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SANTA FU - Gefangen im Nichts?

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SANTA FU GEFANGEN IM NICHTS ?

Mieter statt Knackis - leeres Gefängnis Santa Fu in Hamburg Fulsbüttel bietet seine Zellen zum Wohnen an.

Loggia unter Beschuss – Mietminderung durchgesetzt wegen ständigem Beschuss der Wohnung, weil Massenansammlung von Tauben unterm Dach /Amtsgericht München AZ 412 C 32850/08).

Wohnung im Bunker – 7 Wohnungen von 100 bis 150 qm für alle, denen Sicherheit vor allem anderen Luxus wichtig ist (hier Bremen).

Der Traum vom Wohnen für 22.500 Euro im Monat – DSDS Gewinner Daniel Schuh-macher hat sein Zuhause in einem Nobelappartement in Berlin gefunden.

Wohnen kostenlos für ein bisschen Gesellschaft – älteres Ehepaar aus Hamburg nimmt jeden auf, der ihm ein bisschen Einsamkeit nehmen kann.

So die Überschriften einer Mieterzeitung des Deutschen Mieterbundes im Juni 2010.

Im gleichen Heft fordert Lukas Siebenkötten, Direktor des DMB: „Platz für alle!“, erklärend: „Die Gesellschaft wird bunter, die Wohnformen unterschiedlicher, die Strukturen in den einzelnen Stadtteilen ändern sich.“

Allgemeine Landflucht hat längst begonnen - es ist wieder „IN“, zurück in die Städte zu ziehen.

„Es sind nicht mehr nur Studenten, Singles und Paare, die in der Stadt wohnen wollen, sondern auch Familien und ältere Menschen“, weiß der STERN (9. April 2007) bereits zu berichten.

Mein Besuch einer Pressekonferenz der Familien Bodensee e.V. in Radolfzell bestätigt diese Erfahrung ganz aktuell.

Immobilien / Bauland aber verfallen, die Preise stürzen ins bodenlose ab.

Lebenslang mühsam abgezahlte Häuschen auf dem Lande werden von Oma und Opa aufgegeben … wegen Des-interesse der Nachkommen, „ererbten“ Besitz übernehmen, neu beleben, selbst beziehen zu wollen.

Ruinen allenthalben … überall.

Menschen, die weggezogen sind. Menschen, die woanders ihr Glück gesucht haben, die vom Osten in den Westen, vom Norden in den Süden gezogen sind.

Die KRISE hat auch hier zugeschlagen, langsam, stetig, konsequent.

Die Jungen von heute sind wie die Alten daran interessiert, die intakte Infrastruktur eines gewachsenen Stadtquartiers zu bevorzugen.

Ggf. variables Arbeitsplatzangebot, Bildungs-häuser, Schulen, der Arzt um die Ecke, Krankenhaus, Apotheke … alles das scheint näher, erreichbarer als der eine Metzger, der vertraute Bäcker im Dorf, die ohnehin um ihre Existenz ringen, ja oftmals dem Gewerbegebiet bekannter Handelsketten am Ortsrand weichen mussten, da sie aus Gründen der Steuer bevorzugt behandelt worden sind.

Jedoch: wird das soziale Umfeld passend sein?

Ist die jetzt funktionierende Infrastruktur nachhaltig garantiert?

Ist es sicher, dass Krankenhäuser gehalten, Schulen nicht dicht gemacht werden?

Ist es wahr, dass ein Arbeitsplatzwechsel mit kurzen Wegen in der Stadt problemlos möglich ist?

Stimmt es, dass genügend Wohnraum vorhanden ist, wenn ein Wechsel ansteht, da die Familie größer / kleiner, die Ansprüche anders geworden sind?

Und wer kann es sich leisten, mitten in der Stadt zu wohnen?

Was kostet es, mittenmang dabei zu sein?

Was kostet es, am Ruf wirtschaftlicher Stabilität, einem Mehrangebot an Arbeitsplatzmöglichkeit, am Kulturleben bunt, am Studentenleben prall (Zitat DEMO Ausgabe 7- 2010) teil zu haben?

Beispiel Mietpreise in 2009:

 

1

Berlin (Ost)

4,57 - 6,46 €

2

Kiel

4,59 - 6,97 €

3

Berlin (West)

4,63 - 6,47 €

4

Hamburg

5,54 - 7,65 €

5

Frankfurt

6,22 - 7,25 €

6

Stuttgart

6,50 - 8,05 €

7

Düsseldorf

6,55 - 8,20 €

8

München

9,15 - 9,88 €

 

Ergänzend (da ich im Süden wohne): in Konstanz am Bodensee sind bis 2009 die Mieten für Wohnungen kleiner 50 qm um gut neun Prozent (!) gestiegen, während bei den größeren Einheiten eine Steigerung von vier Prozent auszumachen ist..

