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Start Hier spricht die Basis Einmal Falke, immer Falke Teil 4

Einmal Falke, immer Falke Teil 4

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An dem Tag, an dem das AufRuhr-Solidaritätsfestival in der Walzwerkshalle bei Krupp stattfand veröffentlichten wir den APPELL AUS RHEINHAUSEN.

Mindestens 70 Milliarden DM werden in unserem Land jährlich für Rüstung ausgegeben.

Dies, obwohl ein erster atomarer Abrüstungsvertrag unterzeichnet ist.

Wir brauchen keine weitere Aufrüstung, sondern Programme für die Zukunft.

Wir brauchen eine Zukunftsinitiative für das Ruhrgebiet.

Wir brauchen Geld für Arbeitsplätze.

Forschungs- und Technologieprogramme, Programme für Umweltschutz, für Energieversorgung, für Verkehrwesen, für soziale, bildungs- und kulturpolitische Entwicklungen sind notwendig.

Wir fordern ein Sofortprogramm "Zukunftsinvestition Ruhrgebiet" von 10 Milliarden DM.

Dabei bedeutet Unterstützung für das Ruhrgebiet Hilfe für alle Stahlstandorte!

Notwendig für das Zukunftsprogramm Ruhrgebiet "Militärisch abrüsten - sozial aufrüsten" ist allein der politische Wille.

Deshalb fordern wir die Bundesregierung und die Parteien des Deutschen Bundestages auf, eine Initiative für die Reduzierung der Rüstungsausgaben zugunsten eines Zukunftsprogramms für das Ruhrgebiet zu ergreifen.

Rheinhausen, den 20. Februar 1988

Dieter Artmann - Karin Benz-Overhage - Willi Brase - Manfred Bruckschen - Dieter Dehm - Renan Demirkan - Katja Epstein - Herbert Grönemeyer - Walter Haas - Anne Haigis - Rudolf Homann - Hannes Jaenicke - Oberbürgermeister Josef Krings - Klaus Lage - Claudia Liedmeyer - Manfred Maurenbrecher - Ulla Meinecke - Dorlies Pollmann-Wallraff - Helmut Ruge - Dick Städtler - Prof. Dr. Peter Starlinger - Hannes Wader

Wir hatten es tatsächlich geschafft, nicht nur das Konzert auf die Beine zu stellen, sondern es wurde auch noch zu einem großen Teil live im WDR-Fernsehen übertragen.

Stars der Unterhaltungsszene wie Senta Berger, Renan Demirkan und Tana Schanzara sowie bekannten Musikgruppen und Einzelinterpreten wie Bernies Autobahn Band, Katja Epstein, Herbert Grönemeyer, Anne Haigis, Klaus Lage, Manfred Maurenbrecher, Ulla Meinecke, Morgenland-Yarinistan, Stoppok, Die toten Hosen, Hannes Wader und die Zeltinger-Band traten auf.

Daneben enthielt das 12-Stunden-Programm eine Vielzahl unterschiedlicher ästhetisch-politischer Stile.

Es begann mit dem Gewerkschaftslied „Brüder, zur Sonne", das in Teilen des Publikums mitgesungen wurde; aber dann spielte die Knappenkapelle Zarah Leanders „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn", worauf die Schalmeien mit dem revolutionären „Auf, auf zum Kampf" antworteten.

Dietrich Kittner und ein szenisches „Cramme10-Tribunal" brachten satirische Elemente ins Programm.

Es folgten das Blasorchester Dicke Luft mit seinem Jazz, der Ludwigshafener Gewerkschaftschor und das Nordwestdeutsche Hornensemble mit einem Weill-Programm.

Die größte Überraschung für das Publikum war wohl das 92 Menschen starke Rhein-(Auf)Ruhrorchester aus dem Gelsenkirchener Musiktheater im Revier in Frack und schwarzem Kleid, das in der alten Walzwerkshalle sinfonische Musik darbot.

Das Orchester wurde stürmisch gefeiert.

Bis wir so weit waren, das Konzert mit den insgesamt über 300 Künstlern auf eine Bühne zu stellen, waren einige Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen.

Dazu arbeitete ein außergewöhnliches Team arbeitsteilig sehr eng zusammen.

Es bestand aus VertreterInnen des Betriebsrates, des Vereins „Künstler in Aktion“, der DGB-Jugend und der IGM-Jugend.

Für die Durchführung einer solchen Veranstaltung in der 1,1 km langen Halle war nicht die geringste Infrastruktur vorhanden.

Zunächst musste eine Bühne gebaut werden und, da das Festival mitten im Winter stattfand, die Halle geheizt werden.

Darum kümmerte sich der Betriebsrat.

Die Bühne wurde durch eine Zulieferfirma von Krupp gebaut.

Die Rechnung übernahm der Konzern auf wundersame Weise.

Für die Heizung sorgte ein Zug mit heißer Bramme, der einige Tage zuvor in Halle gefahren wurde und für die notwendige Erwärmung sorgte.

Für die Bühnentechnik und die Zusammenstellung des Bühnenprogramm kümmerte sich der Verein „Künstler in Aktion“.

Alle Künstler traten ohne Gage auf.

Ich stand als Organisationskoordinator vor weiteren Problemen.

Zunächst einmal mussten Umkleidemöglichkeiten für die Künstler und Unterbringungsmöglichkeiten für das Catering geschaffen werden.

Hier kamen mir meine guten Verbindungen zu den Falken zugute.

Wir lösten wir das Problem durch das Aufstellen einer Reihe von Zelten sowie etwa 30 Campingwagen.

Als die Bühnentechniker uns jedoch erklärten, dass die Stromanschlüsse in der Halle für ihre Bedürfnisse unbrauchbar waren, standen wir plötzlich vor einem weit schwierigeren Problem, denn ein Stromaggregat mit der notwendigen Leistung aufzutreiben, bereitete Kopfschmerzen.

Schließlich trieb ich über einen Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von Rhein-Braun ein Gerät auf.

Damit waren einige der größten Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt und das Festival konnte beginnen.

Die Verpflegung wurde durch Händler, Metzger und Pommesbudenbesitzer aus Rheinhausen gewährleistet.

Deren Standgebühren und die Summe, die der WDR für die Übertragungsrechte zahlte, standen als Einziges auf der Habenseite, als wir am Mittag des 20. Februar unsere Kassenhäuschen öffneten.

Auf der Sollseite hingegen standen rund 150.000 DM für die Bühnentechnik, Versicherung, Werbung etc.

So zitterten wir bis zur letzten Minute, vor allem auch deswegen, weil die Geschäftsleitung von Krupp nie eine Genehmigung zur Nutzung der Halle erteilt hatte.

Erst als sich die Schlangen vor den Kassenhäuschen bildeten und die Kollegen von der Gewerkschaft der Polizei dafür sorgten, dass die Eintrittsgelder von 40.000 Festivalbesuchern sicher zur Sparkasse transportiert werden konnten, fiel der Druck von uns ab.

 

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