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Wikileaks und die Jagd auf Julian Assange

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Ist Wikileaks-Gründer Julian Assange ein Krimineller, ein Vergewaltiger?

Oder ist alles nur ein Vorwand, um seiner habhaft zu werden?

Immerhin soll er, wenn es nach den USA geht, als Spion oder Terrorist vor Gericht gestellt werden:

"Als 'Verräter' und 'Terrorist' wird er beschimpft, über Parteigrenzen hinweg fordern Politiker seinen Kopf:

Wiikileaks-Mitbegründer Julian Assange hat mit der Veröffentlichung der US-Diplomatendepeschen erneut für einen Aufschrei der Empörung in den Vereinigten Staaten gesorgt.

Die US-Regierung will dem 39-jährigen Australier den Prozess machen.

Unklar ist aber bisher, auf welcher rechtlichen Grundlage dies geschehen könnte."

Wikileaks beschreibt "Cablegate", die schrittweise Veröffentlichung von Depeschen der US-Botschaften nach Washington, jedenfalls so:

"The cables, which date from 1966 up until the end of February this year, contain confidential communications between 274 embassies in countries throughout the world and the State Department in Washington DC. 15,652 of the cables are classified Secret.

The embassy cables will be released in stages over the next few months.

The subject matter of these cables is of such importance, and the geographical spread so broad, that to do otherwise would not do this material justice.

The cables show the extent of US spying on its allies and the UN; turning a blind eye to corruption and human rights abuse in 'client states'; backroom deals with supposedly neutral countries; lobbying for US corporations; and the measures US diplomats take to advance those who have access to them.

This document release reveals the contradictions between the US’s public persona and what it says behind closed doors – and shows that if citizens in a democracy want their governments to reflect their wishes, they should ask to see what’s going on behind the scenes.

Every American schoolchild is taught that George Washington – the country’s first President – could not tell a lie.

If the administrations of his successors lived up to the same principle, today’s document flood would be a mere embarrassment.

Instead, the US Government has been warning governments -- even the most corrupt -- around the world about the coming leaks and is bracing itself for the exposures."

Man stellt die enthüllenden Dokumente also nach und nach ins Netz, damit die Menschen deren Bedeutung begreifen, man den dargestellten Sachverhalten auch gerecht werden kann.

Paul Craig Roberts schreibt auf der Plattform Antiwar.com, die nun auch eine deutsche Mirror-Seite hat (Wer attackiert da wirklich die Welt?):

"Es ist WikiLeaks Schuld, dass alle diese Diplomaten der Vereinigten Staaten von Amerika eine Viertelmillion undiplomatische Botschaften über die Alliierten Amerikas, auch bekannt als Marionettenstaaten, verschickt haben.

Es ist auch WikiLeaks Schuld, dass ein Mitarbeiter der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika nicht länger die zynischen Methoden ertragen konnte, mit denen die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika andere Regierungen dazu bringt, ihr zu dienen, nicht ihren eigenen Völkern, sondern amerikanischen Interessen, und die belastenden Beweise an WikiLeaks weitergab...

Höchstwahrscheinlich wird sich die Presse, ausgehend von den Interessen ihrer Leser, auf Tratsch und wenig schmeichelhafte Bemerkungen konzentrieren, die Amerikaner über ihre ausländischen Kontrahenten gemacht haben.

Das wird für einiges Gelächter sorgen.

Auch wird die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika versuchen, die Medien in Richtungen zu lenken, die ihren politischen Zielen förderlich sind."

Damit wird er nicht unrecht haben, denn das Banalisieren greift weit um sich - wobei man aber schon viel Einblick haben oder selbst Erfahrungen damit gemacht haben muss, wie es ist, wenn man demokratische Rechte wahrnimmt und es einer "Supermacht" nicht passt.

Ob Assange zu Recht beschuldigt wird oder nicht, lässt sich insofern kaum beurteilen, als dass hier auch Rauch ohne Feuer möglich ist.

Es gibt keine Grenzen, keine Skrupel, man ist dazu bereit, anderen alles anzutun.

Denen, die unbequem sind, sich querlegen, aufdecken, dort politisch wichtige Positionen vertreten, wo die USA etwas anderes wollen (meistens geht es um ein Gemisch aus Geostrategie, Ressourcen und Wirtschaft).

Außerdem möchte man über die Fähigkeiten von Personen verfügen, die man in eigenen Programmen einsetzen kann.

