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Islam und Menschenwürde

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Viel Unfug wird über den Islam erzählt.

Zu Recht empörende traditionelle Volksbräuche, die nicht islamisch fundiert sind – beispielhaft die Frauenbeschneidung - , Behauptungen von Vertretern der modernen politischen Ideologie Islamismus und von Islamophoben so gern zitierte Koranverse zum Heiligen Krieg.

Welche freilich in Ermangelung eines Heiligen Krieges keinerlei praktische Bedeutung haben, bilden zusammen ein unsägliches Gebräu, das die weit überwiegende Mehrheit der Muslime zu Recht als üble Verfälschung, als anti-islamische Hetze versteht.

Aufklärung tut also Not.

Kürzlich beschwerte sich meine Tochter, Anfängerkurs Arabisch, über ihren Lehrer.

Der bringe immer nur Redewendungen bei, aber wann erkläre er mal das, was man in jeder Sprache zuerst lernt: ich bin, du bist, er, sie, es ist …

Antwort: das kann er euch nicht erklären.

Im Arabischen gibt es keine Kopula „sein“, also auch kein „bin, ist, sind“..

Das ist eine ganz andere Sprache mit ganz anderer Grammatik.

Vergleichbar die Religion Islam.

Wie selbstverständlich wird dort z.B. immer nach einer Kirche gesucht, einer Institution, die – je nach Konfession oder Sekte – für alle Gläubigen spricht, Glaubensdogmen festlegt (Stichwort „Modernisierung“), sich für Terrorakte von Muslimen entschuldigt … Antwort: es gibt keine Kirche im Islam.

Der Islam ist eine ganz andere Religion.

Zusammen gehalten wird die unübersehbare Vielfalt der Muslime und ihrer Auffassungen durch das, was man als ihre Verfassung bezeichnen könnte: den Koran.

Nur von ihm aus ist der Islam in seinen Grundprinzipien zu begreifen.

Zu den bedeutendsten Versen gehört Vers 172 aus der 7. Sure:

„Und (damals) als dein Herr aus der Lende der Kinder Adams deren Nachkommenschaft nahm und sie gegen sich selber zeugen ließ!

(Er sagte): ‚bin ich nicht euer Herr?’

Sie sagten: ‚Jawohl, wir bezeugen es.’

(Dies tat er) damit ihr (nicht etwa) am Tag der Auferstehung sagt:

‚Wir hatten davon keine Ahnung’

Alle Menschen, also die gesamte Menschheit, sind uneingeschränkt „Kinder Adams“; im Islam gibt es keinen Rassismus.

Selbstverständlich gibt es den üblichen Chauvinismus.

Seit alters her begreifen sich insbesondere die städtischen Araber als die besseren Menschen.

Jedoch begründet sich dies durch die höhere Zivilisiertheit (welches Kulturvolk hält sich nicht für zivilisierter als andere?) und nicht biologisch.

Das erklärt, warum Muslime trotz beständiger intensiver Umarmungsversuche seitens der Nazis nach dem Motto „der Feind meines Feindes ist mein Freund“ keine Affinität zum nationalsozialistischen Denken haben, es noch nicht einmal richtig begreifen können, so fremd ist es ihnen.

Stellen wir dem ein Hitler-Zitat gegenüber: „Der Jude ist der Gegenmensch, der Antimensch. Der Jude ist das Geschöpf eines anderen Gottes.“ (nach Rauschning).

Da fällt selbstverständlich bei jedem Moslem die Trennungswand herunter.

Denn Menschen als Geschöpfe eines anderen Gottes zu bezeichnen ist schirk, das im Islam größte Verbrechen gegen Gott: ihm einen weiteren Gott beizugesellen.

Was das Menschsein schlechthin betrifft, unabhängig von den äußerlichen Variationen nach Körperbau, Farbe, Talenten, auch Geschlecht, postuliert also der Islam rigoros die Gleichheit aller Menschen, so ununterscheidbar gleich, wie sie es als Samen in den Lenden der Kinder Adams waren.

Ein weiterer Koranvers ist für unser Thema von zentraler Bedeutung, Vers 30 aus Sure 2:

„Und als dein Herr zu den Engeln sprach:

«Ich werde einen Statthalter (chalifa) auf Erden einsetzen», sagten sie: «Willst Du auf ihr jemand einsetzen, der auf ihr Unheil anrichtet und Blut vergießt? – wo wir dir lobsingen und deine Heiligkeit preisen?.»

Er antwortete:

«Ich weiß, was ihr nicht wisst.»“ Chalifa, das ist der Kalif. Hier bekannt als der „Beherrscher der Gläubigen“.

Tatsächlich also bedeutet das Wort „Statthalter, Stellvertreter“ - und so ist denn der Kalif der Stellvertreter Mohammeds als Oberhaupt der muslimischen Gemeinde.

Schon das zeigt, dass der Islam zwei verschiedene Aspekte hat.

Der eine ist der der Beziehung des Individuums zu Gott, der andere ist die Beziehung des Individuums zur sozialen Gemeinschaft, die vor allem die Muslime bilden.

Beide Aspekte müssen voneinander getrennt betrachtet werden.

In Beziehung zu Gott also ist der Mensch der Statthalter Gottes auf Erden, obgleich er dieses Amt eher schlecht als recht versieht, denn als solcher ist er geschaffen.

Und zwar jeder Mensch, siehe die Gleichheit.

Stellen wir dem nun Art. 1 (Abs. 1) unserer Grundgesetzes gegenüber:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“.

Unschwer wird man feststellen, dass die Achtung vor dem Statthalter Gottes gar nicht in Frage stehen kann, ja, dass die Menschenwürde dadurch vielleicht sogar noch tiefer begründet ist als durch die jüdisch-christliche Erschaffung nach dem Bilde Gottes, da sie auf das innere Wesen statt auf die äußere Erscheinung abstellt.

Und dass es folglich auch für den Muslim selbstverständlich sein muss, dass Achtung und Schutz der Menschenwürde Verpflichtung aller staatlichen Gewalt ist.

Nun hat das natürlich längst nicht jeder Moslem begriffen.

So, wie auch längst nicht jeder Europäer und längst nicht jeder Christ begriffen hat, was Menschenwürde ist, denn wäre das der Fall, wäre unser Strafgesetzbuch überflüssig.

Wenn wir uns aber mit der islamischen Welt, ob mit ihren Vertretern hier in Deutschland oder international, zusammen raufen wollen und müssen, dann ist es wesentlich zu erkennen, dass es in Sachen Schutz der Menschenwürde nicht darum geht, ob sie zu schützen ist, sondern nur darum, wie sie zu schützen ist.

Denn dass sie zu schützen ist, darüber gibt es keinen Dissens.

Wer das erkannt hat, wird zu zwei Schlussfolgerungen gelangen: zum einen, dass die Muslime tatsächlich Recht haben, wenn sie Forderungen, dem Islam um der Achtung der Menschenwürde willen quasi stückweise abzuschwören als antiislamische, bösartige Verleumdung betrachten, eventuell gar als Relativierung der Menschenwurde.

Zum anderen aber, dass gerade das Wissen um den gleichen Schutz der Menschenwürde die intellektuellen Waffen in die Hand gibt, die befähigen, moderne politische Richtungen (oder traditionelle Volksbräuche) innerhalb der islamischen Gesellschaften, die den Schutz der Menschenwürde missachten, wirksam und durchaus im Einklang mit der Mehrheit der Muslime zu bekämpfen.

 

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