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Wie die Presse Rechtspopulismus anheizt

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In diesen Tagen kann man sich als Muslime in Deutschland nicht mehr sicher fühlen.

Eine überwältigende Mehrheit von Leserbrief-Verfassern und Online-Kommentatoren haben die Sarrazenischen Überfremdungsphantasien übernommen und sind ganz im Sinne ihres Meisters mit Türken-Bashing beschäftigt.

Wir seien auf dem besten Weg zu einer muslimischen Republik, die von Kopftuchmädchen regiert wird, von denen jede ihrerseits mindestens zwölf kleine Muslime in die Welt setzen wird, damit wir Deutschen endlich aussterben.

Ganz Deutschland wird in Kürze nur noch vom Obst- und Gemüsehandel leben.

All das nur deshalb, weil wir nicht rechtzeitig erkannt haben, dass die Muslime nicht zu uns passen.

Nicht ethnisch, nicht kulturell und nicht genetisch, kurz diese Rasse passe einfach nicht zu uns.

Eine seltsame, oder vielleicht doch nicht so seltsame Spaltung tut sich jetzt in unserer Republik auf. Das Volk gegen die Politik.

Während die politische Elite mit seltener Einigkeit Sarrazins Ausländerhetze ächtet, scheint das Volk zu 75% ihm Beifall zu klatschen.

Erinnert sich noch einer an Rostock?

Brennende Asylantenhäuser liegen noch nicht so lange zurück. Eine Bundeskristallnacht wäre also durchaus denkbar. Wer wäre dann Schuld daran?

Sarrazin? Beileibe nein!

Nicht dieser narzistische Spinner mit dem präsenil aufbrechenden Fremdenhass. Dieser Mann hat nichts, aber auch gar nichts von einem charismatischen Rechtspopulisten.

Sarrazin ist einzig und allein durch die Medien an die Macht gekommen und wird von den Medien an der Macht gehalten.

Man möchte nun meinen, dass die Zeiten des Völkischen Beobachters längst vorbei seien. Allerdings kennt man da den Focus und den Spiegel schlecht.

Seit seinen unappetitlichen Hasstiraden auf Hartz-IV-Empfänger lassen beide Blätter keine Gelegenheit aus, Herrn S. mit seinen Halbwahrheiten auf die Titelseite zu lancieren.

Der Focus druckte jüngst sogar ein ausführliches Interview mit ihm, damit er Werbung für sein rassenwahnsinniges Buch machen kann.

Der Grund ist denkbar einfach.

Dieser rassisstische Spuk verkauft sich einfach zu gut. Viel zu gut. So gut, dass jetzt auch Talkmaster draufspringen und Herrn S. hoffähig machen.

Auch bei Hart-aber-Fair durfte Herr S. kürzlich auftreten.

Das perfide an diesem medial gestalteten Rechtsruck ist aber, dass er von diesen Polit-Schmonzetten nicht nur zur Quotensteigerung genutzt, sondern offensichtlich auch bewusst forciert wird.

Plötzlich werden Leserbriefe zu Volkes Meinung und bekommen repräsentativen Anstrich.

Zumindest wird in der Presse damit argumentiert.

Schockierend ist allerdings, dass sowohl der Spiegel, als auch in noch größerer Perfidie der Focus Leserbriefe, die Sarrazin beipflichten bevorzugt abdruckt.

Dabei dürfen diese Kommentare gern etwas deftiger daher kommen.

Gegenteilige Meinungen werden dagegen strenger zensiert und sollten äußerst nüchtern und sachlich daher kommen, um überhaupt eine Chance auf Veröffentlichung zu haben.

Gerechtfertigt wird dies dann unter anderem mit der Netiquete (völlig inhaltslose Beschreibung dessen, was gewünscht ist und was nicht).

So kommt es, dass wir unter den betreffenden Artikeln der Online-Ausgaben lange Reihen von faschistisch anmutenden Kommentaren finden und kaum Gegenmeinungen.

Dies ist ein Spuk, der künstlich forciert wird.

Ich kann nur jedem empfehlen es selbst einmal auszuprobieren und eine wütende Replik gegen Sarrazin im Focus zu schreiben.

Er bekommt mit größter Wahrscheinlichkeit eine Ablehnung.

Der Verdacht, dass es sich hier um einen kommerziell motivierten, medialen Rechtsruck handelt ist nicht so unwahrscheinlich, wie er auf den ersten Blick scheinen mag.

Die Medien haben das rechts-konservative Leserpotential entdeckt, mit dem sich vor allem Kasse, aber auch Politik machen lässt.

Erinnern wir uns an Herrn Köhler?

Wer hat die Volksempörung gegen die parteiübergreifende Kritik am damaligen Bundespräsidenten transportiert, oder sollen wir sagen forciert?

Focus und Spiegel.

Danach kamen die Talkshows. Genau wie jetzt.

Erinnern wir uns auch ruhig daran, dass seine Äußerungen über Militäreinsätze imperialistischen Beigeschmack hatten.

Welche Medien schwenkten nach kurzer Zeit scheinbar auf „Volkes Meinung“ ein?

Focus und Spiegel.

Danach kamen die Talk-Shows.

Am Ende war der Bundespräsident das Opfer politischer Hetze, zumindest in der Darstellung dieser völkischen Beobachter.

Seine indiskutablen Äußerungen zu Militäreinsätzen in Wahrung wirtschaftlich strategischer Interessen waren zu diesem Zeitpunkt vergessen.

Bei Sarrazin läuft es nicht anders.

Wenn bald wieder Häuser brennen, dann bedanken wird uns bei unserer perfiden Polit-Magazinen.

Zu allererst bei Focus und Spiegel!

 

 

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