Für sie gilt, dass aus Sicht der USA niemand anderer eventuell von ihnen "Gebrauch" machen darf, geschweige denn, dass sie sich weigern dürfen, ihren Beitrag zur Kriegsführung zu leisten.

Was sich Menschen selbst für ihr Leben vorstellen, welche politischen Überzeugungen sie haben, spielt keine Rolle.

Um sie kleinzukriegen, ihren Willen zu brechen, erwischt man sie dort, wo jedes Wesen besonders empfindlich ist: in der Liebe, beim Job, bei Ehre und Ansehen.

Je mehr jemand Widerstand leistet und ums eigene Leben, um die eigene Integrität, um Menschenrechte kämpft, desto brutaler wird man ihm oder ihr zusetzen.

Es gibt im imperialen Gehabe die Möglichkeit der Einsicht nicht, denn dies würde voraussetzen, andere Menschen, andere Staaten mit ihren Wünschen und ihrem Willen als gleichberechtigt anzuerkennen.

Wer sich also widersetzt, muss bereit sein, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen.

Das klingt vielleicht großartiger, als es ist, und passt auch mehr in Hollywoodfilme, historische Romane oder zu feierlichen Momenten, in denen OffizierInnen ihrem Land die "Treue bis in den Tod" schwören.

Es ergibt sich eher, wenn man immer wieder eingeschüchtert, verleumdet, getreten, in Menschenrechten verletzt wird, den Job deswegen verliert, hungert, nicht lieben darf, wen man liebt, dass man natürlich um den Preis des eigenen Lebens Widerstand leistet.

Man möchte auch um den Preis des eigenen Lebens nicht, dass ein Mensch, den man liebt (und der einen liebt und auch Angst vor dem Imperium haben muss) leidet und bedroht wird.

Ist Julian Assange bereit, den Preis zu bezahlen?

Vermutlich ja, auch wenn er um sein Leben kämpfen wird und froh über Freunde und Verbündete ist.

Was aber, wenn er sich etwas zuschulden kommen hat lassen?

Zum einen agieren Menschen, die unter immensem Druck stehen, anders als die mit einem vergleichsweise gewöhnlichen Alltagsleben, wo Probleme bewältigbar sind, weil sie auch viele andere betreffen.

Zum anderen gibt es absolut keine Perfidie, zu der ein vom niemandem in die Schranken gewiesenes Imperium nicht imstande ist.

Sie könnten Assange auch Drogen unterschieben oder sich was auch immer ausdenken.

Das klingt dann schon fast wie im Film, aber - möglich ist alles.

Das bedeutet nun nicht, dass alles pure Erfindung ist, man sollte dennoch sachlich und nüchtern urteilen - aber dass man sich auch fragen muss, was für wen auf dem Spiel steht.

Die Internationale Journalisten-Föderation (IFJ) springt Wikileaks unter dem Aspekt der Meinungsfreiheit zur Seite, denn die Reaktionen der USA zeugen "von einem Geist der Intoleranz und der Verfolgung, die nicht nur für diese beiden Männer gefährlich ist, sondern für alle Journalisten, die über politische und diplomatische Affären recherchieren".

Gemeint ist auch der Obergefreite Bradley Manning der Wikileaks Dokumente zuspielte.

Die IFJ reagiert auch auf Vorwürfe, wonach Wikileaks Infos undifferenziert an die Öffentlichkeit bringen würde, denn durch die Kooperation mit "anerkannten Medien" besteht eine Filterfunktion, sodass eben keine Leben in Gefahr gebracht werden.

JournalistInnen wissen natürlich, dass man mit Material sorgsam umgehen muss, und haben damit recht, dass nicht jede und jeder dazu in der Lage ist.

Dass Wikileaks in Julian Assange personifiziert ist, obwohl mehr Menschen dabei sind (mehrere Dutzend), entspricht wiederum selbst den Gesetzen der Medienwelt.

Eine Person und die offensichtlich stattfindende "Jagd" auf sie sind für Menschen Identifikationsfaktoren, denn selbst wenn die "Cables" nur portionsweise an die Öffentlichkeit gelangen, sind sie doch nicht für alle verständlich.

Der Umgang mit Assange und anderen KritikerInnen zeigt jedenfalls, dass die Kritik berechtigt ist.

Denn warum fällt der "Supermacht" nichta anderes ein als einen Menschen an den Pranger zu stellen (und andere einzuschüchtern)?

Man demonstriert damit, dass man westliche Werte nicht zu praktizieren bereit ist - mit denen aber nach wie vor Kriege aller Art gerechtfertigt werden...

Wikileaks

 

 

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