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Obamas Forderung auf dem G20

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Man

 

 

 

kann über die amerikanische Wirtschaftspolitik sagen, was man will.

Sie legt ihre Prioritäten auf den geschwächten Binnenmarkt. Deutschland nicht.

Während Obama Deutschland  auffordert seine Handelsbilanzüberschüsse abzubauen, gewönnen wir uns langsam daran, zuhause arm zu werden, während wir im Ausland Siege feiern.

Trotz Sparkurs hat das mit Konsolidierung nichts zu tun.

Ein schwacher Binnenmarkt ist die Achilles-Verse jeder Volkswirtschaft und unsere Achillesverse liegt blank!

Während Merkel in Seoul stur bleibt, reißen die Gräben zwischen Gewinnern und Verlierern der Konjunktur zuhause immer weiter auf.

Sicher, die Blasen werden in den USA gemacht.

Aber die darauf folgenden Flauten drücken die ärmeren Schichten unserer Gesellschaft immer tiefer ins Elend.

Man kann sich bei diesem Aufschwung nur vor der nächsten Rezession fürchten, weil er die Preise treibt, ohne auf breiter Front reale Lohnzuwächse zu bringen.

Wir sparen für die Taschen der Industrie und schmelzen unser soziales Kapital auch in den Boom-Phasen weiter ab.

Das kann nicht gut gehen.

Die deutsche Industrie produziert dabei am Binnenmarkt kräftig vorbei. Was das heißt lässt sich am Beispiel der Life-Science-Industrie vortrefflich zeigen.

Unsere Medizintechnik ist weltführend, ebenso wie Bereiche der Pharamindustrie.

Jeder Exportschlager aus dieser Branche, sei es die künstliche Bandscheibe oder Endoskopietechnik spült viel Geld in die Kassen dieser Unternehmen und macht noch aufwendigere und teurere Entwicklungen möglich.

Referenzmarkt für diese Produkte ist aber Deutschland.

Die Neuentwicklungen müssen ihr erstes Geld auf dem Deutschen Binnenmarkt einspielen, um danach produktionstechnisch verbilligt auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu sein.

Wir kaufen also unsere eigenen Exporte zunächst überteuert ein, um sie dann billiger auf den Weltmarkt zu werfen.

Unser Gesundheitssystem ächzt und kracht unter dieser Entwicklung und wird allmählich unbezahlbar.

Dieser Exportfaktor führt zu einer unverhältnismäßigen Preisspirale nach oben, die von allen geschultert werden muss, obwohl nur wenige davon profitieren.

Die FDP versucht nun der Medizinindustrie den Weg zu ebenen, indem sie die Mehrkosten zum Privatrisiko der Versicherten machen will.

Wer privat versichert ist und regelmäßig seine Arztrechnungen bekommt, sieht schon jetzt die immensen Preissteigerungen auf dem Gesundheitsmarkt.

Wenn Rösler sich durchsetzt, werden die gesetzlich Versicherten dies über Zuzahlungen, Zusatzversicherungen und Erstattungmodelle bald schmerzlich zu spüren bekommen.

Eine ähnliche Entwicklung hatten wir in den letzten dreißig Jahren auf dem Automobilsektor, mit dem Unterschied, dass die immer teurer werdenden Neuentwicklungen zunächst als Firmenwagen über deutsche Straßen rollten und dann unter verbilligten Produktionsbedingungen im Export Gewinne einfuhren.

Die Zeche zahlte auch hier der kleine Mann, weil die teuren Wagenflotten die Steuerlast der Unternehmen senkten.

Kurz, die Steuergelder flossen in immer größerem Umfang in die Autoindustrie.

Die Liste der Beispiele, wie der Exportsektor unseren Binnenmarkt aussaugt ließe sich weiter fortsetzen.

Faktisch kommen wir zu zwei getrennten Wirtschaftskreisläufen, dem Kreislauf der exportierenden Industrie, die den Binnenmarkt in der Anfangsphase viel zu teuer bedient und trotzdem noch mit Steuergeldern subventioniert wird, und der Binnenwirtschaft, die sich zunehmend nach der Decke strecken muss, weil die Kaufkraft der Bevölkerung nur noch für Billigimporte reicht.

Bei diesem Modell werden ein paar Reiche immer reicher und viele Arme immer ärmer.

Der eine Wirtschaftskreislauf erstickt den anderen.

Übrigens sind wir nicht allein mit dem Problem.

Alle Schwellenländer, auch China, haben dieses Ungleichgewicht.

Sogar Länder mit Handelsbilanzdefiziten erkranken an einem Übergewicht der Exportindustrie.

Beispiele sind die Stahlindustrie in der Ukraine und der Rohstoffmarkt in Russland.

Die Bevölkerung wird in beiden Ländern immer Ärmer und die Oligarchen werden immer reicher.

Vor diesem Hintergrund ist die Forderung Obamas an Deutschland, den Überschuss in der Handelsbilanz zu reduzieren und den Binnenmarkt zu stärken eine durchaus soziale und vernünftige Forderung.

Natürlich hofft er auf diesem Wege auch mehr Exporte in Deutschland und Europa unterbringen zu können, denn die Amerikaner brauchen dringend Devisen.

Natürlich geht Merkel, die Kanzlerin der Konzerne, die hauptsächlich von Lobbyisten der Exportindustrie beraten wird, da nicht mit.

Nicht nur zum Schaden Amerikas und exportschwächerer Nationen, sondern auch zum Schaden unserer Mehrheitsbevölkerung.

Die Profite landen in einem Minderheitssegment unseres Produktionssektors.

Der Rest geht leer aus.

 

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 13. November 2010 um 06:44 Uhr  

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