Sozial ist,

was Arbeit schafft.
Demnach, ist nicht sozial, was Arbeitsplätze gefährdet oder vernichtet. Ein flächendeckender, branchenunabhäniger, einheitlicher Mindestlohn ist viel zu unflexibel, um für alle im Niedriglohnsektor Beschäftigten Rezept gegen Armut und für die Sicherung von Arbeit zu sein.
Ist er zu niedrig angesetzt, verpufft er wirkungslos.
Ist er zu hoch angesetzt, geraten Arbeitsplatze im Niedriglohnsektor in Gefahr.
Dazu bedarf es im Grunde keinen Beweises, sondern nur Bewusstsein des Strebens der Unternehmen nach Gewinnmaximierung.
Verweise auf andere Länder sind wenig hilfreich, da sich Struktur, wirtschaftliche Bedinungen und Mentalität in anderen Ländern immer unterscheiden.
Auch ist ein Verweis auf eine steigende Kaufkraft irreführend, da der Unternehmer nur die Preise anheben muß, um den Mindestlohn seiner Arbeitnehmer zu finanzieren, womit die Erhöhung der Kaufkraft bereits wieder „aufgefangen“ wird.
Das Argument, dass die Arbeitskraft ja nicht entlassen werden wird, da Nachfrage nach Arbeit besteht, ist kein sanftes Ruhekissen – sicherlich muß man den Einzelfall betrachten, der Unternehmer wird jedoch bestrebt sein, bei höheren Kosten für die Arbeit selbige auf die Schultern wenigerer Mitarbeiter zu verteilen.
Das Einzige, was bei der Betrachtung der Problematik hilft, ist, sich den Zustand in den Betrieben anzuschauen, mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen.
Doch der Mindestlohn ist damit natürlich nicht pauschal falsch – natürlich muß jeder Arbeitnehmer einen (Mindest-)Lohn erhalten, von dem er seinen Lebensunterhalt bestreiten, eine Leben in Würde führen und darüber hinaus an Kultur und Gesellschaft teilhaben kann.
Einen Zweck, den der Mindestlohn darüber hinaus erfüllen muß und der häufig nicht angeführt wird: er muß dem Zweck der Sicherung der Altersbezüge des Arbeitnehmers dienen.
Seinen Lebensunterhalt bestreiten, in Würde leben, an Kultur und Gesellschaft teilhaben – all dies soll der Arbeitnehmer auch nach Ausscheiden aus dem Erwebsleben können.
Dies ist weder mit 8,50€, wie von der SPD und den Gewerkschaften derzeit gefordert, noch mit einem Stundenlohn in Höhe von 10,00€ (aktuelle Forderung der Linkspartei) möglich.
Gleichzeitig geraten bei Mindestlöhnen in dieser Höhe aber massiv Arbeitsplätze in niedrigen Lohnregionen in Gefahr.
Auf den Punkt gebracht: es gibt keinen Mindestlohn, der gleichzeitig alle in ihn gesteckten Erwartungen erfüllt und dabei gleichzeitig nicht dazu führt, das Arbeitsplätze in Gefahr geraten oder sogar vernichtet werden.
Was ist die Lösung??
Es sollte ein Mindestlohn eingeführt werden, der deutlich unter den derzeitigen Forderungen liegt, ein Mindestlohn, der vielleicht eine Marke setzt, unter der jeder Lohn als sittenwidrig gilt – der aber gleichzeitig keine Arbeitsplätze in Gefahr bringt.
Parallel dazu sollten wieder mehr Energie und Zeit investiert werden, um die Aktzeptanz und das Bild von Gewerkschaften in der Öffentlichkeit zu verbessern.
Denn die Einzige wirklich sinnvolle Lösung gegen Hunger-, Dumping- und Niedriglöhne sind Tarifabschlüsse in Betrieben und Branchen, da nur sie die notwendige Flexibilität gewährleisten.
Nur bei Tarifabschlüssen besteht die Möglichkeit, das häufig von Unternehmern benutzte Argument, das die Kassenlage des Unternehmens zu schlecht ist, um Lohnanpassungen durchzuführen, auf seinen Wahrheitsgehalt zu überprüfen.
Nur bei Tarifabschlüssen kann unter Berücksichtigung der Lage des Unternehmens überprüft werden: „was ist drin“ für Arbeitnehmer, ohne dass Arbeitsplätze in Gefahr geraten??
Dazu ist wie gesagt allerdings ein ganz anderes Bild von Gewerkschaften in der Öffentlichkeit notwendig als derzeit.
Dazu sollten (insbesondere gewerkschaftsnahe) Parteien und auch Gewerkschaften selbst überlegen: was kann getan werden, um das Image von Gewerkschaften entsprechend zu verbessern?
Was kann getan werden, um die Mitgliederzahl in Gewerkschaften wieder deutlich zu steigern, um oben genannte Ziele durchzusetzen?






