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Summer in the Factory

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Das zweite Treffen des Instituts für Solidarische Moderne nach dessen Gründung im Januar dieses Jahres fand in Frankfurt statt und war der Bildungsdiskussion gewidmet.

Ich hegte leise Zweifel an der Opportunität eines solchen – an und für sich schon wichtigen Themas im Frühstadium der Aktivitäten des Instituts, begrüßte aber diese Möglichkeit, mich in die Diskussionen über einen Ersatz für das neoliberale Systems zu beteiligen und Frankfurt lag vor meiner Haustür.

Ich wähnte mich in meinem Bestreben nach aktiver Teilnahme nicht allein, da über30% der Institutsmitglieder eine ähnliche Absicht verlauten lassen hatten.

Regen und Kälte am Freitagabend.

Ein unwirtliches, verkommenes Gebäude (der alte Uni-Campus) steht vor mir, samt Hetzparolen an den Wänden und spärlicher Heizung und Beleuchtung.

Mit leichter Verspätung fängt die Veranstaltung gegen 19:30 an. Auf dem Podium sitzen acht Vorstandsmitglieder und „Experte“. Buntes Publikum aller Altersklassen.

Das Podiumsgespräch geizt nicht mit Hurrah und Erfolgsmeldungen, die sich allerdings ausnahmslos auf Nennungen in der Medien und auf erfolgreiche Sitzungen von Vorstand und Kuratorium beschränken.

Auf einmal heißt, dass das Institut nicht vorhat, den inhaltlichen Boden für eine Rot-Rot-Grüne Koalition vorzubereiten – in vorherigen Mitteilungen und auf der HV in Berlin war ausdrücklich davon die Rede gewesen - , würde sich als offene Plattform für eine soziale und kulturelle Diskussion verstehen.

Leise Anspielungen auf die Differenzen zwischen den Parteien ließen den aufmerksamen Zuhörer den wahren Grund für ein solches Gesinnungswandel vermuten.

Es wurde auch betont, dass es nicht darum gehe, den Neoliberalismus als Wurzel alles Übels an die Kandare zu nehmen, offen, konstruktiv, so stelle man sich die Arbeitsweise des Instituts vor.

Frau Ypsilanti machte eine sehr passende Bemerkung, als es hieß, man müsse die Themen langsam und gemütlich abspulen, nämlich, dass es schon fünf vor Zwölf sei und eine gewisse Eile sei geboten.

Blieb unerhört, der „methodische“ Ansatz wurde fortgesetzt, Konkretes gab es nicht zu hören.

Das Publikum wurde aufgefordert, sich am Mikrofon zu melden.

Vier, fünf Personen gelang es, zum Mikrofon zu greifen und dabei merkte am, wie das Publikum jetzt wirklich aufhorchte, Notizen wurden gemacht, Meinungen dem Nachbarn zugeflüstert.

Dies wird den Podiumsleuten auch nicht entgangen sein:

Bevor eine richtige, spontane Diskussion sich entwickeln konnte, wurde die Diskussion in einem barschen Ton abgebrochen, ohne jede Rücksicht auf noch offene Fragen und Meldungen.

Verständlich, der Plan des Zentralkommittees lief Gefahr, von Bottom-Up-Einwürfen in unerwünschte Bahnen gelenkt zu werden.

Als die Mägen der Zuhörer richtig knurrten, es war fast 10 Uhr, stellte sich heraus, dass man keine Gelegenheit zum gemeinsamen Essen vorgesehen hatte.

Anna Amalias Tafelrunde war damals subversiv genug gewesen, das mag manch einer noch in Erinnerung gehabt haben …

Am Sonnabend waren Seminare, unter der neudeutschen Bezeichnung „Workshops“, vorgesehen.

Ich fühlte mich in meine Zeiten bei der Hoechst AG zurückversetzt:

Flip-Charts, auf denen Stichworte gekritzelt wurden, lange Vorträge vom Moderator und von seinen Beisitzern, genaue Blicke auf die Uhr bei den wenigen Beiträgen aus dem Publikum, Zusammenfassung der Ergebnisse, die der Moderator (andere waren nicht dazu bereit gewesen) vor der Versammlung zum Zweck der Erstellung eines „Manifestes“, das das einzige war, was an die Arbeiterbewegung erinnerte, zum Vortrag im Plenum.

Mittagsessen?

Wat is dattenn?

Fiel erneut buchstäblich ins Wasser, an der spartanischen Bar waren nur Trauben zu bekommen, wer unbedingt essen wollte, musste sich in die feuchte Kälte Bockenheims begeben.

Wer mit anderen Mitgliedern – oder Bekannten – gekommen war, der blieb mit seiner Gruppe zusammen, wer allein gekommen war wurde wahrlich nicht genötigt, nicht alleine zu bleiben.

Ich hoffe, der Leser kann sich aus dem Stoff zwischen meinen Zeilen eine eigene Meinung über die echten Chancen des Instituts bilden, ein neues Modell noch vor Zwölf vorzuschlagen.

Es stimmt mich allerdings bedenklich, dass zehn Monate nach der Gründung, während man noch nicht weiß, wie weit die Grünen von Jamaika auf Bundesebene sind, ob die Linke eher mit dem BGE oder mit der Zentralität der Arbeit in der Gesellschaft liebäugelt, wie letztendlich das relative Gleichgewicht aller SPD-Komponenten ist, schon glaubt, so weit zu sein, um über Bildung diskutieren zu können.

In meiner Naivität habe ich immer geglaubt, Bildung sei einer bestimmten Gesellschaftsform (Kapitalismus, Sozialismus, Faschismus, Sozialdemokratie ...) auf dem Leib geschnitten ...

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 07. Juli 2013 um 16:32 Uhr  

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