführern und Bankern, den Top-Technokraten im In- und Ausland.

Und kriegte die Fototermine.

Schröder war labil. Typ Zwiebel. Kann man häuten, wie man will, ein fester Kern ist da nicht drunter. Aber ehrgeizig und eitel – ich denke, das wird niemand bestreiten.

Aber er war kein bedingungslos gehorsamer neoliberaler Globalisierungsfan.

Schließlich hat er den Irak-Krieg verweigert (unter tätiger Mithilfe der Grünen freilich).

Ich darf jedoch daran erinnern, wer lange Vorsitzender der Deutsch-Arabischen Gesellschaft war.

Möllemann. Deswegen, weil er die arabische Poesie so schätzte?

Schröder konnte Wirtschaft. Musste sein. Schmidt konnte ja auch Wirtschaft.

Beweis: Schröder konnte mit den Wirtschaftsführern. Alles Technokraten. Spitzenleute. Z.B. Peter Hartz. Alles ganz liberale Leute. Denen ist letztlich egal, welche Partei regiert.

Hauptsache, in ihrem Sinne. Professionell, technokratisch und ohne Sozialklimbim.

Und so wären wir dann im Heute angekommen.

In einer Partei voller Leute, die alles besser können und alles besser wissen, nur nicht, was Sozialdemokratie ist.

Leute, deren Ehrgeiz darin besteht, das, was sie wollen, auch durchzusetzen. Gegen alle Widerstände.

Wie ein Personalmanager Massenentlassungen durchsetzt. Kriegt er das hin, ist er ein Held.

Clement, Sarrazin, Püschel – alles Helden.

In ihrer eigenen Sicht.

Sich als Mitglied der SPD gegen die Sozialdemokratie zu wenden, sie von innen zu bekämpfen, gilt ihnen als das ultimative Heldentum.

Dummerweise entlässt sie aber das Volk.

Unsere einzige Rettung, wenn wir die deutsche Sozialdemokratie noch retten wollen.

 

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 364
Beiträge : 5859
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 17367001

Verwandte Beiträge