Gegenüber dem Einkommen liegt die Miete hier vielfach bei 41,83 Prozent.

Da lebt man selbst in München günstiger (siehe Auflistung oben)...

Und noch einmal die Frage: „Was kostet es, mittenmang dabei zu sein?“

Ist es realistisch zu denken, dass ich mein Zuhause halten kann, wenn der Arbeitsplatz verloren geht?

Ist es realistisch zu glauben, dass ich die passende Wohnung finden werde, die meinem sozialen Standard entsprechend und zudem bezahlbar ist?

Wie sieht es aus, wenn ich abhängig bin, da die Agentur mitreden, mitbestimmen will, was mir zusteht und vorgibt, wie mein Anspruch auf individuelle Lebens- und Umfeldgestaltung auszusehen hat, während ich Leistungen des Staates für mich in Anspruch nehme?

Wie viel Quadratmeter braucht denn der Mensch, um sich wohl zu fühlen, um sein ganz subjektiv einzuschätzendes Leben nach eigener Vorstellung organisieren, sichern zu können?

Wie groß sollte das Dach sein, das jedem Menschen zusteht?

Gibt es da eine Regel - wer kann es sagen?

Anlässlich einer Strategiekonferenz zum Dialog über Nachhaltigkeit, Flächeninanspruch-nahme und die Zukunft von Stadt und Land hat sich die Evangelische Akademie Tutzing am Starnberger See 2003 erneut mit dieser Frage beschäftigt:

Die Pro-Kopf-Wohnfläche hatte sich seit 1965 nahezu verdoppelt (1965 = 22 m2; 2003 = 43 m2).

Die Gründe für das Wachstum der Pro-Kopf-Wohnfläche waren im wesentlichen:

- Steigender Wohlstand und veränderte Ansprüche an die Wohnqualität / Wohnumgebung

- Zunahme von Ein- und Zweipersonenhaushalten

- Älter werdende Bevölkerung

Die „beanspruchte“ Wohnflächengröße ist im Wesentlichen abhängig von Alter und Lebensphase.

In der Familienphase steht erfahrungsgemäß insgesamt und im Verhältnis weniger Raum zur Verfügung.

Nach Auszug der Kinder, nach Trennung der Eheleute, nach Tod des Partners / der Partnerin wird dagegen nicht zwingend eine kleinere Wohnung gesucht.

In vielen Fällen verfügen Einzelpersonen dann also über verhältnismäßig großen Wohnraum, da sie in ihrer individuellen neuen Situation auf ihr vertrautes Zuhause auch weiterhin nicht verzichten möchten.

Rückbesinnung: in den Zwanziger Jahren entwickelte Standards für ein gesundes und bedarfsgerechtes Wohnen bot 8 Personen auf 88 qm ausreichenden Wohnplatz.

Nach 1945 wurde die Diskussion um eine Begrenzung der Wohnfläche neu geführt.

Dies mündete zu der seit 1960 üblichen Obergrenze von 60 qm für eine Familie mit 2 Kindern.

Dennoch – und das ist zu allen Zeiten gleich geblieben: es gibt nach wie vor nicht wenig Haushalte, in denen nicht jede Person über einen eigenen Raum verfügen kann.

Was ist nach dem geltenden Sozialrecht heute ein „angemessener Wohnraum“?

Zunächst:

Es geltend die allgemeinen Standards.

Eine Wohnung muss in ihrer Ausstattung den örtlichen und sozialen Gegebenheiten, d.h. Standards, entsprechen (Anmerkung: …was auch immer das heißen mag).

Übliches Beispiel: eine Wohnung mit einer Gemeinschaftstoilette für mehrere Wohnungen braucht niemand mehr hinnehmen.

Größenbestimmung:

45m² sind für eine, 60m² für zwei Personen angemessen.

Jeder weitere in der Wohnung lebende Person kann einen zusätzlichen Wohnraum von 15m² beanspruchen (gilt nicht für Kinder im Babyalter).

Diese angegebenen Wohnungsgrößen gelten hier für Mietwohnungen.

Seit Juli 2010 bekanntgewordene Überlegungen des Arbeitsministeriums sorgen nun für Unruhe und Empörung: um die stetig steigenden Kosten der Unterkunft für alleinstehende Hartz4-Empfänger reduzieren zu können, wird eine Größenbestimmung von 25 qm statt bisher 45 qm vorgeschlagen.

