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Mehr Respekt für deutsche Soldaten?

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Deutschlandradio Kultur 22.5.2010

(Interview Horst Köhler, Die Zitate aus dem Interview sind schräg gedruckt, die Kommentare im normalen Druckstil)

Köhler: Nein, wir brauchen einen politischen Diskurs in der Gesellschaft, wie es kommt, dass Respekt und Anerkennung zum Teil doch zu vermissen sind, obwohl die Soldaten so eine gute Arbeit machen.

Kommentar: Offensichtlich hat der Bundespräsident noch nicht realisiert, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung (68%) gegen den Krieg in Afghanistan ist.

Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung respektiert allerdings die Leistung der Soldaten, die dort ihr Leben riskieren.

In Kurzform, so dass es auch der Bundespräsident verstehen kann:

Der Einsatz wird abgelehnt, unsere Soldaten werden gleichwohl geschätzt!

Den politischen Diskurs um den Afghanistan-Einsatz auf die Ebene von Achtung oder Verachtung für deutsche Soldaten zu reduzieren, ist unseriös, unfair und dient nicht dem Ansehen der Bundeswehr!

Köhler: Und aus meiner Einschätzung ist es wirklich so: Wir kämpfen dort auch für unsere Sicherheit in Deutschland, wir kämpfen dort im Bündnis mit Alliierten auf der Basis eines Mandats der Vereinten Nationen. Alles das heißt, wir haben Verantwortung.

Die Legende, dass wir die Sicherheit Deutschlands in Afghanistan verteidigen ist bis heute nicht schlüssig erklärt.

Auch Köhler behauptet nur und erklärt nichts.

Die Al Quaida ist längst in andere Länder abgewandert, die Camps sind in Pakistan und im Jemen und an anderen Orten, von denen wir nichts wissen.

Inzwischen sind wir in einem Krieg mit der Bevölkerungsmehrheit in Afghanistan verwickelt, die man Paschtunen nennt.

Der Begriff Taliban hat sich zu einer allgemeinen Bezeichnung für Aufständische gewandelt.

Die eingesetzte Regierung Karsai wird von den Paschtunen überwiegend abgelehnt, weil sie in dieser Regierung unterrepräsentiert sind, obwohl sie die Mehrheit der Bevölkerung stellen.

;Viel Zündstoff für ein so kleines Land, dessen Armee wir gerade aufrüsten.

Wie viel Sicherheit wir durch das Auffüllen eines solchen Pulverfasses erzeugen, hat bisher noch kein deutscher Politiker erklären können.

Auch der Verteidigungsminister nicht.

Das Mandat ist unstrittig. Aber es wurde nicht erteilt, um angeblich die Sicherheit Deutschlands zu verteidigen.

Zur Erläuterung für die Stammtische.

Afghanistan ist das kleine Land im Osten, das an China, aber nicht an Deutschland grenzt.

Die Afghanen haben uns nie angegriffen, Al Quaida ist eine internationale Terrororganisation, die ihre Stützpunkte überall auf der Welt hat, auch in Deutschland.

Der Krieg gegen Afghanistan ist ein Angriffskrieg mit Mandat.

Das Mandat enthebt uns aber nicht von der Verantwortung, die wir für unsere kriegerischen Handlungen tragen.

Köhler: Ich finde es in Ordnung, wenn in Deutschland darüber immer wieder auch skeptisch mit Fragezeichen diskutiert wird.

In diesem Punkt teile ich die Meinung unseres Bundespräsidenten.

Köhler: Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.

Köhler sagt hier das, was die Amerikaner denken und die Deutschen verabscheuen.

Angriffskriege können auch durch geostrategische Interessen begründet sein.

Das ist natürlich Imperialismus pur. Deshalb sagt es niemand.

Wir können Herrn Köhler also für diese Äußerung von höchster Stelle nur dankbar sein.

Natürlich geht es bei dem Afghanistan-Einsatz um geostrategische Interessen.

Es geht um sichere Wege für Öl und Gas.

Dafür schickt man gern mal ein paar Soldaten in den Tod!

Nur die deutsche Bevölkerung ist zu sensibel, um diese Vorstellung zu ertragen.

Deshalb musste sie bislang belogen werden.

Herr Köhler beendet nun das Versteckspiel und schenkt reinen Wein ein.

Vielen Dank, Herr Bundespräsident!

Köhler: Das ist die Realität unseres Lebens heute. Man muss auch um diesen Preis (gemeint ist der Tod von Soldaten) - sozusagen seine am Ende Interessen wahren - mir fällt das schwer, das so zu sagen, aber ich halte es für unvermeidlich, dass wir dieser Realität ins Auge blicken. Deshalb halte ich es auch nach der Diskussion über den Begriff Krieg oder kriegsähnlichen Zustand oder bewaffneter Konflikt für ganz normal, wenn die Soldaten in Afghanistan von Krieg sprechen, und ich habe es auch für normal gehalten, dass ich auch in dem Gespräch mit ihnen dann nicht eine verkünstelte andere Formulierung gewählt habe.

Auch an dieser Stelle herzlichen Dank an den Bundespräsidenten für seine Ehrlichkeit!

Internationale Interessen zu wahren, kostet inzwischen auch in Deutschland wieder Blut.

Das Blut der gefallenen Soldaten in Afghanistan, von der leidenden Bevölkerung in jenem Land ganz zu schweigen.

All das, um geostrategische Interessen des Westens an der Schnittstelle zwischen Asien und Europa durchzusetzen.

Das mittelalterliche Taliban-Regime, Al Quaida und Bin Laden waren moralische Feigenblätter für einen unmoralischen Angriffskrieg in dem es tatsächlich um nackte, geostrategische Interessen der Industrieländer geht.

Wir lernen daraus, dass auch heute noch Angriffskriege aus materiellen Motiven erlaubt sind.

Die Regierungen müssen sich nur darauf verständigen und ein UN-Mandat dafür besorgen!

Vielen Dank Herr Bundespräsident für diese Lehrstunde!

 

 

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