Die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Städtetags Frau Monika Kuban findet diesen Ansatz diskussionswürdig, glaubt aber:

"Der Wohnungsmarkt ist in vielen Städten so eng, dass günstigere Wohnungen für Langzeitarbeitslose und andere Hilfeempfänger kaum vorhanden sind“.

Meine stichprobenartige Suche nach kleinen Wohnungen am Beispiel der Stadt Köln zeigt folgendes Ergebnis auf (Auswahl aus 145 angebotenen Kleinwohnungen eines Maklers):

 

Köln Datum 25Juli2010

 

kalt / €

m2

€/m2

Anmerkung

200,00

16,00

12,50

183,00

17,00

10,76

295,00

25,00

11,80

315,00

26,00

12,12

310,00

28,00

11,07

390,00

45,00

8,67

3er WG

360,00

51,00

7,06

410,00

57,00

7,19

410,00

57,00

7,19

 

Deutlich zu sehen ist am Beispiel, dass zwar kleine Wohnungen vorhanden sind / angeboten werden.

Je kleiner die Wohneinheit, desto teurer scheint aber der Mietpreis (qm) zu werden abgesehen von der Tatsache, dass es nur eine geringe Auswahl von Wohnungen kleiner 25 qm überhaupt gibt.

WEM KANN SO GEHOLFEN SEIN?

Die sowieso schon benachteiligten Menschen in unserem Lande werden also zusätzlich eingeengt, abgedrängt (ich sage: entmündigt). WOHIN?

Hier verweise ich auf ein Interview der WIRTSCHAFTSWOCHE mit dem Soziologen Hartmut Häussermann vom 16.04.2010 – siehe Link:

http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/ghettos-gibt-es-in-deutschland-nicht-427680/

Titel: Ghettos gibt es in Deutschland nicht … (?)

Städteplaner haben schon jetzt die Schwierigkeit, dass sozial benachteiligte Menschen nicht nur in den Köpfen sondern ganz praktisch und räumlich an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

In den städtischen Randgebieten massieren sich wegen hier niedrigerer Mieten Spätaussiedler, Asylbewerber, andere Sozialfälle.

Angst vor wachsender Gewalt, Kriminalisierung anderer Art, Gleichgültigkeit, Fremdenhass, Chancenlosigkeit vor allem der Jugendlichen … bestimmen den Umgang hier, die es in Gemeinwesenprojekten durch Stadt und gezielter Sozialarbeit (und auch im Kampf gegen menschenverachtende Entscheidungen einer schwarz/gelben „Zukunft planender“ Regierung!) einzudämmen gilt.

Das Wohnen im leergefegten Gefängnis mag an dieser Stelle ironisch klingen.

In Überlingen am Bodensee waren ähnliche Überlegungen aber ganz konkret.

Inzwischen wohnen hier allerdings hinter von Gittern befreiten Fenstern gut zahlende und betuchte Eigentümer, die sich den Reiz des Besonderen noch leisten wollten.

Und Bunker sind bisher ebenso eher Reliquien besonders zu schützender Gesellschaftskreise gewesen.

Sie sind Raum im Dunkel, den kein Leistungsempfänger der Agentur für sich bean-spruchen wird. Licht soll in sein Leben kommen und das Gefühl von Wertschätzung und einzuplanender Sicherheit.

DER TRAUM VOM WOHNEN SOLLTE BEZAHLBAR BLEIBEN FÜR JEDERMANN!

Die Möglichkeit mit zu entscheiden, was individueller Wohnanspruch auch in schwierigen Verhältnissen bedeuten kann, wäre aber die Grundvoraussetzung einer menschenwürdigen und respektvollen Behandlung derer, die nicht wegen knapper Kasse zu minderer Menschen-klasse abzustempeln sind (welch Hohn!), fremdbestimmt, abgedrängt, verachtet, allein-gelassen …

Jetzt sind die Anderen dran, die mit dem Geld, die mit dem Arbeitsplatz und einem guten Verdienst, … die mit dem Übermaß an Platz und Möglichkeiten (Beispiel leerstehende Ferienwohnung als Steuer senkende Investitionsmasse), die noch aus der Fülle zehren können und hoffentlich verstehen, dass auch sie und trotz allem Einer von den Andern, von uns Allen sind.

Jetzt wird es Zeit, einer krankenden Gesellschaft wieder Heilung, Ausgewogenheit und sozialen Frieden anzubieten.

ICH HOFFE INSTÄNDIG DARAUF – WIE VIELE MIT MIR?

 

 

 

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